Panorama

Kreml reagiert auf erhöhte Radioaktivität im Gebiet der Ostsee

Russland hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach das Land für die zuletzt erhöhte Radioaktivität in der Ostsee verantwortlich gewesen sein soll.
02.07.2020 15:00
Lesezeit: 2 min
Kreml reagiert auf erhöhte Radioaktivität im Gebiet der Ostsee
Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation war die gemessene Strahlung ungefährlich für Mensch und Umwelt. (Foto: dpa) Foto: Stefan Sauer

Am vergangenen Freitag hatten Beobachter der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) einen alarmierenden Bericht veröffentlicht, demzufolge ihre in Skandinavien stationierten Strahlungssensoren unüblich hohe Radioaktivitätswerte in der Luft über dem Baltikum und Skandinavien festgestellt haben.

Das Netzwerk aus hochempfindlichen Sensoren, welche die CTBTO (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization) an Hunderten Messstationen überall auf der Welt betreibt und die seismische, hydroakustische und andere Technologien zum Einsatz bringen, sollen Atomwaffentests oder mögliche Lecks in Kernkraftwerken aufspüren.

In der letzten Woche hatte nun die Stockholmer Überwachungsstation für den Bereich der Ostsee ungewöhnlich hohe Konzentrationen von drei Radionukliden festgestellt: Cäsium-134, Cäsium-137 und Ruthenium-103, wie CTBTO-Chef Lassina Zerbo am vergangenen Freitag auf Twitter mitteilte. Diese drei radioaktiven Partikel können vom Wind über weite Strecken getragen werden.

Laut den Angaben Organisation waren die Konzentrationen nicht groß genug, um Menschen zu schädigen. Allerdings waren es "mit Sicherheit Kernspaltungsprodukte, höchstwahrscheinlich aus einer zivilen Quelle", so die Erklärung der CTBTO aus der letzten Woche. Es liege jedoch nicht in ihrem Mandat, den genauen Ursprung der erhöhten Strahlung zu bestimmen.

Am Montag sagte dann die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), dass die leicht erhöhten Radioaktivitätswerte, die sich sich über Teile von Dänemark, Norwegen, Südschweden, einen Großteil Finnlands, die baltischen Länder und einen Teil Westrusslands erstreckten, kein Risiko für die menschliche Gesundheit oder für die Umwelt darstellen. Es sei aber immer noch unklar, was die Ursache war.

Die in Wien ansässige Agentur hatte am Samstag Kontakt mit europäischen Ländern aufgenommen, um Informationen anzufordern. Bis Montagnachmittag hätten 29 Länder darauf reagiert und gesagt, dass auf ihrem Territorium nichts passiert sei, was die Isotopenkonzentrationen in der Luft verursacht haben könnte. Auffällig ist, dass Russland der IAEO zunächst keinen Bericht erstattet hat, wie AP berichtet.

Das Nationale Institut für Volksgesundheit und Umwelt der Niederlande sagte am Freitag, die Isotope könnten aus einer Quelle in Russland stammen und "auf Schäden an einem Brennelement in einem Kernkraftwerk hinweisen". Der staatliche russische Kernkraftwerksbetreiber sagte jedoch, dass die beiden Kernkraftwerke im Nordwesten Russlands keine Probleme gemeldet hätten.

"Wir haben ein außergewöhnliches und modernes System zur Überwachung der nuklearen Sicherheit, und wie Sie gesehen haben, gab es keine Alarme im Zusammenhang mit Bedrohungs- oder Notfallsituationen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag. "Wir wissen nicht, woher diese Berichte von Spezialisten in den Niederlanden stammen", fügte er hinzu.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen KI bei Tech-Aktien: Wie massive Investitionen Wachstum fördern und Risiken für Anleger bergen
01.01.2026

Die Tech-Branche steht erneut im Fokus der Finanzmärkte. Mit Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz setzen führende...

DWN
Immobilien
Immobilien Toyota Woven City: Japans Reallabor am Mount Fuji
01.01.2026

Unter dem Blick des Fuji baut Toyota eine Stadt als Reallabor: Woven City. Hier treffen Wasserstoff, Sensorik und autonome Mobilität auf...

DWN
Immobilien
Immobilien Sonne als Heizung: Wie Sie mit energieeffizienten Fenster Heizkosten sparen – Tipps und Tricks
01.01.2026

Fenster sind mehr als Lichtspender: Sie entscheiden über Wärme, Komfort und Energieverbrauch. Richtig platziert und gesteuert, werden sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AWS treibt Ausbau der Dateninfrastruktur voran: Unterseekabel zwischen Irland und USA geplant
01.01.2026

Irland rückt zunehmend in den Fokus globaler Dateninfrastruktur, während Unternehmen ihre Cloud- und KI-Kapazitäten ausbauen. Welche...

DWN
Panorama
Panorama BiB-Studie: Städte wachsen, Land schrumpft – der Bevölkerungstrend bis 2070
01.01.2026

Wachsen die Städte weiter – und schrumpft das Land noch schneller? Eine neue Studie des BiB rechnet bis 2070 verschiedene Szenarien...

DWN
Technologie
Technologie Glasfaser-Betrug: So erkennen Sie Laufzeitfallen beim Glasfaservertrag
01.01.2026

Glasfaser klingt nach Zukunft – doch beim Vertragsabschluss lauern Fallen. Manche Anbieter verschieben Laufzeitbeginne, andere arbeiten...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnnebenkosten-Ranking: In diesen Städten wird Wohnen zur Kostenfalle
01.01.2026

Die Miete allein ist längst nicht mehr das Problem – die Nebenkosten treiben die Wohnkosten auf ein neues Niveau. Höhere Gebühren,...

DWN
Politik
Politik Merz wirbt für "Moment des Aufbruchs" 2026
01.01.2026

In seiner ersten Neujahrsansprache appelliert Kanzler Merz an Vertrauen und Tatkraft in Krisenzeiten – und stellt in Aussicht, dass die...