Panorama

Corona-Ticker vom 8. Juli: Lage in den USA außer Kontrolle - drei Millionen Infizierte

Im Folgenden lesen Sie den Corona-Ticker von Mittwoch, den 8. Juli.
08.07.2020 09:50
Aktualisiert: 08.07.2020 09:50
Lesezeit: 5 min

17.48 Uhr - US-Präsident Donald Trump droht Schulen mit dem Entzug von Finanzmitteln, falls sie im Herbst nicht wieder öffnen. Das geht aus einem Twitter-Beitrag des Präsidenten hervor. Welche Gelder genau er streichen will, ist allerdings unklar. Nach der US-Verfassung sind die Bundesstaaten für die Schulbildung zuständig, die Zentralregierung in Washington stellt lediglich ergänzende Mittel zur Verfügung. Unzufrieden zeigt sich Trump mit den Richtlinien der Gesundheitsbehörden für die Öffnung der Schulen. Er bezeichnet die Vorgaben als "sehr streng und teuer". Trump wirft den oppositionellen Demokraten vor, Schulöffnungen zu hintertreiben, um daraus politische Vorteile bei der Präsidentenwahl im November zu ziehen.

17.30 Uhr - Brasiliens an Covid-19 erkranktem Präsident Jair Bolsonaro geht es nach eigenen Angaben sehr gut. Der 65-Jährige verweist in einem Tweet auf seine Einnahme des Medikaments Hydroxychloroquin - für dessen Wirksamkeit es aber kaum wissenschaftliche Belege gibt. "An die gerichtet, die gegen Hydroxychloroquin sind, aber keine Alternativen anbieten, ich muss leider sagen, dass es mir damit sehr gut geht und dass ich Gott sei dank noch viel länger leben werde", so Bolsonaro. Er hatte seine Erkrankung am Dienstag bekannt gemacht.

17.25 Uhr - Aus Furcht vor einer zweiten Infektionswelle und einer starken globalen Nachfrage versucht die EU den Mangel an Medikamenten für Covid-19-Patienten zu beheben. Die EU suche Firmen für die Lieferung von 24 Intensivmedikamenten, sagt ein EU-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe Engpässe unter anderem bei Analgetika, Antibiotika, Muskelrelaxantien, Anästhetika und Reanimationsmedikamenten. Eine Stellungnahme der EU-Kommission liegt zunächst nicht vor.

16.50 Uhr - Infolge der Corona-Krise sind nach Angaben der Ratingagentur Fitch so viele Länder-Bonitäten herabgestuft worden wie nie zuvor. Erstmals werde es mehr Staaten mit einer Schuldenbewertung auf Ramschniveau geben, als mit einer noch als ausfallsicher geltenden Bewertung, prognostiziert Fitch. In diesem Jahr seien 26 Länder von Herabstufungen betroffen, etlichen drohe angesichts eines negativen Rating-Ausblickes das gleiche Schicksal. Je schlechter ein Rating ist, umso teurer und komplizierter wird es für den Schuldner, sich am Kapitalmarkt Geld zu besorgen.

15.46 Uhr - Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, hält einen zweiten landesweiten Shutdown nicht für nötig. Das wäre ein großer Fehler, sagt Kudlow in einem CNBC-Interview. Er könne negative wirtschaftliche Folgen durch Coronavirus-Einschränkungen in einzelnen Bundesstaaten aber nicht ausschließen.

15.45 Uhr - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnt davor, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu unterschätzen. Man könne den Menschen nicht versprechen, dass ein halbes oder ein Jahr nach dem Lockdown alles wieder normal sei, sagt der Berliner Spitzenökonom dem rbb. Etwas wie den Lockdown habe Deutschland noch nicht gesehen: "Selbst im Zweiten Weltkrieg gab es das nicht, dass so schnell und in so kurzer Zeit Produktionsprozesse heruntergefahren wurden. Das gab es noch nie. Und wir realisieren jetzt, der Schaden davon ist deutlich größer."

