Wirtschaft

Russland kann "Nationalen Entwicklungsplan" nicht erfüllen, verlängert Frist um sechs Jahre

Der von Wladimir Putin 2018 verkündete Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung Russlands kann nicht, wie vorgesehen, pünktlich erfüllt werden.
24.07.2020 11:32
Aktualisiert: 24.07.2020 11:32
Lesezeit: 1 min
Russland kann "Nationalen Entwicklungsplan" nicht erfüllen, verlängert Frist um sechs Jahre
Russland muss sich von seinen ambitionierten Plänen teilweise verabschieden. (Foto: dpa) Foto: Sergei Ilnitsky

Die russische Regierung hat im Zuge der Corona-Krise eine Neuausrichtung ihres „Nationalen Entwicklungsplans“ vorgenommen. Das berichtet die „Moskau Times“. Die alte Version des Plans sah vor, Russland bis zum Jahr 2024 – in dem die vierte Amtszeit von Staatspräsident Wladimir Putin endet – zu einer der fünftgrößten Volkswirtschaften der Welt zu machen (derzeit steht das Land auf Rang elf). Dieses Vorhaben wurde komplett fallengelassen. Eine ganze Reihe von Zielen soll dagegen weiterverfolgt werden, wobei die Frist bis zu ihrer Erreichung um sechs Jahre bis 2030 verlängert wurde.

Putin hatte den „Nationalen Entwicklungsplan“ nach seiner Wiederwahl vor zwei Jahren verkündet. Das Vorhaben sah Investitionen in Höhe von 25,6 Billionen Rubel (322 Milliarden Euro) vor. Zur Erläuterung: Das russische Bruttoinlandsprodukt betrug 2019 1,657 Milliarden Euro. Wie hoch die Investitionen im Rahmen der Neuausrichtung des Plans bis 2030 ausfallen sollen, steht noch nicht fest.

Kreml-Sprecher Dmitry Peskov sagte, der Erfüllung des Plans sei unmöglich geworden durch die „ungünstige Situation der Weltwirtschaft, die die Entwicklung aller Länder ohne Ausnahme verlangsame“. Putin sagte: „Ich halte es für notwendig, über den derzeitigen Planungshorizont, also bis 2024, hinauszublicken, und nun neue nationale Ziele für das kommende Jahrzehnt festzulegen.“ Der neue Plan müsse „realitätsnah“ sein. Er solle auf jeden Fall eine Verbesserung des Gesundheitssystems enthalten sowie die Verlängerung der durchschnittlichen Lebenserwartung auf 78 Jahre (derzeit werden Frauen in Russland durchschnittlich 77 Jahre alt, Männer 67 Jahre). Weitere Ziele seien es, Russland weltführend in den Bereichen Forschung, Lehre und Entwicklung zu machen, die Wohnsituation und die Straßen im ländlichen Russland zu verbessern sowie die allgemeine Armut zu bekämpfen (die Armutsquote beträgt derzeit 12,3 Prozent, wobei als arm gilt, wem monatlich weniger als 10.890 Rubel, also 132 Euro, zur Verfügung stehen).

Laut einer Analyse von „Oxford Economics“ wäre dem „Nationale Entwicklungsplan“ auch ohne Corona bis 2024 aller Voraussicht nach nur ein teilweiser Erfolg beschieden gewesen. Von den insgesamt 13 ins Visier genommenen Zielen hätten acht eine Chance von weniger als 50 Prozent gehabt, realisiert zu werden. Die russische Wirtschaft befindet sich in schwerem Fahrwasser, woran nicht allein Corona Schuld trägt. Vor allem die äußerst niedrigen Rohstoffpreise stellen eine enorme Belastung des BIP dar - Russland hat es in den vergangenen Jahren kaum vermocht, seine Wirtschaft genügend zu diversifizieren, um seine Abhängigkeit von Öl und Gas spürbar zu verringern.

Lesen Sie morgen: Welche Schäden die russische Wirtschaft in den letzten Monaten hat hinnehmen müssen - und wie Banken und Analysten den Erholungsprozess einschätzen

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase wird zum Test für Anleger
14.06.2026

Die Kurse von KI-Aktien steigen rasant, doch die Warnungen vor einer neuen Blase werden lauter. Wer jetzt aus Angst alles verkauft, kann...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand verzweifelt an Regierung: Warum Unternehmer frustriert sind
14.06.2026

Deutschlands mittelständische Unternehmen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Bundesregierung. Wie eine falsche...

DWN
Technologie
Technologie Megatrends zeigen Europas gefährliche Zukunftslücke
14.06.2026

Technologie, Schulden, Demografie und Energie verändern die Weltwirtschaft schneller, als die Politik reagieren kann. Die Analyse der...

DWN
Politik
Politik Fünf politische Dauerbaustellen: Was aus großen Reformversprechen wurde
14.06.2026

Von Ehegattensplitting bis Familienstartzeit: Diese fünf Reformprojekte sollten Deutschland verändern. Heute prägen sie vor allem eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Er ist dabei, Maersk zu überholen – nun gibt CMA-Chef Saadé eine aufsehenerregende Prognose ab
14.06.2026

CMA-Chef Rodolphe Saadé sieht eine Weltwirtschaft auf Speed und warnt vor neuen Schocks im Welthandel. Seine Botschaft trifft auch Maersk,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Startups suchen Geldgeber: Wer finanziert Deutschlands Zukunft?
14.06.2026

Deutschland hat kein Startup-Problem, sondern ein Kapitalproblem. Während innovative Gründer neue Technologien entwickeln, fehlt häufig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rebecca Harding im Interview: Konflikte haben die Funktionsweise der Weltwirtschaft unwiderruflich verändert
14.06.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten hat gezeigt, was ein Wirtschaftskrieg ist und wie er funktioniert, erklärt Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wandert die Industrie ab? Fakten statt Ideologie
13.06.2026

Die Industrie verschwindet nicht über Nacht. Gefährlicher ist, was leiser passiert: Investitionen entstehen anderswo, Produktlinien...