Technologie

Abkehr vom Diesel: Die Deutschen vernichten ihren eigenen Wohlstand

Der Marktanteil des Diesels ist auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren. Mit Fahrverboten und der kommenden CO2-Steuer schießt Deutschland eine Technologie ab, für die es keinen ebenbürtigen Ersatz gibt.
05.09.2020 06:39
Aktualisiert: 05.09.2020 06:39
Lesezeit: 3 min
Abkehr vom Diesel: Die Deutschen vernichten ihren eigenen Wohlstand
Auch wegen drohender Fahrverbote schrecken immer mehr Kunden vor Dieselautos zurück. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

"Der Diesel wird immer stärker links liegen gelassen", schreibt Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Duisburger Instituts CAR-Center Automotive Research, in einer aktuellen Analyse zum deutschen Automarkt. Im Juli 2020 waren die Diesel-Marktanteile demnach so niedrig wie seit dem Jahre 2009 nicht mehr - also während der Abwrackprämienzeit, als wegen der Abwrackprämie überdurchschnittlich viele Kleinwagen mit Benzinmotor gekauft wurden.

Nach dieser kurzen Phase im Jahr 2009 sprang der Marktanteil des Diesels wieder auf sein vorheriges Niveau von über 45 Prozent. Klammert man diese Phase aus, so liegt der Dieselmarktanteil im Juli des laufenden Jahres wieder auf dem Niveau von vor zwanzig Jahren. Wie in der Phase der Abwrackprämie so waren es auch im Jahr 2000 die Kleinwagen, die dem Diesel die Luft nach oben raubten.

Heute hingegen sind es die Plug-In-Hybride und die vorgeschriebene teure Abgasreinigung, die dem Diesel Probleme bereiten, schreibt Dudenhöffer. Und weiter: "Für seine CO2-Bilanz ist der Diesel einfach zu teuer geworden. Deshalb wird er zum Auslaufmodell." Der Marktanteil des Diesels inklusive der hybridisierten Varianten hat in den letzten Jahren immer mehr gegenüber den entsprechenden Benzinern inklusive der hybridisierten Varianten verloren.

Der sinkende Marktanteil der Dieselvarianten ist umso bemerkenswerter, als der Diesel immer noch von den jahrzehntelangen Steuersubventionen profitiert, so Dudenhöffer. "Dass sich dies ändert, ist wenig wahrscheinlich, denn mit der Besteuerung der Tonne CO2 im Treibstoff, die bis 2025 auf 60 Euro pro Tonne steigen soll, wird Dieselkraftstoff im Vergleich zu Ottokraftstoff teurer. Last not least kommt die Welle der reinen Elektroautos. Auch hier wird der Diesel zum Verlierer."

So hat sich Dudenhöffer zufolge etwa Volkswagen längst "entdieselt" und treibt massiv die Elektromobilität voran, auch wenn der Konzern auf seiner Website weiterhin Gründe anführt, warum der Diesel noch eine Zukunft habe. Risikoreich sei der kontinuierliche Marktanteilverlust des Diesels für Zulieferer wie Bosch, "die sehr intensiv mit dem Diesel ihre Deckungsbeiträge generieren und über hohe Produktionskapazitäten beim Diesel verfügen".

Und selbst bei seiner treuesten Kundschaft tut sich der Dieselantrieb schwerer. Noch Anfang des Jahres 2015 waren bei den Neuzulassungen der Firmenwagen noch 77 Prozent mit einem Dieselmotor ausgestattet. Bis zum Juli 2020 ist der Dieselanteil auf 45 Prozent eingebrochen. Und der Trend ist deutlich negativ, Hinweise für eine Trendumkehr sind Dudenhöffer zufolge nicht zu erkennen.

Selbst wenn man die Diesel-Hybrid und Plug-In Hybride mit dazu zählt, ist der Diesel bei den Firmenwagen auf der Verliererseite, obwohl sich die Steuersubventionen auf Dieselkraftstoff bei Vielfahrern besonders stark bemerkbar machen. "Auch bei den Firmenwagen wird die kommende CO2-Steuer auf Treibstoff den Diesel stärker belasten", schreibt Dudenhöffer. "Die Auslaufphase beim Diesel hat begonnen."

Dass die Verunglimpfung des Diesels ein großes Unrecht ist, haben die Deutschen Wirtschaftsnachrichten kürzlich ausführlich dargestellt. Moderne Dieselmotoren aus Deutschland sind umweltfreundlicher als ihr Ruf, sie schaden weder dem Klima, noch der Gesundheit. Zudem wird der größte Teil des Feinstaubs auf deutschen Straßen schon heute durch den Abrieb von Bremsen, Kupplungen und Reifen verursacht.

Doch auf der Verunglimpfung des Diesels beruht zum einen die starke Regulierung der Dieselmotoren und zum anderen die kommende CO2-Steuer. Tatsächlich sind Dieselautos wahrscheinlich besser für die Umwelt als E-Autos, wenn man die zahlreichen Probleme der Elektromobilität betrachtet. So wird zum Beispiel bei der Produktion von Nickel für die Herstellung von Autobatterien die maritime Umwelt massiv geschädigt.

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