Finanzen

China kauft weltweit Goldminen auf: Was steckt dahinter?

In mehreren Teilen der Welt haben chinesische Firmen zuletzt im großen Stil Goldminen gekauft. Damit heizt das Land Spekulationen über die Schaffung eines mit Gold gedeckten Yuan weiter an.
30.06.2020 09:00
Lesezeit: 2 min
China kauft weltweit Goldminen auf: Was steckt dahinter?
Goldbarren stehen an der koreanischen Goldbörse auf einem Tisch. (Foto: dpa) Foto: -

China baut seine Führungsrolle auf dem globalen Goldmarkt weiter aus. Weltweit treiben chinesische Unternehmen derzeit die Übernahme von großen Bergbauunternehmen voran, die über ergiebige Goldminen verfügen. Woran die Chinesen im Einzelnen interessiert sind und welche enormen Geldsummen sie dabei bereit sind zu investieren, zeigen beispielhaft die folgenden vier von China übernommenen Großprojekte in Südamerika und Australien.

So kaufte die chinesische Zijin Mining Group Anfang März das Unternehmen Continental Gold nach Angaben des Unternehmens für 1,3 Milliarden kanadische Dollar (rund 850 Millionen Euro). Continental Gold betreibt in Kolumbien das Projekt Buriticá. Es ist der am weitesten fortgeschrittene Untertage-Goldbergbau in dem südamerikanischen Land und eines der weltweit größten hochgradigen Goldprojekte. Die Produktion soll noch in diesem Jahr beginnen. Die Mineralreserven mit einem Durchschnittsgehalt 8,4 Gramm Gold pro Tonne werden auf 3,7 Millionen Unzen Gold geschätzt.

Außerdem hat die Zijin Mining Group am 12. Juni für 323 Millionen kanadische Dollar (212 Millionen Euro) den Goldproduzenten Guyana Goldfields erworben, wie das Unternehmen berichtet. Die Chinesen gewannen den Bieterwettbewerb, da sie das Unternehmen um 35 Prozent höher bewerteten als zuvor Silvercorp Metals. Guyana Goldfields ist ein mittelgroßer Goldproduzent, der sich in erster Linie auf die Exploration, Erschließung und den Betrieb von Goldvorkommen im südamerikanischen Guyana konzentriert. Seine Förderprognose für 2019 lag zwischen 145.000 und 160.000 Unzen.

Das staatliche chinesische Unternehmen Shandong Gold Mining, einer der größten Goldproduzenten des Landes, hat am 18. Juni für 300 Millionen australische Dollar (184 Millionen Euro) das australische Unternehmen Cardinal Resources erworben, wie Reuters in der vergangenen Woche berichtete. Das Namdini-Projekt von Cardinal Resources verfügt über nachgewiesene und wahrscheinliche Mineralressourcen von insgesamt 5,1 Millionen Unzen Gold.

Anfang Mai unterzeichnete TMAC Resources eine Vereinbarung über den Verkauf des Unternehmens für 230 Millionen kanadische Dollar (150 Millionen Euro) an Shandong Gold Mining. TMAC besitzt das hochgradige Goldgebiet Hope Bay mit nachgewiesenen Mineralressourcen von insgesamt etwa 5,17 Millionen Unzen Gold mit einem Durchschnittsgehalt von 7,4 Gramm Gold pro Tonne und weiteren abgeleiteten Mineralressourcen von etwa 2,13 Millionen Unzen Gold mit einem Durchschnittsgehalt von 6,1 Gramm Gold pro Tonne. Noch prüft die kanadische Regierung die Übernahme, da Shandong Gold Mining ein Staatsunternehmen ist, wie die Financial Post berichtet.

Gold ist wichtiger Teil von Chinas Strategie

China ist der größte Goldproduzent der Welt. Allerdings wird auch hier das Gold immer knapper. Weltweit meldeten Goldminen für 2019 den ersten Rückgang der Gold-Produktion seit der Finanzkrise 2008, das heißt: Das sogenannte "Peak Gold" ist möglicherweise bereits überschritten. Auch die chinesische Minenproduktion ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent zurückgegangen. Das vergangene Jahr war bereits das dritte Jahr in Folge, in dem China einen Rückgang der Goldminenproduktion vermelden musste.

Neben der rückläufigen Verfügbarkeit im eigenen Land dürften die jüngsten Zukäufe von Goldminen durch chinesische Unternehmen aber auch ein Zeichen dafür sein, dass China das Edelmetall in Zukunft strategisch als Währungsreserve nutzen wird. So hat in der vergangenen Woche der chinesische Zentralbankgouverneur Yi Gang auf einem Finanzforum in Schanghai für die zweite Jahreshälfte eine enorme Kreditvergabe im Umfang von umgerechnet mehreren Billionen Euro angekündigt.

Auf derselben Veranstaltung fragte Guo Shuqing, der Vorsitzende der chinesischen Banken- und Versicherungsaufsicht: "Wie können wir so vielen Zentralbanken der Welt erlauben, die Gelddruckmaschine einzuschalten und unbegrenzt Geld zu drucken?" Zudem schickte Guo, der auch der Chef der Kommunistischen Partei innerhalb der Zentralbank ist, eine deutliche Warnung in Richtung der US-Notenbank Federal Reserve. Der Bankenaufseher warnte, dass eine beispiellose geldpolitische Lockerung durch die Federal Reserve die Glaubwürdigkeit der USA beeinträchtigen wird. "Es gibt nichts umsonst in der Welt", sagte er.

Den Chinesen ist bewusst, dass die extrem lockere Geldpolitik der USA mittelfristig in eine starke Inflation führen muss, gegen die Gold eine verlässliche Absicherung wäre. Daher verstärken sich derzeit auch wieder die Spekulationen, dass China die Ausgabe einer mit Gold unterlegten Währung vorbereitet. Schon seit 2008 hat es zahlreiche Gerüchte darüber gegeben, ob China möglicherweise einen Gold-Yuan herausgeben will. Die Tatsache, dass chinesische Bergbauunternehmen zuletzt weltweit im großen Stil Goldminen aufgekauft haben, scheint in jedem Falle ein strategischer Zug zu sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...