Finanzen

Wall Street investiert plötzlich Milliarden in den Gold-Bergbau

Investoren haben zuletzt so stark in Aktien von Gold-Bergbauunternehmen investiert wie seit 2013 nicht mehr. Ein Bullenmarkt für Goldaktien bahnt sich an.
30.07.2020 09:00
Lesezeit: 2 min
Wall Street investiert plötzlich Milliarden in den Gold-Bergbau
Der "Charging Bull" an der New Yorker Wall Street. (Foto: dpa) Foto: Wang Ying

Noch vor einem Jahr investierte kaum jemand an der New Yorker Wall Street in Aktien von Gold-Bergbauunternehmen. Doch jetzt stecken Investoren Milliardenbeträge in die Branche, die ihnen einst zu fremdfinanziert und risikoreich waren. Im zweiten Quartal nahmen Bergbaufirmen mit sekundären Aktienemissionen insgesamt 2,4 Milliarden Dollar ein, wie Bloomberg berichtet. Das ist der höchste Betrag seit 2013 und siebenmal so viel wie ein Jahr zuvor.

Hintergrund ist, dass die Goldpreise seit Beginn der Corona-Krise in die Höhe geschnellt sind. Seit zwei Wochen liegt der Goldpreis sogar wieder über der Marke von 1.800 Dollar. Denn zwar hat die Nachfrage nach Goldschmuck in Asien wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten nachgelassen. Doch in Westen haben Anleger wegen der massiven Geld- und Konjunkturprogramme so viel Geld in börsengehandelte Gold-Fonds gesteckt wie nie zuvor.

In der Folge sind die Goldbergbauunternehmen zu den Lieblingen der Anleger geworden. Der Sektor, der einst weitgehend die Aufmerksamkeit von Spezialfonds auf sich zog, zieht nun eine breite Basis von Investoren an. "Plötzlich sehen wir echtes Interesse von Generalisten", zitiert Bloomberg Bryan Slusarchuk, Chief Executive Officer des Unternehmens Fosterville South Exploration, das in Australien nach Gold graben will. "Wenn das so weitergeht, könnte dies nur der Beginn eines unglaublichen Bullenmarktes für Goldaktien sein."

Der Markt für Goldbergaufirmen wurde in den vergangenen Jahren von den beiden größten Giganten dominiert, Newmont und Barrick Gold. Vor vielen der anderen Unternehmen schrecken die Investoren noch zurück, weil deren Bilanzen eine zu große Fremdfinanzierung aufweisen oder weil die Unternehmen zu wenige Minen und Projekte hatten, um das Risiko zu streuen. Viele Investoren erinnern sich auch an die Abschreibungen, die nach dem Einbruch des Goldpreises im Jahr 2013 vorgenommen werden mussten.

Profitieren konnte auch die Explorations- und Goldminenfirma American Pacific Mining mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 20 Millionen Dollar. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal 3 Millionen Dollar von Investoren erhalten, sechsmal mehr als ursprünglich geplant. Das Interesse war so groß, dass es Angebote für weitere Kredite ablehnen musste, sagte CEO Warwick Smith. "Zuerst spielen die großen Jungs, und dann rieselt das Geld zu den kleineren Unternehmen hinunter, den Explorationsunternehmen", zitiert ihn Bloomberg.

Die Gründe, die die Attraktivität der Goldgräber förderten, sind die gleichen Gründe, die Investoren von Unternehmen abstoßen, die nach Metallen wie Kupfer oder Lithium graben, da letztere stärker vom Wirtschaftswachstum abhängig sind. Die Unternehmen der Basis- und Industriemetalle brachten im zweiten Quartal nur 34 Millionen Dollar auf, wie die Daten von Bloomberg zeigen. Das ist ein Rückgang um 40 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Auch Batteriemetallprojekte haben Mühe, Investoren anzulocken. Das Nickel-Kobalt-Scandium-Projekt Sunrise der Firma Clean TeQ Holdings in Australien ist ein Paradebeispiel dafür. Das Unternehmen sagte Mitte Juni, es sei nicht in der Lage gewesen, eine endgültige Investitionsentscheidung für das 1,5 Milliarden Dollar-Projekt zu treffen, da die Pandemie "Herausforderungen für die Finanzierung" mit sich bringe.

"Banker mögen keine Risiken", zitiert Bloomberg Andrew Bowering, einen Direktor des Unternehmens American Lithium, das ein Explorationsprojekt im US-Bundesstaat Nevada betreibt. "Das bedeutet, dass man einen langfristigen Abnahmevertrag abschließen muss, damit sie eine garantierte Produktion aus der Mine haben, und im Moment gibt es keine großen Käufer."

Die Anziehungskraft der Goldbergbaufirmen wird kaum dadurch getrübt, dass der Coronavirus den Bergbau erschwert, da es in engen, geschlossenen Räumen ein höheres Infektionsrisiko gibt. Der Branchenriese Barrick Gold sagte letzte Woche, dass das Unternehmen weiterhin von starken Goldpreisen profitierten, auch wenn man wegen der Pandemie Minen schließen musste.

Investitionen in den Sektor kommen auch in Form von Fusionen und Übernahmen. Die Geschäfte heizten sich im zweiten Quartal auf, wobei laut Bank of America zwölf Transaktionen im Wert von 2,86 Milliarden Dollar angekündigt wurden. Das ist fast doppelt so viel wie in den ersten drei Monaten des Jahres.

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