13.40 Uhr - Der britische Premierminister Boris Johnson weist den Vorwurf zurück, er wolle die Verantwortung für die Ausbreitung der Pandemie auf Mitarbeiter von Pflegeheimen abwälzen. Dies sei das Letzte, was er tun wolle, sagt Johnson vor dem Parlament. "Wenn es um die Schuldfrage geht, übernehme ich die volle Verantwortung für das, was geschehen ist." Johnson hatte zuvor erklärt, einige Mitarbeiter von Pflegeheimen hätten die Richtlinien nicht beachtet. Er hat Forderungen der Opposition zurückgewiesen, sich dafür zu entschuldigen.

13.30 Uhr – Die Bundesregierung betrachtet den Rückzug der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "als Rückschlag für die internationale Zusammenarbeit", sagt Vizeregierungssprecherin Martina Fietz. "Die Bundesregierung schätzt die Arbeit der WHO außerordentlich." Die Ausbreitung der Corona-Pandemie zeige, dass mehr und nicht weniger internationale Zusammenarbeit erforderlich sei.

13.11 Uhr - Trotz der Lockerungen in der Corona-Krise bleibt die Lage in der Metall- und Elektrobranche stark angespannt. Die Produktion lag im Mai 30 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, wie der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mitteilt. In der wichtigen Autoindustrie ging die Produktion sogar um fast 54 Prozent zurück und fiel auf den Stand von 1993. "Fehlende Liquidität und Nachfrage bleiben die größten Probleme der Unternehmen", sagt Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie bleibe weit von der Normalität entfernt. "Es liegt noch eine lange Wegstrecke vor uns."

13.10 Uhr - Nordrhein-Westfalen will mit dem Bund und den Ländern für künftige größere Coronaausbrüche Schutzmaßnahmen unterhalb der Kreisebene ermöglichen. Die Entscheidung des NRW- Verwaltungsgerichts, das den Lockdown im Kreis Gütersloh außer Kraft gesetzt hatte, könne die Gespräche vorantreiben, sagt NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass das vom Lockdown betroffene Gebiet zu groß sei und die Anordnung damit unverhältnismäßig gewesen sei. NRW habe sich zuvor in Gütersloh und Warendorf für die Kreisgrenze entschieden, weil der Bund und die Länder sich auf die Kreisgrenzen verständigt hatten mit der kritischen Zahl von 50 Neuinfizierten. Jetzt wolle man differenziertere Kreisregeln ermöglichen.

12.00 Uhr - Katalonien verschärft die Maskenpflicht und schreibt ihr Tragen generell vor. Demnach ist auch ein Sicherheitsabstand kein Grund, keine Maske zu tragen. Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra kündigt an, die Maßnahme werde am Donnerstag in Kraft treten. In Spanien ist das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes drinnen und draußen obligatorisch, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

10.30 Uhr - In Frankreich wird es bei weiteren Corona-Ausbrüchen künftig nur noch regional begrenzte, aber keine landesweiten Lockdowns mehr geben, kündigt der neue Premierminister Jean Castex an. "Wir müssen auf eine zweite Welle vorbereitet sein", sagt er dem TV-Sender BFM. Aber man werde bei Bedarf nicht wieder wie im März das ganze Land abriegeln - "weil das schreckliche wirtschaftliche und menschliche Konsequenzen hat." Ein neuer Lockdown wäre dann in jedem Fall gezielt und begrenzt. Castex war vor seiner Ernennung zum Regierungschef zuletzt zuständig für die Lockerungen Frankreichs in der Corona-Krise.

09.30 Uhr - In Russland haben sich inzwischen mehr als 700.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Binnen 24 Stunden seien 6562 Neuinfektionen gemeldet worden, teilen die Behörden mit. Damit sei die Zahl der Infektionen auf 700.792 gestiegen. Von ihnen gelten 472.511 als wieder genesen. 173 weitere Menschen seien in Zusammenhang mit dem Virus gestorben, insgesamt gebe es damit 10.667 Todesfälle.

07.35 Uhr - Die EU-Kommission verlangt von Italien bis Oktober einen detaillierten Wirtschaftsplan, der den Wiederaufbau-Fonds der EU begleiten soll. Darin müssten genaue Vorschläge für Investitionen und Reformen sowie sehr konkrete Zeitpläne enthalten sein, sagt EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni der Zeitung "La Stampa". Außerdem müssten die Pläne Italiens den Vorgaben der EU wie dem Green Deal und der Digitalisierung entsprechen. "Wir brauchen Sicherheit, dass nationale Programme mit den europäischen Prioritäten einhergehen."

