Politik

EU will 750 Milliarden Euro an Corona-Schulden mit neuen Steuern finanzieren

Die EU macht bis zu 750 Milliarden Euro Schulden für ihr Corona-Konjunkturprogramm. Diese sollen mit neuen Steuern und Abgaben finanziert werden.
13.09.2020 20:58
Lesezeit: 1 min
EU will 750 Milliarden Euro an Corona-Schulden mit neuen Steuern finanzieren
10.01.2012, Hessen, Frankfurt am Main: Vor dem Schein einer Flamme ist eine zersägte Euro-Münze zu sehen. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Zur Finanzierung der europäischen Milliardenschulden im Kampf gegen die Corona-Krise fordert Bundesfinanzminister Olaf Scholz rasch neue eigene Geldquellen für die Europäische Union. Die Entscheidung für neue EU-Eigenmittel müsse relativ bald fallen, sagte der SPD-Politiker am Wochenende zum Abschluss eines EU-Treffens in Berlin. Damit kommt er auch Forderungen des Europaparlaments in den EU-Haushaltsverhandlungen entgegen, die nächste Woche in die entscheidende Phase gehen könnten.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten im Juli zusätzlich zum nächsten siebenjährigen Finanzrahmen von gut einer Billion Euro einen Corona-Aufbauplan im Umfang von 750 Milliarden Euro beschlossen. Dafür sollen erstmals im großen Stil für die EU Schulden aufgenommen und über Jahrzehnte gemeinsam getilgt werden.

Die Entscheidung für dieses 750-Milliarden-Programm habe Konsequenzen, sagte Scholz. Es gehe nicht, dass die EU Kredite aufnehme, dann aber nicht festlegen, wie sie zurückgezahlt werden sollten.

Bereits verabredet ist eine Abgabe auf nicht recyceltes Plastik ab 1. Januar 2021. Doch sollen weitere EU-Eigenmittel folgen, so Einnahmen aus einem erweiterten europäischen Emissionshandel, aus CO2-Zöllen, aber womöglich auch aus Digital- und Finanzmarktsteuern. Die EU-Kommission soll dazu konkrete Vorschläge ausarbeiten.

Scholz zeigte sich zuversichtlich, dass eine Einigung gelingt und dass die EU damit enger zusammenwächst. «Wir werden dort Fortschritte erleben, die lange als unmöglich schienen», sagte der Minister. Das hofft auch das Europaparlament. Es fordert einen konkreten Fahrplan für die Einführung der Eigenmittel und setzt dies als Hebel in den Verhandlungen vor der Zustimmung zum Haushaltspaket ein.

Für Deutschland sind diese neuen EU-Geldquellen ebenfalls von Bedeutung: Gibt es sie nicht, müssen die Schulden weitgehend aus nationalen Beitragszahlungen getilgt werden, die den EU-Haushalt bisher füllen. Deutschland ist bei weitem größter Nettozahler.

Scholz zeigte sich optimistisch, dass es in Sachen Digitalsteuer noch eine globale Einigung geben könne - im Rahmen der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis zum Jahresende. Wegen Widerstands der USA ist jedoch unter anderen Frankreich skeptisch. Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni kündigte an, die EU-Kommission wolle im ersten Halbjahr 2021 notfalls einen eigenen Vorstoß machen, wenn keine internationaler Konsens zustande komme. Das fordert auch Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Clyde Kull: Steht eine globale Lebensmittelkrise vor der Tür?
28.10.2026

Der Krieg im Nahen Osten, Russlands Aggression gegen die Ukraine, Störungen auf den Energiemärkten und extreme Wetterbedingungen könnten...

DWN
Finanzen
Finanzen Bruttosparquote: Nur die Schweizer sparen mehr als die Deutschen
28.10.2026

Beim Sparen kann den Deutschen fast keiner etwas vormachen. Doch in anderen Ländern machen die Menschen oft mehr aus ihrem Geld. Das soll...

DWN
Politik
Politik Klimawandel: EU-Kommission will Europa besser gegen Klimaschäden wappnen
28.10.2026

Geschmolzene Gleise, Zehntausende Hitzetote, Hunderttausende verbrannte Hektar: Nach dem heißesten Sommer aller Zeiten in Westeuropa will...

DWN
Finanzen
Finanzen Alternative Investments: Pokémon-Karte für 330.000 Euro verkauft, doch der Verkäufer hofft trotzdem auf 30 Prozent Marktrückgang
28.10.2026

Das dänische Unternehmen Rogerz hat mit dem Verkauf einer Pokémon-Karte für rund 330.000 Euro einen neuen Verkaufsrekord aufgestellt....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street steigt, da KI-Optimismus Tech-Aktien beflügelt
27.10.2026

Technologie-Schwergewichte und wichtige Quartalszahlen bringen Bewegung in die US-Märkte – erfahren Sie, welche Entwicklungen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Claude-Entwickler lockt mit Wachstum und warnt zugleich vor enormen Kosten
27.10.2026

Das Anthropic-IPO könnte zu einem der wichtigsten Börsengänge des Jahres werden. Der Claude-Entwickler meldet explosives Umsatzwachstum,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ingenieurmangel trotz Rekordarbeitslosigkeit: Warum Deutschlands Technikarbeitsmarkt gespalten ist
27.10.2026

Mehr offene Stellen, aber gleichzeitig ein neuer Höchststand bei der Arbeitslosigkeit: Deutschlands Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt sendet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....