Wirtschaft

Weltweite Umfrage: Ein neuer Zyklus am Immobilienmarkt hat begonnen

Einer Umfrage zufolge hat die Corona-Pandemie einen Strukturbruch in den bislang boomenden Immobilienmärkten weltweit ausgelöst.
21.08.2020 12:00
Lesezeit: 3 min
Weltweite Umfrage: Ein neuer Zyklus am Immobilienmarkt hat begonnen
Kolumbien, Cartagena: Das Drohnenbild zeigt die Bucht von Cartagena.(Foto: dpa) Foto: Jesus David Moreno

Die Ergebnisse des RICS Global Commercial Property Monitor für das zweite Quartal 2020 (GCPM) spiegeln die makroökonomischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und die Folgen für den Immobiliensektor wider. Wenig überraschend bewegen sich die wichtigsten Stimmungsindikatoren deutlich im negativen Bereich. Insgesamt liegen die Ergebnisse jedoch immer noch über den Tiefstwerten, die nach der weltweiten Finanzkrise verzeichnet wurden.

Eingetrübte Konjunkturaussichten mit Auswirkungen auf Immobiliensektor

Der globale RICS-Stimmungsindikator, der das Feedback von Mietern und Investoren abbildet, beruht auf dem gewichteten Durchschnitt der Rückmeldungen aus den erfassten Ländern und ist in den vergangenen drei Monaten von -28 auf -37 gefallen. Auf regionaler Ebene zeigt sich in Europa eine deutliche Verschlechterung des Stimmungsindikators gegenüber dem ersten Quartal von -14 auf -36. Dieser Einbruch folgt auf einen Zeitraum mit relativ stabilen Ergebnissen in Europa.

Weiterhin trübe Aussichten

Auf globaler Ebene rechnen jeweils 36 bzw. 37 Prozent der Befragten in den kommenden 12 Monaten mit einem Rückgang der Miet- und Kapitalwerte in den Mainstream-Assetklassen. Die Aufschlüsselung nach Regionen zeigt etwas weniger negative Prognosen für den Raum Asien-Pazifik, leicht pessimistischere Erwartungen für Nord- und Südamerika sowie relativ ähnliche Prognosen für Europa. Die Zahlen für Europa werden von der Entwicklung in Großbritannien belastet, das aktuell die europaweit schlechtesten Prognosen für die Miet- und Kapitalwertentwicklung verzeichnet.

Sektoren weisen zunehmend eigenständige Entwicklungen auf

Der Indikator für die Mietpreisentwicklung in den kommenden 12 Monaten deutet darauf hin, dass die konjunkturelle Schwächephase in Kombination mit strukturellen Veränderungen äußerst negative Auswirkungen auf den Einzelhandelssektor und zunehmend auch auf den Büromarkt haben wird. Im Gegensatz dazu sind die Zahlen für den Industrie- und Logistiksektor auf globaler Ebene in den positiven Bereich zurückgekehrt. Dies kann jedoch nicht über die deutlichen Unterschiede auf Länderebene hinwegtäuschen, wobei die USA und Deutschland voraussichtlich noch am besten abschneiden.

Darüber hinaus haben die Befragten eine Einschätzung zum Umfang des Büroflächenabbaus in den kommenden zwei Jahren abgegeben. 84 Prozent sehen eine reduzierte Nachfrage. Global rechnen über 50 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem Abbau von bis zu 10 Prozent, ein Drittel geht sogar von einem höheren Wert aus. Nur 14 Prozent der Befragten rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung.

Deutschland: Mietmarktindex fällt auf niedrigstes Ergebnis seit 2009

In Deutschland ist der Mietmarktindex „Occupier Sentiment Index (OSI)” im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr von -17 auf -36 Punkte gefallen. Dabei handelt es sich um das niedrigste Ergebnis seit 2009. Ein Anteil von 88 Prozent der Befragten verzeichnete im zweiten Quartal einen Nachfragerückgang bei Einzelhandelsflächen, das bisher schlechteste Quartalsergebnis. Auch die Büronachfrage verzeichnete einen deutlichen Rückgang, hier vermeldeten 55 Prozent der Teilnehmer eine negative Entwicklung. Die Nachfrage nach Industrieflächen ist jedoch beständiger. In diesem Segment sehen die Befragten kaum Veränderungen.

