Finanzen

Nach Riesen-Investition von Warren Buffett: Sollten Privat-Investoren jetzt auch Aktien von Goldbergbau-Unternehmen kaufen?

Investor-Legende Warren Buffett hat sich mit einer riesigen Summe am größten Goldabbau-Unternehmen der Welt beteiligt. Welche Schlüsse potentielle Privat-Investoren daraus ziehen sollten, analysiert DWN-Autor und Börsen-Spezialist Andreas Kubin.
19.08.2020 12:20
Aktualisiert: 19.08.2020 12:20
Lesezeit: 2 min
Nach Riesen-Investition von Warren Buffett: Sollten Privat-Investoren jetzt auch Aktien von Goldbergbau-Unternehmen kaufen?
Japan, im Jahr 2000: Der damals größte Goldbarren der Welt wird in Toi (130 Kilometer westlich von Tokio) ausgestellt. (Foto: dpa) Foto: -

Am vergangenen Freitag, kurz nach Börsenschluss, gab Warren Buffetts „Birkshire Hathaway“ eine Riesenbeteiligung am weltweit größten Gold-Bergbau-Unternehmen „Barrick Gold“ bekannt. Ein Tabubruch!? Schließlich bleibt ein Zitat des als „Orakel von Omaha“ bekannten Investor-Genies über Gold unvergessen: „Gold graben wir aus dem Boden in Afrika oder irgendwo sonst auf dieser Welt. Dann schmelzen wir es ein, graben ein anderes Loch, verstecken das Gold wieder darin und bezahlen Menschen, um darum herumzustehen und es zu bewachen. Wenn Marsmenschen das sähen, würden sie sich ratlos am Kopf kratzen. Gold ist einfach unnütz."

Das Zitat lassen wir mal so stehen – auch ein berühmtes Orakel kann mal irren (und diesen Irrtum anschließend revidieren). Eines steht nämlich außer Frage: In den Böden dieser Welt sind beträchtliche Anlagevermögen vorhanden, die – angesichts des derzeit äußerst hohen Goldpreises – starke Positionen in den Bilanzen einnehmen; diese Anlagevermögen auch tatsächlich abzubauen, lohnt immer mehr, je höher der Goldpreis steigt. Mit anderen Worten: Viele Bergbau-Unternehmen bergen gewaltige Assets – jetzt in sie zu investieren, heißt, nachhaltig zu investieren, was nicht zuletzt deutlich wird, wenn man einen Blick auf die Kennzahlen der betreffenden Unternehmen wirft. Dieser Blick enthüllt nämlich, dass viele Unternehmen nach der letzten Krise (2008/2009) ihre „Hausaufgaben“ gemacht haben, indem sie wichtige Bilanzpositionen stärkten, beispielsweise ihr EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) steigerten sowie für einen hohen „free cash flow“ sorgten. Bemerkenswert ist auch der dramatisch gesenkte Verschuldungsgrad (Schulden / EBITDA).

Fakt ist: Warren Buffet liegt häufig richtig, sehr häufig. In der Aktien-Veranlagung fungiert er immer wieder als Trendsetter! Besonders hervorzuheben ist, dass Berkshire Hathaway alles andere als eine kleine Summe, nämlich eine stolze halbe Milliarde Dollar, in „Barrick Gold“ investierte. Spät, wie ich finde, aber absolut richtig. Die große Frage lautet jetzt: Auf welchen Überlegungen basiert Buffets Entscheidung – was ahnt das „Orakel von Omaha“, über welche Informationen verfügt es? Eine interessante Nebeninformation: Parallel zur Investition in das Goldabbau-Unternehmen hat Buffet sowohl Bank-Aktien (Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Wells Fargo) als auch die Wertpapiere von Fluggesellschaften (Delta Air Lines, Southwest Airlines, American Airlines) abgestoßen.

Für potentielle Investoren gilt auf jeden Fall jetzt Folgendes: Sie sollten die Kursentwicklung anderer Bergbauunternehmen wie „Kinross Gold“ (ebenfalls Kanada) sowie „Newcrest Mining“ (Australien) genauestens verfolgen. Ganz besonders aber auch die Entwicklung des Edelmetalls, das sie abbauen, also die Entwicklung von Gold selbst!

Mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit ist davon ausgehen, dass man bei Berkshire Hathaway mit einem steigenden Goldpreis kalkuliert, denn die Kurse der Bergbau-Unternehmen geben im Falle eines Goldpreisrückgangs bekannterweise überproportional nach. Sowas wissen die Verantwortlichen einer der weltweit größten Investmentgesellschaften natürlich nur zu gut, und das Risiko werden sie bestimmt nicht eingehen. Summa summarum: In Bergbau-Unternehmen zu investieren dürfte derzeit alles andere als eine schlechte Idee sein.

Eins immer bitte beachten: Sogar Berkshire Hathaway hat in der Vergangenheit schon mal danebengelegen. Besonders in Erinnerung bleibt einem die Investition in das israelische Generika-Unternehmen "Teva Pharmaceutical Industries", das deutlich verschuldet ist und nach Buffets Einstieg einen gewaltigen Kursrückgang hinlegte. Ich gehe jedoch davon aus, dass man sich bei der jüngsten Investition (wie schon gesagt: eine halbe Milliarde Dollar) ausgiebig Gedanken gemacht und die Lage gründlich analysiert hat – und auf dieser Grundlage zu einer klugen Entscheidung gekommen ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Andreas Kubin

Andreas Kubin lebt in Oberösterreich, hat ein MBA mit Schwerpunkt "Finanzen" und verfügt über drei Jahrzehnte Börsen-Erfahrung. 
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX steigt weiter, Händler zögern vor Zinsentscheidung der Fed
16.06.2026

Ein turbulenter Handelstag birgt Überraschungen – erfahren Sie, warum Investoren gerade jetzt besonders aufmerksam die Entwicklungen...

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...