Insolvenz verschoben: Wer denkt, dass man die Wirtschaft folgenlos herunterfahren kann, der irrt

 

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13.08.2020 15:17  Aktualisiert: 13.08.2020 15:17
Die schweren Folgen des Lockdowns für die Weltwirtschaft werden erst in den kommenden Monaten sichtbar, schreibt Andreas Kubin.
Insolvenz verschoben: Wer denkt, dass man die Wirtschaft folgenlos herunterfahren kann, der irrt
Ein Werbeschild weist auf einen Räumungsverkauf hin. (Foto: dpa)
Foto: Arno Burgi

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Aus finanztechnisch logisch nachvollziehbaren Gründen – die einen separaten Essay erfordern – muss allerspätestens jetzt klar geworden sein, dass die Anzahl der Insolvenzen im Herbst 2020 zu steigen beginnen und 2021 signifikant zunehmen dürfte.

Nur Leute, die absolut keine Ahnung von Produktionsbetrieben und Wirtschaft an sich haben, gehen davon aus, dass sich Volkswirtschaften einfach wie ein Computer herunterfahren und wenn‘s später genehm ist einfach wieder problemlos hochfahren lassen. Ganz abgesehen vom massiven Nachfrageeinbruch kann man davon ausgehen, dass globale Lieferketten nachhaltig beschädigt wurden. Es ist sehr anzuraten, sich generell Ersatzteile welcher Art auch immer – die voraussichtlich in den nächsten zwölf bis vierundzwanzig Monaten benötigt werden – auf Lager-Vorrat zu legen! Schon alleine deshalb, weil auch mit Preissteigerungen zu rechnen ist – spätestens dann, wenn Liefer-Engpässe (neuerlich) auftreten.

Ein Beispiel aus Österreich zeigt, warum es bislang noch nicht zu einer Insolvenzwelle gekommen ist und warum Beobachter diese erst in ein paar Monaten erwarten: Die Insolvenz-Statistik für die erste Jahreshälfte 2020 des österreichischen Kreditschutzverbands (KSV) fördert ein paradoxes Haupt-Ergebnis zutage. Der KSV1870 sah sich deshalb zu einer Aussendung gezwungen, um Fakten zu schaffen. Trotz Coronakrise gab es einen deutlichen Rückgang in der Anzahl Unternehmens-Insolvenzen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019, der aber logisch erklärbar ist.

Der KSV erkennt, dass durch die im Zuge der Corona-Kreise vergebenen Überbrückungskredite Unternehmen (manche Experten nennen diese „Zombieunternehmen“) künstlich am Leben erhalten werden. Der Rückgang bei den Insolvenzen in Österreich beruht demnach primär auf verhinderten bzw. aufgeschobenen Insolvenzen zahlreicher Klein- und mittelgroßen Betriebe (KMU). Auch die Gesundheitskassen stellen etwa seit Monaten keine Insolvenzanträge. Daher gab es im 1. Halbjahr 2020 insgesamt nur 1.026 Insolvenzen bis zwei Millionen Euro Passiva, während es im ersten Halbjahr 2019 mit 1.463 Insolvenzen deutlich mehr waren. Das geschätzte Gesamtvolumen war dabei zuletzt mit 320 Millionen Euro jedoch schon höher als im ersten Halbjahr 2019 mit 312 Millionen Euro.

Die Zeiten steigender Börsen – abgekoppelt von der Realwirtschaft trotz negativer Berichterstattung – neigen sich deshalb dem Ende zu. Mit Sicherheit werden die Börsen irgendwann beinhart auf den Boden der Realität zurückgeholt. Investoren müssen sich auf eine längere heiße Phase gefasst machen. Gewinner werden jene sein, welche die nötige Geduld aufbringen, abwarten und dann einsteigen, wenn das Gros der Anleger Furcht zeigt.

KfW vergibt so viele Kredite wie nie zuvor, macht Verluste

Wie massiv per Kreditvergabe derzeit ein Zusammenbruch herausgezögert wird, zeigt sich in Deutschland. So hat die Corona-Krise die Nachfrage nach Krediten der staatlichen KfW auf ein Rekordniveau getrieben. "Die KfW hat im ersten Halbjahr 2020 die höchste Förderleistung ihrer Geschichte abgeliefert, in einer Zeit, in der durch die Corona-Krise die deutsche Wirtschaftsleistung so stark eingebrochen ist wie nie zuvor", sagte KfW-Chef Günther Bräunig am Mittwoch in Frankfurt. Das Fördervolumen der Bankengruppe stieg im ersten Halbjahr auf 76,2 Milliarden Euro, das war mehr als doppelt soviel wie im Vorjahreszeitraum (33,6 Mrd.).

Im Inland verdreifachte sich das Fördervolumen aufgrund der Corona-Hilfsprogramme auf 63 Milliarden Euro (20,8 Mrd.). Die Nachfrage nach Wohnungsbauförderung stieg ebenfalls deutlich auf 12,7 Milliarden Euro (5,4 Mrd.). Seit März wird die Förderbank, die dem Bund (80 Prozent) und den Ländern (20 Prozent) gehört, überhäuft mit Anträgen von Unternehmen für Notkredite in der Corona-Krise.

Bis zum 30. Juni wurden den Angaben zufolge etwa 70 000 Kreditanträge gestellt, das Volumen der Zusagen für Corona-Hilfsprogramme belief sich auf 33,6 Milliarden Euro. Rund 97 Prozent der Anträge kamen von kleinen und mittleren Unternehmen, 99,8 Prozent der Kredite hatten hier ein Volumen bis 3 Millionen Euro. Damit profitiere vor allem der deutsche Mittelstand von der Hilfe, betonte die KfW.

Mit Stand 11. August wurden insgesamt 81 359 Anträge gestellt, von denen 99,7 Prozent abschließend bearbeitet wurden. Das Zusagevolumen lag bei 42,6 Milliarden Euro. "Die KfW-Corona-Hilfe wurde im Eiltempo mit dem Bund und unseren Finanzierungspartnern aufgesetzt. Dabei hat sich die jahrelange gute Zusammenarbeit erneut bewährt", sagte Bräunig.

Zuletzt war Kritik laut geworden, die Hilfe komme nicht beim Mittelstand an. Vor allem die Begrenzung des Corona-Schnellkredits auf Unternehmen und Selbstständige mit mehr als zehn Beschäftigten wurde bemängelt. Bei den Schnellkrediten übernimmt der Staat zu 100 Prozent das Risiko, sollten Kreditnehmer das Geld nicht zurückzahlen können. Auf die KfW-Bilanz hat die Corona-Krise erhebliche Auswirkungen: Nach einem Konzerngewinn von 904 Millionen im ersten Halbjahr 2019 stand in diesem Jahr ein Verlust von 576 Millionen Euro in den Büchern. Gründe sind vor allem eine zusätzlicher Risikovorsorge und Abschläge an Beteiligungen in der Krise.


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