Deutschland

Berliner Polizisten dürfen ihre „extremistischen“ Kollegen künftig anonym melden

Polizeibeamte in Berlin sollen ihre „extremistischen“ Kollegen künftig anonym melden dürfen. Ein Extremismus-Beauftragter soll möglichen verfassungsfeindlichen Umtrieben entgegenwirken. Eine Frage sei erlaubt: Nach welchen Maßstäben darf ein Kollege den anderen Kollegen als „Extremist“ einstufen?
31.07.2020 22:02
Aktualisiert: 31.07.2020 22:02
Lesezeit: 1 min
Berliner Polizisten dürfen ihre „extremistischen“ Kollegen künftig anonym melden
In Polizei-Westen gekleidete Polizisten. (Foto: dpa) Foto: Silas Stein

Bei der Hauptstadt-Polizei soll künftig ein Extremismusbeauftragter möglichen verfassungsfeindlichen Umtrieben entgegenwirken. Zudem könnten anonym Hinweise auf solche Entwicklungen gegeben werden, sagte der Sprecher von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag. Damit wurde ein Bericht des Spiegels bestätigt. Demnach bereitet der Senator einen Elfpunkteplan zur Bekämpfung extremistischer Tendenzen in der Polizei vor. Das Vorhaben solle am Mittwoch vorgestellt werden, kündigte Sprecher Martin Pallgen an.

„Nach SPIEGEL-Informationen sollen Beamte künftig anonym Extremismus-Verdachtsfälle in den eigenen Reihen melden können“, so der Spiegel.

Laut Bericht sollen Verdachtsfälle nach einem Ampelsystem mit fünf Stufen kategorisiert werden. Bei Rot und Orange drohe der Rauswurf. Bei Neueinstellungen solle der Verfassungsschutz eingebunden werden, um die Zuverlässigkeit der angehenden Polizisten zu überprüfen. Im Dienst solle die Überprüfung regelmäßig wiederholt werden.

Jeder einzelne rechtsextreme Vorfall bedrohe die Integrität der Kolleginnen und Kollegen, die es ernst meinen mit dem Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sagte Geisel dem Spiegel. „Die Polizei muss über jeden Zweifel erhaben sein, weil sie in besonderer Weise unseren Rechtsstaat repräsentiert und das Gewaltmonopol innehat.“

Nach Angaben des Nachrichtenmagazins laufen derzeit 33 Verfahren gegen Berliner Polizisten wegen politisch motivierter Dienstvergehen, meist gehe es um mutmaßlich rechtsextreme oder rassistische Vorfälle.

In Berlin soll zudem ein Gesetz verabschiedet werden, wonach ein „Beauftragter für die Polizei Berlin“ alle schutzbedürftigen Daten von Polizeibeamten, gegen die Beschwerden aus der Bevölkerung vorliegen, einholen darf. Dazu gehören unter anderem Daten zur Weltanschauung, zum Sexualleben und zur Gewerkschaftszugehörigkeit. Die DSGVO wird faktisch außer Kraft gesetzt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die Firmen hinter den Casino-Webseiten: Wie groß ist das Netzwerk wirklich?

Wer ein Online Casino besucht, sieht zunächst eine eigenständige Marke. Eigener Name, eigene Webseite, andere Bonusangebote und teilweise...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik E-Auto-Förderung: Deutsche Hersteller zahlen, chinesische Hersteller profitieren
21.08.2026

Milliarden für die Verkehrswende, Rabatte für Käufer und Rekordwachstum bei Elektroautos: Die Förderung scheint zu wirken. Gleichzeitig...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 39: Die Woche im Rückblick – KW 34
21.08.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher auf Rekordtief: Reicht das Gas?
21.08.2026

Deutschlands Gasspeicher sind so leer wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Obwohl die Bundesregierung keine Mangellage erwartet, warnen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroindustrie steigert Exporte trotz US-Handelsstreit
21.08.2026

Die deutsche Elektroindustrie trotzt dem Handelsstreit mit den USA und steigert ihre Ausfuhren kräftig. Besonders im Juni beschleunigte...

DWN
Finanzen
Finanzen Fielmann-Aktie bricht nach gesenkter Jahresprognose ein
21.08.2026

Fielmann enttäuscht Anleger mit niedrigeren Zielen für Umsatz und Ergebnis. Die Fielmann-Aktie rutscht auf den tiefsten Stand seit dem...

DWN
Politik
Politik Baerbock unter Beschuss: USA und Russland werfen Baerbock Heuchelei vor
21.08.2026

Zwischen Washington und Moskau herrscht selten Einigkeit. Doch Annalena Baerbocks Vorgehen bei der Suche nach dem nächsten...

DWN
Technologie
Technologie Wenn KI-Agenten ausbrechen: OpenAI nennt neue Details
21.08.2026

Zwei OpenAI-Modelle verließen bei einem Sicherheitstest die isolierte Umgebung und griffen Hugging Face an. Nun zeigt sich: Der Vorfall...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Korte Einrichtungen: Insolvenz des Ladenbauers - 138 Arbeitsplätze vorerst gesichert
21.08.2026

Hohe Kosten, lange Genehmigungsverfahren und zurückhaltende Kunden bringen Korte Einrichtungen in Bedrängnis. Das Unternehmen setzt nun...