Technologie

Erpresser-Software weltweit auf dem Vormarsch: Cyber-Kriminelle verursachen Schäden von 20 Milliarden Dollar

Erpresser richten mit Schad-Software immer mehr Schäden an. Opfer war dieses Jahr sogar die von der Bundesregierung zur Eindämmung von Corona eingesetzte Task Force. Neue Schätzungen gehen davon aus, dass die Verluste immer größer werden.
20.09.2020 11:14
Lesezeit: 1 min
Erpresser-Software weltweit auf dem Vormarsch: Cyber-Kriminelle verursachen Schäden von 20 Milliarden Dollar
Cyber-Kriminelle treiben wieder ihr Unwesen. (Foto: dpa) Foto: Felix K

Eine besondere Art des Phishings macht derzeit wieder verstärkt die Runde: Die Verbreitung von Erpressungs-Trojanern. Dabei hacken Cyber-Verbrecher fremde Computer, verschlüsseln dort Daten und fordern für die Freigabe ein Lösegeld, wobei es sich teilweise um sehr hohe Summen handelt. Die Adressaten sind private Personen, aber auch größere Unternehmen.

Das Marktforschungs-Unternehmen "Cybersecurity Ventures" (CV) geht in einer aktuellen Prognose davon aus, dass der dadurch entstehende Schaden im kommenden Jahr wohl bei weltweit 20 Milliarden Dollar liegen wird. Damit würden die Verluste der Geschädigten innerhalb von zwei Jahren um mehr als 70 Prozent steigen. Bei der letzten Schätzung, die die Fachleute im Jahr 2019 machen, betrugen die Verluste noch 11,5 Milliarden Dollar.

Hintergrund: Die Erpresser-Software (englisch "Malware") gelangt in erster Linie durch das Verhalten einzelner Internet-Nutzer in Unternehmensnetzwerke – beispielsweise durch das Klicken auf infizierte E-Mails oder das Herunterladen infizierter Anhänge. Sie verbreitet sich auch durch schädliche Links in gefälschten Anzeigen oder Websites und Social-Media-Anwendungen. Diese übertragen die Malware dann innerhalb einer Anwendung oder auf andere Rechner im System.

Durch die ständige Weiterentwicklung der Malware-Taktiken wird es immer schwieriger, die Schädlinge zu identifizieren. Die Angreifer nutzen sogar besondere Downloads, um in Netzwerke einzudringen und die Schadsoftware zu installieren, ohne dass die User überhaupt den Link angeklickt haben. Mittlerweile gibt es weit mehr als 100.000 Varianten der Malware.

Im laufenden Jahr war sogar die Task-Force der Bundesregierung, die die Ausbreitung der Corona-Pandemie eindämmen soll, Zielscheibe der Cyber-Verbrecher. Die Arbeitsgruppe, die aus mehreren Unternehmen gebildet wird, hat die Aufgabe, medizinische Ausrüstung wie Schutzkleidung und Masken für den deutschen Markt zu beschaffen. Die „Task Force“ besteht aus VW, Bayer, Lufthansa, BASF und DHL. Insgesamt befanden sich hundert Angestellte aus diesen Unternehmen im Visier der Kriminellen.

Darüber hinaus wurde der pfälzische Energie- und Wasserversorger Technische Werke Ludwigshafen (TWL) im Mai 2020 von Hackern erpresst. Sie drohten, die privaten Kundendaten von 100.000 Haushalten im Darknet zu veröffentlichen, sollte das Management einer Zahlungsaufforderung im Millionen-Euro-Höhe nicht nachkommen.

Wie der SWR berichtete, bat daraufhin TWL die Kunden Anfang Mai, ihre Bankkonten zu überprüfen und bei Unregelmäßigkeiten sofort ihre Bank zu verständigen. Außerdem sollten die Passwörter für das Kundenportal der TWL geändert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Anthropic-Manager Guillaume Princen über den Wettbewerb mit OpenAI und den Konflikt mit Trump
14.04.2026

Der Wettbewerb im KI-Markt spitzt sich zu: Anthropic, das Unternehmen hinter dem populären KI-Assistenten Claude, fordert den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Debatte um den Bitcoin-Erfinder: Steckt Adam Back hinter Satoshi Nakamoto?
14.04.2026

Die Debatte um die Identität des Bitcoin-Erfinders gewinnt neue Dynamik, nachdem eine umfassende Recherche einen konkreten Namen in den...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienmarkt: Bau-Reform mit Vorkaufsrecht der Kommunen für Grundstücke geplant
14.04.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Baurechts, das den Kommunen deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten auf dem Immobilienmarkt...

DWN
Politik
Politik Debatte um EU-Wettbewerbsfonds: Milliarden für Schlüsselindustrien geplant
14.04.2026

Die EU plant mit dem EU-Wettbewerbsfonds einen milliardenschweren Fonds, um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China zu...

DWN
Politik
Politik Entlastungsprämie: Warum viele bei der Prämie leer ausgehen
14.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele bei...

DWN
Politik
Politik Teuer und ineffizient: CDU-Generalsekretär Linnemann will Krankenkassen streichen
14.04.2026

CDU-Generalsekretär Linnemann fordert weniger Krankenkassen. Warum er weniger Kassen für ausreichend hält und welche Reformen er noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krankenstatistik im Unternehmen: Wie Sie Fehlzeiten auswerten – mit und ohne Software
14.04.2026

Fehlzeiten sind eine betriebswirtschaftliche Größe und keine bloße HR-Kennzahl. Wer Fehlzeiten korrekt definiert, strukturell auswertet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Aktie: BMW verkauft weniger Autos - Es geht wieder bergab
14.04.2026

China und das Geschäft mit Elektroautos haben BMW ausgebremst. Der Elektroabsatz ist um 20 Prozent eingebrochen. In Deutschland und bei...