Finanzen

Nie zuvor wurden so viele neue Aktien auf den Markt gebracht

Zuletzt haben Unternehmen weltweit so viele Aktien an Investoren verkaufen können wie nie zuvor. Gerade vor dem Hintergrund einer globalen Rezession ist die massive Nachfrage nach neuen Aktien bemerkenswert.
02.07.2020 09:00
Lesezeit: 1 min
Nie zuvor wurden so viele neue Aktien auf den Markt gebracht
Ein Händler an der New Yorker Börse. (Foto: dpa) Foto: Michael Nagle

Innerhalb von nur sieben Wochen (bis Stichtag 23. Juni) wurden in USA neue Aktien im Umfang von 113 Milliarden Dollar auf den Markt gebracht. Mehr als die Hälfte des Umfangs bestand aus Aktienverkäufen durch bestehende Unternehmen. Eine wichtige Rolle spielten auch Wandelanleihen (in Aktien konvertierbare Schuldpapiere). Börsengänge waren der geringste Faktor.

Niemals zuvor haben Unternehmen in den USA innerhalb so kurzer Zeit neue Aktien in einem derart hohen Umfang auf den Markt gebracht, wie aus einer Studie von Goldman Sachs hervorgeht. Auch weltweit betrachtet lag das Volumen neuer Aktienemissionen zuletzt auf einem Rekordniveau. Das Niveau war zuletzt höher als die drei Siebenwochenzeiträume im Jahr 2010, welche die Liste bisher anführten.

"Wir stehen kurz vor dem Ende eines weiteren Rekordmonats bei den weltweiten Aktienemissionen, wobei der Juni den jüngsten Rekord vom Mai in den Schatten stellen dürfte", so die Goldman-Analysten. "Die Zahlen (ein Angebot von mehr als 230 Milliarden Dollar in 7 Wochen) und die Fähigkeit des Marktes, dieses beträchtliche Angebot zu absorbieren, waren beeindruckend", so die Analysten.

Die Umsatzeinbrüche wegen Corona lösten bei den Unternehmen weltweit einen plötzlichen Bedarf an Liquidität und zusätzlichem Eigenkapital aus. Der Aktienmarkt bot ihnen dazu eine günstige Gelegenheit. Die Unternehmen verkauften ihre Aktien in einen Markt, der zuletzt auch verstärkt von unerfahrenen Kleinanlegern gestürmt wurde.

Waren zunächst nur Aktien von Gewinnern der Coronakrise markant gestiegen, so weitete sich das Spektrum deutlich aus, selbst auf Aktien von Verlierern der Krise. Auch deren Kurse zogen an. Besonders deutlich wurde dies, als Kleinanleger im großen Stil Aktien eines bankrotten Unternehmens (Hertz) kauften. Die Unternehmen nutzten die gestiegenen Kurse, um sich zu günstigen Konditionen am Markt einzudecken.

Es sind im Übrigen nicht nur die Unternehmen selbst, die zuletzt von der beispiellosen Nachfrage nach Aktien profitiert haben. Auch für die Banken waren diese Deals im Rekordumfang eine Möglichkeit, ihre heftigen Umsatzeinbußen auszugleichen. Denn weniger Börsengänge, weniger Übernahmen und Fusionen, reduzierte Zinsmargen und erhöhte Kreditrückstellungen drücken auf ihre Erträge.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX-Aktien legen deutlich zu, während sich Tech-Werte erholen
29.06.2026

Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Märkte jetzt bewegen und warum Anleger wieder optimistischer in die Zukunft blicken.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Deutsche Bank senkt Erwartungen deutlich
29.06.2026

Eine weitere Großbank hat ihre Goldpreis-Prognose nach unten korrigiert. Die Experten der Deutschen Bank haben ihre Erwartungen für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
29.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...

DWN
Panorama
Panorama Sechs Tote in Stade nach Schießerei – Was bisher über die Tat bekannt ist
29.06.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind Schüsse gefallen. Es gibt mehrere Tote und Schwerverletzte und die Politik...

DWN
Finanzen
Finanzen Airbus bekommt Rekordsumme: EU-Förderbank zahlt drei Milliarden 
29.06.2026

Die Europäische Investitionsbank soll Prioritäten der EU finanzieren helfen - etwa bei Sicherheit und Verteidigung. Die Förderbank...

DWN
Politik
Politik Spitzel, Quellen und Agenten: Maaßen kritisiert Verfassungsschutz
29.06.2026

Der frühere Chef des Inlandsnachrichtendienstes Hans-Georg Maaßen kritisiert beim 1. Demokratiekongress der AfD seine ehemaligen...

DWN
Politik
Politik Europäische Fonds: Wo EU-Geld am häufigsten durch Betrug verschwindet
29.06.2026

Während Italien und Rumänien in absoluten Zahlen an der Spitze der Länder stehen, ist der geschätzte Schaden pro Einwohner durch Betrug...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenzverfahren: Deko-Kette Depot schließt 66 Filialen in Deutschland
29.06.2026

Depot betrieb vor einigen Jahren noch rund 400 Geschäfte. Jetzt macht der Einzelhändler erneut eine große Zahl an Geschäften dicht....