Deutschland

Nach Hass-Kolumne gegen Polizei: „taz“-Journalistin bittet um Polizeischutz

Die Autorin einer Hass-Kolumne gegen die Polizei braucht Polizeischutz, weil sie um ihre Sicherheit besorgt ist.
29.06.2020 13:48
Aktualisiert: 29.06.2020 13:48
Lesezeit: 1 min
Nach Hass-Kolumne gegen Polizei: „taz“-Journalistin bittet um Polizeischutz
Ein Blaulicht der Polizei. (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Die taz-Journalistin und Verfasserin einer hasserfüllten Kolumne gegen die Polizei braucht Medienberichten zufolge Polizeischutz. Wie der Focus berichtet, habe Hengameh Yaghoobigfarah demnach die Berliner Polizei um ein Beratungs- und Sicherheitsgespräch gebeten. Denn in der Redaktion seien in den vergangenen Tagen zahlreiche Telefonate und E-Mails mit „bedrohlichem Inhalt“ eingegangen.

Dies erfuhr der Focus am Sonntag eigenen Angaben zufolge aus Berliner Polizeikreisen. Der Justiziar und die Chefredaktion der „taz“ hatten im Auftrag von Yaghoobigfarah vor Tagen Kontakt zum Berliner Polizeipräsidium aufgenommen und um Hilfe für die nach eigener Angabe massiv eingeschüchterte Journalistin gebeten, schreibt das Magazin.

In dem hochumstrittenen Text vom 15. Juni stellte Yaghoobigfarah ein Gedankenspiel an, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Zum Schluss heißt es: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“

Bundesinnenminister Horst Seehofer wertet seine letztlich nicht eingelöste Anzeigedrohung gegen die verächtliche Polizei-Kolumne als Erfolg. „Mir geht es sehr gut, weil wir jetzt endlich über diesen unsäglichen Artikel in der "taz" auch eine öffentliche Debatte haben“, sagte der CSU-Politiker der Augsburger Allgemeinen. „Das war und ist mein Hauptziel.“ Er habe noch nie einen Artikel „mit einer so menschenverachtenden Sprache gegenüber Polizisten“ gelesen.

Seehofer kritisierte wachsende Angriffe gegen Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute sowie eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Behörden-Mitarbeitern und Kommunalpolitikern. „Da hilft nur eine harte Hand und ein starker Staat, um diese schlechte Entwicklung zu beenden“, sagte er. „Ich hoffe da sehr auf die Unterstützung der Bevölkerung.“ Vor der starken Hand stehe aber Prävention im Sinne von Bildung und Erziehung.

Die große Mehrheit der Bürger sieht einen Verfall des Respekts vor Polizisten in den vergangenen zehn Jahren. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für dieselbe Zeitung sehen das 83 Prozent der Befragten so. Lediglich sechs Prozent sind gegenteiliger Meinung. Jeder Zehnte sieht demnach keine Veränderung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA beflügelt die Wall Street
20.02.2026

Die Wall Street beendete den Handelstag am Freitag mit Gewinnen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Chips aus Sachsen: Infineon eröffnet im Juli neue Chipfabrik in Dresden
20.02.2026

Es ist die größte Investition in der Unternehmensgeschichte von Infineon. Fünf Milliarden Euro investiert Deutschlands größter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krka Generika: Wie Innovationen Preise und Märkte revolutionieren
20.02.2026

Der slowenische Pharmakonzern Krka entwickelt Generika, die den Markt verändern und Patienten besser versorgen sollen. Trotz fallender...

DWN
Politik
Politik NATO unter Druck: USA drängen auf Ende der Irak-Mission und Truppenabbau im Kosovo
20.02.2026

Die USA drängen in der NATO auf einen Kurswechsel und stellen Auslandseinsätze zunehmend infrage. Steht das Bündnis vor einer...