Deutschland

Ein Drittel der Karstadt-Kaufhof-Filialen nicht zu retten

Der Warenhauskonzern rechnet bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von rund 1,4 Milliarden Euro durch die Corona-Krise. Deshalb sind harte Einschnitte geplant.
20.05.2020 10:47
Lesezeit: 1 min
Ein Drittel der Karstadt-Kaufhof-Filialen nicht zu retten
Eingang der Filiale der Kaufhauskette Kaufhof in Essen. (Foto: dpa) Foto: Fabian Strauch

Gut ein Drittel der Galeria-Karstadt- Kaufhof-Warenhäuser ist nach Einschätzung der Sanierer nicht zu retten. «Von den insgesamt 172 Warenhäusern könnten am Ende im Idealfall vielleicht fast zwei Drittel weiter machen», sagte der vorläufige Sachwalter der Warenhauskette Frank Kebekus der «Wirtschaftswoche». Das würde die Schließung von mindestens 58 Häusern bedeuten.

«Wir haben allen Beteiligten klar gemacht, dass 80 Häuser «im Feuer» stehen» sagte Kebekus. Doch gebe es für mehr als ein Dutzend dieser Filialen noch Hoffnung. «Wenn es für diese Standorte noch Zugeständnisse von Vermietern und anderen Beteiligten gibt, kann es dort durchaus weiter gehen», sagte Kebekus. Andere Filialen seien dagegen selbst durch Zugeständnisse der Vermieter und der Beschäftigten nicht zu retten. «Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlen müsste.»

Die Corona-Krise habe die Warenhauskette in eine äußerst schwierige Situation gebracht. «Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen», sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Der Konzern könne deshalb nur durch harte Einschnitte überleben.

Bis Ende 2022 soll der verlustreiche Warenhauskonzern nach den Plänen der Sanierer wieder Gewinn erzielen. Mit den Vermietern verhandele man bereits über Mietnachlässe. Auch Karstadt-Kaufhof-Eigentümer René Benko soll dabei nicht verschont werden. Die Filialen seiner Immobiliengruppe Signa seien von Schließungen allerdings «sicher unterdurchschnittlich betroffen, weil Signa tendenziell eher die besseren Objekte besitzt, also solche, die sich rechnen», sagte Kebekus. Gleichwohl würden auch Zugeständnisse von Signa erwartet.

Ein nochmaliger Verkauf des Warenhauskonzerns ist dagegen für die Sanierer zurzeit keine Alternative. «Aktuell gibt es niemanden, der das Unternehmen übernehmen will. Wir rechnen auch nicht damit, dass noch jemand Interesse anmeldet», sagte Kebekus. Benko bleibe in der jetzigen Phase «der einzige, der die Bereitschaft signalisiert hat, viel Geld in die Sanierung von Karstadt-Kaufhof zu stecken».

Bereits Ende Juni soll nach den Plänen von Geiwitz und Kebekus im Detail feststehen, wer welche Beiträge zur Sanierung leistet und im Anschluss ein Insolvenzplan erstellt werden, über den die verschiedenen Gläubigergruppen im Juli abstimmen.

«Wenn der Insolvenzplan abgelehnt wird, dann wird wahrscheinlich alles zugesperrt, so wie bei Schlecker», warnte Geiwitz. Derzeit gehe er jedoch davon aus, dass Kaufhof und Karstadt erhalten bleiben. «Trotz aller Probleme ist der Warenhauskonzern zu retten, wenn auch nicht unbedingt in seiner heutigen Form», sagte er.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Micron führt Chip-Rallye an, während Wall Street leicht zulegt
01.10.2026

Überraschende Impulse an der Wall Street – Erfahren Sie, welche Kräfte den Markt heute bewegten.

DWN
Politik
Politik Frankreichs Schüler rebellieren: Knapp 2.000 Festnahmen bei Schulprotesten in Frankreich
01.10.2026

Seit Tagen demonstrieren Schüler an Frankreichs Gymnasien gegen kaputte Gebäude, zu wenig Lehrer und angekündigte Sparmaßnahmen in der...

DWN
Politik
Politik Innenministerkonferenz ändert Regeln: Bundesländer wollen mit Mehrheit gegen AfD entscheiden
01.10.2026

Die Innenministerkonferenz (IMK) verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Aus Angst vor der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt
01.10.2026

Erst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die offizielle Nachricht: Der ostdeutsche Autozulieferer Bohai-Automotive schließt sein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Tierhandelsriese Fressnapf legt Pläne offen: Schnelles Wachstum in Polen
01.10.2026

Polen gehört zu den wichtigsten Märkten der Fressnapf-Gruppe, dem europäischen Marktführer im Zoofachhandel. Die zum Konzern gehörende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der schrumpfende Riese: Warum Deutschlands Arbeitsmarkt vor einer historischen Trendwende steht
01.10.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt galt über Jahre hinweg als Fels in der Brandung. Trotz globaler Krisen, geopolitischer Verwerfungen und einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Softwaretochter Cariad vor massivem Stellenabbau
01.10.2026

Volkswagen stellt seine Softwarestrategie weiter auf den Prüfstand. Bei Cariad droht ein neuer Stellenabbau, während Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
01.10.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...