05.14 Uhr - Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Deutschland steigt binnen 24 Stunden um 397 auf 197.341, wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Die Zahl der Todesfälle steigt um zwölf auf 9036.

00.42 Uhr - Brasilien bestätigt nach Angaben des Gesundheitsministeriums in den vergangenen 24 Stunden 45.305 neue Coronavirus-Fälle und 1254 weitere Todesfälle. Das lateinamerikanische Land verzeichnet bislang insgesamt 1.668.589 Infektionen und 66.741 Todesopfer, die auf das Virus zurückzuführen sind. Nach den USA hat Brasilien die höchste Infektionszahl weltweit.

00.17 Uhr - Die Zahl der Coronavirus-Fälle in den USA durchbricht nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters die Drei-Millionen-Marke. Danach haben sich 3,01 Millionen Menschen nachweislich angesteckt, 131.317 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. In den ersten sieben Juli-Tagen haben 18 US-Bundesstaaten einen Rekordanstieg bei neuen Covid-19-Fällen gemeldet. Allein in Texas hat sich die Zahl der stationären Patienten innerhalb von nur zwei Wochen mehr als verdoppelt. In Arizona sind rund 90 Prozent der Intensivbetten belegt. Die USA haben weltweit die höchste bekannte Anzahl an Infektions- und Todesfällen.

00.00 Uhr - Ab September sollen Produktionsstätten in Deutschland einem Medienbericht zufolge in der Lage sein, binnen eines Jahres zusätzlich 2,5 Milliarden Masken zu produzieren. Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium. Bis Ende Juni 2021 sollten die Unternehmen hierzulande dann bis zu sieben Milliarden Masken jährlich in zertifizierter Qualität zusätzlich herstellen können. Dazu zählen FFP2, FFP3 und medizinische Gesichtsmasken. Das Wirtschaftsministerium investiert 60 Millionen Euro an Fördermitteln, damit die Firmen ihre Produktion entsprechend umstellen. Gefördert werden zudem Anlagen, die das sogenannte Filtervlies für die Masken produzieren, durch das Viren abgehalten werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit – DAX rutscht weiter ab
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...

DWN
Politik
Politik USA-Einreise: Kaution auf 15.000 Dollar ausgeweitet – diese 50 Länder sind betroffen
19.03.2026

Neue Hürden bei der USA-Einreise sorgen für Unsicherheit: Eine USA-Kaution von 15.000 Dollar wird für immer mehr Länder Pflicht. Doch...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienförderung: Wie neue Bauförderungen die Deutschen zum Hausbau motivieren sollen
19.03.2026

Die Bundesregierung hat sich bezahlbares Wohnen mit Rotstift auf die Fahne geschrieben. Nach Erlass des Bauturbos sollen auch neue oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Meinung: Reflexartige Reaktionen der EZB sind das Letzte, was jetzt gebraucht wird
19.03.2026

Der EZB-Zinsentscheid steht an: Zwischen Inflationsrisiken und Konjunktursorgen muss die Europäische Zentralbank einen schmalen Grat...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Milliardenmarkt für Adipositas treibt Ausbau in Irland voran
19.03.2026

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk investiert 432 Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktion in Irland und stärkt damit seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF schreibt Milliardenverlust: Schulden bleiben hoch, Nachfrage stagniert – wie geht es weiter?
19.03.2026

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen kämpft weiter mit den Folgen von Umbau und Marktschwäche. Trotz Verbesserungen im operativen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IMK warnt: Neue Inflation in Deutschland durch Ölpreisschock
19.03.2026

Die Inflation könnte schneller zurückkehren als viele erwarten. Der Iran-Krieg treibt Energiepreise nach oben und setzt Haushalte unter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft CDU-Wirtschaftsrat fordert Fracking in Deutschland – Risiken für Umwelt und Klima
19.03.2026

Deutschlands Rohstoffstrategie steht unter Druck: Der Ruf nach mehr Eigenförderung wird lauter. Fracking rückt dabei wieder in den Fokus...