Die Mietpreisprognose für das kommende Jahr ist stark abhängig vom jeweiligen Sektor. So sinken die Mieten für Einzelhandelsflächen, Hotels, Büros in B-Lagen, Studentenunterkünfte und Mehrfamilienhäuser mehr oder weniger deutlich. Gleichzeitig erwarten die Befragten einen Mietanstieg bei erstklassigen Industrieflächen und auch für Datenzentren wird eine leicht positive Mietentwicklung prognostiziert.

Der Investmentmarktindex „Investment Sentiment Index (ISI)” ist im zweiten Quartal 2020 von -4 auf -19 abgerutscht. Die Investitionsnachfrage fiel in allen untersuchten Sektoren, wobei der Rückgang bei Industrieflächen im Vergleich zu den Büro- und Einzelhandelssegmenten moderater ausfiel. Hinsichtlich der Kapitalwertentwicklung in den kommenden 12 Monaten verzeichnen lediglich erstklassige Industrieobjekte und Datenzentren positive Prognosen. In den meisten Segmenten wird mit einem Preisrückgang gerechnet – im Einzelhandelssegment und für Hotels fallen die Prognosen besonders negativ aus.

Die Befragten sind mehrheitlich der Ansicht, dass sich der Gewerbeimmobilienmarkt in Deutschland aktuell in einer Abschwungphase befindet und lediglich 4 Prozent halten die Talsohle für durchschritten. Damit sehen erstmals über 50 Prozent der Befragten den deutschen Zyklus im Abschwung begriffen.

„Der Downturn ist in Deutschland angekommen, auch wenn die deutschen Zahlen noch die Besten unter den Schlechten sind. Der Markt wird weiterhin als teuer eingeschätzt, die Nachfrage vermindert sich und neue Anforderungen werden gestellt. Die Unsicherheit beim Bedarf und der Qualität zukünftiger Büroflächen weicht der Erkenntnis eines geringeren Flächenbedarfs. Die Auswirkungen werden wir noch deutlich spüren, wenn Mietverträge sukzessive auslaufen. Ein neuer Zyklus hat begonnen. Jetzt gilt es Geschäftsmodelle, Anlagestrategien, Nachhaltigkeit und Wirkung von Investitionen zu überdenken. Welchen Einfluss will die Branche nehmen? Zeit zum Handeln!“, sagt Susanne Eickermann-Riepe, die Vorstandsvorsitzende von RICS Deutschland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Nordex-Aktie auf Höhenflug: Analysten heben Kursziele und Nordex-Einstufung an – droht eine Übertreibung?
27.02.2026

Die Nordex-Aktie kennt derzeit scheinbar nur eine Richtung: nach oben. Rekordzahlen, optimistische Analysten und neue Dividendenfantasien...

DWN
Finanzen
Finanzen BFH-Urteil: Keine Steuer auf Abschiedsfeiern – worauf Sie achten müssen
27.02.2026

Wenn langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet werden, geht es oft feierlich zu. Doch wer trägt die steuerliche Last einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla-Aktie: Warum die Tesla-Betriebsratswahl in Grünheide Elon Musk bewegt
27.02.2026

Im Tesla-Werk Grünheide entscheidet sich bei der Tesla-Betriebsratswahl mehr als nur die Zusammensetzung des Tesla-Betriebsrats. Aussagen...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 09: Die wichtigsten Analysen der Woche
27.02.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 09 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Afghanistan-Pakistan-Krieg: Gefechte zwischen Pakistan und Taliban – China zeigt sich besorgt
27.02.2026

Beginnt gerade ein Afghanistan-Pakistan-Krieg? Gefechte zwischen Pakistan und den Taliban in Afghanistan spitzen sich dramatisch zu,...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Treffen in Abu Dhabi: Sicherheitsfragen und Wirtschaft im Fokus
27.02.2026

Ein weiteres Ukraine-Treffen steht bevor – und die Erwartungen sind hoch. Während die USA auf Fortschritte drängen, fordert Kiew...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitslosenzahl sinkt leicht: Niveau bleibt hoch und über Drei-Millionen-Schwelle
27.02.2026

Die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosenzahl sorgt für neue Diskussionen über die Stabilität des deutschen Arbeitsmarkts. Zwar zeigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Privatinsolvenzen steigen weiter deutlich an – 2026 neuer Höchststand erwartet
27.02.2026

Steigende Lebenshaltungskosten, wachsende Unsicherheit und immer mehr finanzielle Engpässe: In Deutschland geraten zunehmend Haushalte...