Wirtschaft

Streit ums Jamal-Gas: Polen erhält von Gazprom Nachzahlung von 1,5 Milliarden Dollar

Polen streitet sich mit Russland unaufhörlich ums Erdgas - und das schon seit Jahren. Doch jetzt bahnt sich zumindest bei einem Konflikt ein Ende an.
16.06.2020 12:36
Lesezeit: 1 min
Streit ums Jamal-Gas: Polen erhält von Gazprom Nachzahlung von 1,5 Milliarden Dollar
Die Jamal-Pipeline ist eine gigantische Leitung mit einer Kapazität von mehr als 30 Milliarden Kubikmetern Gas im Jahr. (Foto: dpa) Foto: Db Anett Indyka

Polen streitet sich seit Jahren mit Russland in mehreren Auseinandersetzungen ums Erdgas. Doch nun bahnt sich bei einem Konflikt um Gaspreise mit dem russischen Konzern Gazprom ein Ende an: So hat der polnische Gasversorger PGNiG mit den Russen einen Vertragszusatz für die Lieferungen durch die Jamal-Pipeline unterzeichnet, der den Polen bis zum 1. Juli die Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar für den Ausgleich von überhöhten Gaspreisen garantiert.

Das teilte PGNiG in einer offiziellen Erklärung mit.

Damit stützen sich die Polen auf ein Urteil des internationalen Schiedsgerichts in Stockholm vom März, das Gazprom zur Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar verpflichtet hatte. Gazprom hatte zwar Anfang Juni dagegen Berufung eingelegt. Doch war dieser Einspruch zurückgewiesen worden.

Aus der Sicht der Richter hatte das russische Unternehmen für die Polen höhere Preise gemacht als für andere europäische Vertragspartner. Gazprom muss nun für die Lieferungen bezahlen, die ab dem 1. November 2014 über die Jamal-Pipeline erfolgt sind, die von der Jamal-Halbinsel in Sibirien über Russland, Weißrussland und Polen sogar bis nach Deutschland führt.

Polnische Monpolbehörden ermitteln weiter gegen Gazprom

Dies ist nicht der einzige Konflikt, den Polen derzeit mit Russland um den Rohstoff hat. So haben auch die polnischen Monpolbehörden UOKiK Anfang Juni gegen Gazprom selbst ein weiteres Verfahren eingeleitet. Der Vorwurf: Während der Ermittlungen, die das polnisches Amt gegen das Unternehmen bereits eingeleitet hat, hätten die Russen den Polen angeblich zu wenig Informationen erteilt. Jetzt droht dem Konzern eine Strafzahlung von 50 Millionen Euro. „Wir verfügen bereits über das entsprechende Beweismaterial“, sagte der Vorsitzende des polnischen Amtes, Tomasz Chróstny.

Hintergrund: Polen ermittelt schon seit Jahren, ob es beim Bau der Nordstream 2 nicht zu unerlaubten Marktkonzentration kommt. Das Land will das Projekt aus politischen Gründen unbedingt verhindern, weil es aus seiner Sicht eigentlich hätte einbezogen werden müssen. So versucht das östliche EU-Mitglied seit Jahren das Vorhaben auf rechtlichem Wege zu stoppen.

„Dies zeigt, dass die effektive Politik der Regierung und der harte Kampf um die polnischen Interessen gute Ergebnisse erzielt. Wenn man eine konsequente Politik verfolgt, die sich auf Argumente stützt, dann kann man Erfolg haben – und das sogar bei einem so anspruchsvollen Partner wie Gazprom. Durch die gute Zusammenarbeit mit unserem Präsidenten lassen sich viele Vorteile für Polen erreichen“, sagte der stellvertretende polnische Premierminister Jacek Sasin.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Varta droht die Zerschlagung
23.07.2026

Varta steht vor einer möglichen Zerschlagung: Wichtige Geldgeber wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern lösen. Trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nestle-Aktie enttäuscht Anleger
23.07.2026

Der Teilverkauf des Wasser-Geschäfts bringt Nestle 2,8 Milliarden Franken. Trotzdem fällt die Aktie nach den Zahlen deutlich.

DWN
Technologie
Technologie Deutschland erlaubt Atom-Deal mit Russland
23.07.2026

Trotz scharfer Kritik genehmigt: In Niedersachsen sollen künftig Brennelemente für Atomkraftwerke russischer Bauart gefertigt werden....

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Zinserhöhung erst im September erwartet
23.07.2026

Die Inflation hat sich zuletzt abgeschwächt. Das ermöglicht der Europäischen Zentralbank (EZB) voraussichtlich eine Zinspause. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU verhängt neue Russland-Sanktionen
23.07.2026

Ein Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer und vieles mehr: Ein neues EU-Sanktionspaket soll den Druck auf Moskau erhöhen. Ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
23.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Finanzen
Finanzen Tesla-Aktie: Gewinn bricht ein
23.07.2026

Tesla verkauft wieder deutlich mehr Autos, doch der Gewinn sinkt und die Kosten für Musks Zukunftsvision steigen. Während der Konzern auf...

DWN
Politik
Politik Machtkampf in Kiew: Warum Selenskyj seinen populärsten Minister opferte
23.07.2026

Die Ukraine setzt Russland mit modernen Drohnen zunehmend unter Druck. Doch ausgerechnet jetzt hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den...