Wirtschaft

Putsch in Mali gefährdet Goldproduktion: Schießt der Preis jetzt in die Höhe?

Nach dem Militärputsch könnte der Goldabbau in Mali stark zurückgehen. Die Aktien einiger internationaler Goldproduzenten haben bereits deutlich nachgegeben. Wird der Goldpreis wegen des Angebot-Rückgangs steigen?
21.08.2020 11:48
Lesezeit: 2 min
Putsch in Mali gefährdet Goldproduktion: Schießt der Preis jetzt in die Höhe?
19.08.2020, Mali, Bamako: Die Putschisten werden bejubelt. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Mali zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In dem instabilen afrikanischen Land gibt es aber reichlich Rohstoffvorkommen, darunter auch Gold.

Das zieht zahlreiche internationale Minen-Unternehmen an. Zu den in Mali aktiven zählen unter anderem „Barrick Gold“ (bei dem Investorenlegende Warren Buffet jüngst im großen Stil einstieg) und das südafrikanische Schwergewicht „Anglogold Ashanti“. Die Aktivitäten der Goldproduzenten im Land sind jetzt durch das neue politische Umfeld bedroht. Denn nach dem Militärputsch ist unklar, ob sie ihre Goldschürfung ohne Probleme fortsetzen können.

Nach Einschätzungen von Analysten könnten sich der Handelsverkehr und damit die Versorgung der Goldminen mit notwendigen Produktionsmitteln in den nächsten Wochen verlangsamen. Auch der Abbau vor Ort ist möglicherweise gefährdet.

Ein durch die Ereignisse in Mali leicht verringertes Goldangebot dürfte wohl mengenmäßig nicht relevant genug sein, um den Goldpreis massiv nach oben zu bewegen. Ein deutlicher Einbruch der Produktion in dem afrikanischen Land könnte aber durchaus Relevanz haben.

Börsenwert der Gold-Unternehmen fällt

Hochrelevant sind die Ereignisse für die Aktienmärkte. Kurse derjenigen Bergbau-Unternehmen, die in Mali Goldminen betreiben, sind bereits deutlich rückläufig. Anteilsscheine von „Resolute Mining“, „Anglogold Ashanti“, „B2Gold“ und anderen verloren am Mittwoch teils zweistellige Prozentzahlen an Wert.

Weil der Preis für das beliebte Edelmetall im selben Zeitraum gefallen ist und nach Rekordhöhen über 2.000 Dollar tagesaktuell bei 1.936 Dollar notiert, kann man schwer sagen, ob die Entwicklungen in Mali solche Kursbewegungen überhaupt auslösen können. Wahrscheinlich überlagern sich hier die Effekte. Wer in Goldminen-Betreiber mit Präsenz in Mali investiert hat, sollte die politische Lage aber auf jeden Fall im Blick behalten.

Die Situation im Land wollen auch die vor Ort aktiven Goldabbau-Unternehmen genau verfolgen. Insgesamt zeigten sich die Minenbetreiber hingegen vorsichtig optimistisch: „Barrick Gold´s“ Loulo-Gounkoto-Mine ist nach konzerneigenen Angaben weiter voll in Betrieb, auch weil wohl noch ausreichend Ressourcen vorhanden sind.

Auch „B2Gold“ sieht seine Produktion nicht gefährdet. Das überrascht ein wenig, denn das Unternehmen betreibt die Fekola-Mine, in die es schon eine Milliarde Dollar investiert hat und die einen Großteil seiner Gesamt-Förderung ausmacht. Der Staat Mali ist mit 20 Prozent beteiligt. Dadurch ergibt sich ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis – wobei eine richtige Regierung im Moment gar nicht existiert. Die Militärputschisten wollen ein Übergangskomitee etablieren, danach soll es Neuwahlen geben.

2019 war die Goldförderung in Mali um sieben Prozent auf 71 Tonnen gestiegen. Die Goldproduktion ist von herausragender Bedeutung für die Volkswirtschaft Malis, denn Goldabbau und andere Minenaktivitäten machen zehn Prozent der Wirtschaftsleistung und 30 Prozent der Steuereinnahmen aus. Darüber hinaus sind die Minen zu ein wichtiger Arbeitgeber für die lokale Bevölkerung.

Deshalb ist davon auszugehen, dass eine neue Regierung den Minenunternehmen keine Steine in den Weg legen wird. Unter Umständen wird man aber (höhere) Beteiligungen fordern, um die leeren Staatskassen zu füllen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
01.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Politik
Politik Bahn, Kredite, Weihnachtsmarkt – was sich im November ändert
01.11.2026

Für Familien wird eine ICE-Fahrt mit der Bahn zum Pauschalpreis dauerhaft angeboten. Was sich im neuen Monat außerdem bei kleinen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Halten Sie in Europa Ausschau nach Finanz-, Infrastruktur- und Industrietiteln
01.11.2026

Der Gewinner der letzten Monate ist nicht die Technologiebranche, sondern das Gesundheitswesen. US-Gesundheitsaktien haben den S&P 500 in...

DWN
Finanzen
Finanzen Jetzt juckt es mich beim Anthropics-IPO in den Fingern
01.11.2026

Als ich vor einem Monat darüber schrieb, warum ich derzeit nicht in Anthropic investieren möchte, waren meine wichtigsten Argumente der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Logistikkonzern C.H. Robinson verblüfft mit KI-gestütztem Gewinnsprung: So ist das gelungen!
01.11.2026

28 Prozent weniger Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr Produktivität und Frachtangebote in nur 31 Sekunden: Der US-Logistikkonzern C.H....

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...