Wirtschaft

Gasmarkt wegen Corona vor größtem Nachfrage-Schock der Geschichte

Am internationalen Gasmarkt wird es wohl noch schlimmer kommen als zur Zeit der Großen Finanzkrise vor elf Jahren. Davon gehen internationale Fachleute aus.
11.06.2020 13:02
Aktualisiert: 11.06.2020 13:02
Lesezeit: 2 min
Gasmarkt wegen Corona vor größtem Nachfrage-Schock der Geschichte
Am internationalen Gasmarkt sieht es trübe aus. (Foto: dpa) Foto: DB Wintershall

Die Corona-Pandemie wird wahrscheinlich im laufenden Jahr am globalen Gas-Markt den größten Schock bei der Nachfrage auslösen, den es je in der Geschichte gegeben hat. Davon ist die internationale Energie-Agentur EEA in einer aktuellen Prognose überzeugt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Erdgas in Rekordhöhe verringern wird. Dabei belastet die COVID-19-Pandemie einen Markt, der bereits geschwächt gewesen ist“, schreiben die Fachleute in ihrem Bericht. „Die globale Nachfrage nach Erdgas wird wohl um rund 150 Milliarden Kubikmeter zurückgehen – also um rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr“, werfen die Ökonomen einen negativen Blick nach vorne.

Hintergrund: Der größte Rückgang, den es bisher bei der Nachfrage gegeben hat, fand während der Großen Finanzkrise 2009 statt. In jenem Jahr schrumpften die Volumina im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatten sich die Anbieter davon allerdings wieder erholt. Denn 2019 war der weltweite Gas-Verbrauch wieder um 1,8 Prozent gestiegen – also um 70 Milliarden Kubikmeter. Und nun wird es wohl wieder einen Rückgang geben.

"Wir gehen davon aus, dass sich der Verbrauch in jedem Wirtschaftszweig und in jeder Region verringert", sagen die Volkswirte der EEA. "Den größten Rückgang werden wohl die Industrieländer verkraften müssen - und hier ganz besonders die Energieerzeugung", so die Experten.

Auch chinesisch-russische Gaspipeline stand still

Wie sehr die Verbreitung des Corona-Virus den Markt bisher belastet hat, wird auch an der Entwicklung der chinesisch-russischen Gaspipeline "Kraft Sibiriens" deutlich. Die chinesischen Zollbehörden haben berichtet, dass weniger Gas als geplant durch die Rohrleitung transportiert worden ist. Da die chinesische Wirtschaft aufgrund der Pandemie eingebrochen war, stand die Pipeline sogar einige Woche still. Allerdings haben die Behörden dies nicht zugegeben, sondern den Stillstand offiziell mit Wartungsarbeiten begründet.

Doch ist die chinesisch-russische Pipeline nicht das einzige Problem, das den internationalen Markt belastet. So haben die polnischen Monopolbehörden UOKiK ein Verfahren gegen Gazprom angekündigt. Aus ihrer Sicht hat der Konzern während einer laufenden Untersuchung nicht ausreichend Information erteilt. Das UOKiK ermittelt, ob es bei der Errichtung des Projektes nicht zu einer unerlaubten Marktkonzentration gekommen ist.

Allerdings haben die Fachleute insgesamt ihren Optimismus nicht verloren: „Wir rechnen damit, dass der Großteil der Nachfrage, die im Jahr 2020 verloren geht, wieder im darauffolgenden Jahr zurückkehrt. Den größten Anstieg wird es wohl in den asiatischen Ländern und im Pazifik geben. Doch auch die Industrieländer in Europa und in Südamerika dürften auch in der Lage sein, die Rückstände wieder aufzuholen. Positiv wird sich wahrscheinlich auch auswirken, dass viele Länder sowieso von Kohle auf Gas umstellen“, zeigen sich die EEA-Volkswirte durchaus optimistisch.

 

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Refurbed-Checkliste: 5 Qualitätsstandards, die herkömmliche gebrauchte iPhones nicht erfüllen

Preisbewusstsein, Nachhaltigkeit und Qualität sind die Dinge, die für die meisten heutzutage beim Kauf von Smartphones im Mittelpunkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Paypal-Aktie vor der Wende: Stripe prüft Übernahme
26.02.2026

Stripe erwägt laut Bloomberg eine Übernahme von PayPal ganz oder in Teilen. Steht die PayPal-Aktie vor einer Trendwende oder bleibt es...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bertelsmann-Studie: Klimaschutz verliert in deutschen Unternehmen an Priorität
26.02.2026

Trotz mehr selbstgesteckter Klimaziele stockt die Transformation in Unternehmen und Banken in Deutschland. Unsichere politische Vorgaben...

DWN
Technologie
Technologie Fusionsenergie: Stromfresser KI - Kernfusion als Rettung?
26.02.2026

Tech-Welt und Politik trafen sich in den vergangenen Tagen in Indien zum KI-Gipfel. Dabei ging es auch um die Frage, wie der wachsende...

DWN
Finanzen
Finanzen Sparen statt konsumieren: Verbraucherstimmung in Deutschland auf Tiefstand
26.02.2026

Die Kauflaune ist mau und die Erwartungen an die Konjunktur auch. Die Deutschen sparen derzeit lieber ihr Geld, als es auszugeben.

DWN
Politik
Politik Hessischer Ministerpräsident fordert: Bei AfD-Regierung andere Zusammenarbeit der Länder
26.02.2026

Was passiert, wenn die AfD erstmals ein Bundesland regiert? Boris Rhein warnt: Der Austausch sensibler Infos zwischen Ländern könnte sich...

DWN
Technologie
Technologie Microsoft-Chef verspricht: Europäische Daten bleiben in Europa
26.02.2026

Die fortschreitende Entfremdung Europas von den USA besorgt auch Microsoft. Konzernchef Nadella verspricht Europas Behörden und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entlastung für Landwirte: EU setzt Zölle auf Stickstoffdünger für ein Jahr aus
26.02.2026

Die EU setzt bei Stickstoffdünger auf eine befristete Zollpause, um die angespannte Lage im Agrarsektor zu entschärfen. Reicht dieser...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Rechenzentrumsgeschäft treibt Nvidias über den Erwartungen liegende Ergebnisse an
26.02.2026

Nvidia gab am Mittwoch nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das vierte Quartal bekannt, die die Erwartungen der Analysten sowohl beim...