Deutschland

Afrikanische Schweinepest erreicht Deutschland: Züchter befürchten schwere wirtschaftliche Schäden

Die hochansteckende und tödliche Seuche ist bei einem toten Wildschwein in Brandenburg entdeckt worden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat sofort Gespräche mit dem wichtigen Fleisch-Abnehmer China aufgenommen.
10.09.2020 11:30
Lesezeit: 1 min
Afrikanische Schweinepest erreicht Deutschland: Züchter befürchten schwere wirtschaftliche Schäden
Ferkel der Rasse "Bentheimer". (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Die für Haus- und Wildschweine hochansteckende und meist tödliche Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. Ein in Brandenburg im Spree-Neiße-Kreis südöstlich von Berlin aufgefundenes totes Wildschwein war mit dem Virus infiziert, wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Für Menschen gilt die Tierseuche als ungefährlich. Sie trifft Deutschland jedoch insofern hart, als das das Land einer der größten Schweinefleisch-Exporteure der Welt ist. China und andere asiatische Länder verhängen in der Regel Importverbote für Fleisch aus Regionen, in denen die Pest festgestellt wurde. "Wir sind mit China im Gespräch", sagte Klöckner, die sich aber noch nicht zu Exportaus-Wirkungen in Drittstaaten äußern wollte.

"Der Handel innerhalb Europas kann weitgehend aufrechterhalten werden", sagte Klöckner. Im Jahr 2019 wurden aus Deutschland laut Statistikamt rund 2,4 Millionen Tonnen Schweinefleisch exportiert. Davon gingen rund 1,9 Millionen Tonnen in EU-Länder. Einschränkungen wird es laut Klöckner nur für Schweinehalter geben, die in einem Restriktionsgebiet liegen, das von der Landesregierung in Brandenburg noch festzulegen sei. Kein Schweinefleisch dürfe dieses Gebiet verlassen. Es werde nun intensiv nach weiteren Wildschwein-Kadavern gesucht, um das Ausmaß der Seuche festzustellen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hatte in der Nacht drei Proben des toten Wildschweins untersucht. Alle seien eindeutig positiv gewesen, sagte FLI-Chef Thomas Mettenleiter. Der Seuchenfall könnte nach seinen Worten mit dem Ausbruch der Schweinepest in Westpolen zusammenhängen. "Es bleibt jetzt zu analysieren, ob das ein Einzelfall ist, ob sich die Seuche schon ausgebreitet hat." Das tote Tier sei schon stark verwest gewesen und habe dort "sicherlich schon einige Zeit" gelegen.

Mettenleiter verwies darauf, dass es auch anderen Ländern gelungen sei, wieder seuchenfrei zu werden. Tschechien und Belgien hätten es 2017/2018 "geschafft, mit sehr rigorosen, konsequenten Maßnahmen die Seuche wieder zu tilgen". Es gelte nun, das infizierte Gebiet schnell einzugrenzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Blackrock-Vize: Europa braucht vier Schlüssel gegen die USA-Abhängigkeit
21.09.2026

Philipp Hildebrand, Vizechef von Blackrock und früherer Schweizer Notenbankchef, sieht in der KI-Entwicklung eine historische Chance. Der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nestlé Russland: Kreml übernimmt Kontrolle über deutsche Beteiligungen
21.09.2026

Putin greift erneut auf das Vermögen eines westlichen Großkonzerns zu. Diesmal trifft es Nestlé und auch Beteiligungen der Nestlé...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ruhestand vorbereiten: Warum Männer nach der Karriere in die Krise geraten
21.09.2026

34 Jahre lang bestimmte der Terminkalender sein Leben. Dann war Anders Kretzschmar plötzlich Rentner und musste erst lernen, selbst über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Holyvolt: Was das Batterie-Startup von Elon Musk gelernt hat
21.09.2026

Holyvolt will schaffen, woran andere Batterieprojekte gescheitert sind: Produktion skalieren, Kosten beherrschen und zugleich eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Umfrage: Bürokratie ist Standortproblem Nummer eins in Deutschland
21.09.2026

Bürokratie gilt für deutsche Unternehmen als größtes Standortproblem und übertrifft Energie- sowie Arbeitskosten deutlich. Eine...

DWN
Politik
Politik AfD vorn, CDU draußen: Wie es jetzt in Mecklenburg-Vorpommern weitergeht
21.09.2026

Ein dramatischer Wahlabend stellt Mecklenburg-Vorpommern politisch neu auf. Während AfD und SPD das Rennen bestimmen, entscheiden...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Michael: Was passiert mit Ihrem Depot, wenn KI uns alle auslöscht?
21.09.2026

KI-Unternehmen werden mit Billionen bewertet, während ihre eigenen Forscher vor existenziellen Risiken warnen. Für Anleger klingt das...

DWN
Politik
Politik Digitale Realität: Wie AfD, TikTok und KI um Macht kämpfen
21.09.2026

Die politische Macht verschiebt sich auf den Bildschirm. Parteien gewinnen Wahlen mit TikTok-Reichweite, KI-Konzerne rufen plötzlich nach...