Finanzen

Dax am Donnerstag knapp im Minus, Grenke-Aktie steigt um 34 Prozent

Lesezeit: 3 min
17.09.2020 18:20
Anleger reagierten am Donnerstag zunächst enttäuscht auf die Sitzung der Fed vom Vorabend. Doch bis zum Schlussgong konnte der Dax das Minus eindämmen. Die Grenke-Aktie erholte sich von den Verlusten der Vortage mit einem Plus von 34 Prozent.
Dax am Donnerstag knapp im Minus, Grenke-Aktie steigt um 34 Prozent
Vor der Frankfurter Börse stehen Bulle und Bär. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Dax hat am Donnerstag seine frühen Verluste zum Handelsende verringert. So schloss der deutsche Leitindex mit minus 0,36 Prozent bei 13 208,12 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel gab um 0,25 Prozent auf 27 622,17 Punkte nach. Insgesamt hatten auf der Stimmung die Ergebnisse der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed gelastet.

Die Fed will den Leitzins angesichts der Corona-Krise offenkundig über Jahre hinweg an der Nulllinie belassen. Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses erwarten überwiegend, dass sich am gegenwärtig niedrigen Zinsniveau bis ins Jahr 2023 nichts Wesentliches ändern wird. Notenbankchef Jerome Powell bekräftigte ferner seine Auffassung, dass der Staat seine finanzielle Unterstützung in der Corona- und Wirtschaftskrise ausweiten müsse.

Letzteres wertete Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets als Belastung für die Aktienmärkte: «Viele Anleger staunten nicht schlecht, als die Fed gestern die Verantwortung der Fiskalpolitik übergab und noch viel größere Konjunkturprogramme forderte als die bislang bereits verabschiedeten». Damit spiele die Fed in der Geldpolitik den Ball zurück an die US-Regierung. Die aber liefere sich vor den Präsidentschaftswahlen mit den Demokraten einen Grabenkampf um Ausgestaltung und Höhe des nächsten Konjunkturpakets.

Die Grenke-Aktien erholten sich um rund 34 Prozent, nachdem sie im Zuge einer Attacke von Leerverkäufern in den vergangenen beiden Tagen um mehr als 50 Prozent eingebrochen waren. Die Investorengruppe Viceroy Research hatte dem Leasing-Anbieter unter anderem Bilanzfälschung vorgeworfen - und vom darauf folgenden Kurseinbruch profitiert. Grenke weist die Vorwürfe zurück.

Unternehmensgründer Wolfgang Grenke verteidigte gegen Handelsende das Franchisesystem des Leasingkonzerns gegen die heftige Kritik der Leerverkäufer. Die Aktien verringerten daraufhin aber einen Teil ihrer Gewinne. Am Freitag will das MDax-Unternehmen erneut Stellung beziehen.

Wie so oft in Phasen schwächerer Börsen gab es überdurchschnittliche Kursverluste bei den Papieren aus dem Automobilsektor. Am Dax-Ende sanken Continental um 1,47 Prozent und damit genauso deutlich wie die Titel des Chipherstellers Infineon, für den die Autoindustrie ein wichtiges Standbein ist.

Dass Delivery Hero die Expansion fortsetzt und für bis zu 230 Millionen Euro die lateinamerikanischen Aktivitäten des Konkurrenten Glovo übernimmt, kam an der Börse gut an. Der Kurs des Lieferanten von Essen stieg an der Dax-Spitze um 2,36 Prozent. Die RWE-Aktien gaben belastet von einer gestrichenen Kaufempfehlung der französischen Bank Societe Generale um 1,90 Prozent nach.

Der EuroStoxx verlor 0,67 Prozent auf 3316,57 Punkte. Ähnlich war das Bild beim französische Cac 40 und beim britischen FTSE 100. In New York lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss nur noch moderat im Minus.

Der Euro rutschte im frühen Handel auf den tiefsten Stand seit Mitte August, erholte sich anschließend aber wieder. Nach Xetra-Schluss wurden 1,1824 US-Dollar dafür bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1797 (Mittwoch: 1,1869) US-Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,8477 (0,8425) Euro gekostet.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,49 Prozent am Mittwoch auf minus 0,48 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,06 Prozent auf 145,49 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,09 Prozent auf 174,12 Zähler zu.

Aktien Asien: Schwache US-Vorgaben belasten asiatischen Börsen

Zuvor hatten die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte am Donnerstag nachgegeben. Sie folgten damit der Schwäche der US-Indizes nach der Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Mittwochabend.

Die US-Währungshüter hatten am Mittwoch unter anderem mitgeteilt, das extrem niedrige Leitzinsniveau längerfristig beibehalten zu wollen. Eine Zinsanhebung erwarten sie nicht vor dem Jahresende 2023. Trotzdem ging es danach bei S&P 500 und Nasdaq 100 abwärts und die US-Futures signalisieren derzeit weitere Schwäche. "Die Börsianer hatten sich wohl insgeheim über die bereits erwarteten Aussagen hinaus neue Impulse der Fed erhofft", hieß es dazu in einer Einschätzung der LBBW.

Das Bekenntnis der Bank von Japan zu ihrer lockeren Geldpolitik brachte den Notierungen in Tokio vor diesem Hintergrund keine neuen Impulse. Japans Geschäftsbanken können sich weiter so gut wie kostenlos Geld bei der Notenbank besorgen. Die Wirtschaft beginne zwar, sich langsam zu erholen, befinde sich wegen der Folgen der Corona-Pandemie jedoch weiterhin in einer ernsten Situation, teilte die Zentralbank in Tokio am Donnerstag nach zweitägigen Beratungen mit.

Von den holperigen Beziehungen zwischen den USA und China zeugte unterdessen das Tauziehen um Tiktok. US-Präsident Donald Trump hat Aussichten für einen Deal gedämpft, der die chinesische Video-App in den USA retten soll. Nach bisherigen Ankündigungen soll der amerikanische Software-Konzern Oracle dabei die Rolle eines "Technologie-Partners" übernehmen, während nach Medienberichten der chinesische Tiktok-Besitzer Bytedance die Mehrheitsbeteiligung behalten will. Mit einer solchen Lösung wäre er "nicht glücklich", so Trump.

In Tokio schloss der japanische Leitindex Nikkei 225 um 0,67 Prozent tiefer mit 23 319,37 Punkten. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen verlor kurz vor Handelsende 0,16 Prozent auf 4640,82 Punkte. In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong gab der Hang-Seng-Index zuletzt um 1,68 Prozent 24 310,70 Punkte nach.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Geld-Bazooka der Notenbanken ist am Ende: Börsen werden crashen, doch Panikverkäufe wären falsch

Der herrschenden Analysten-Meinung zufolge werden die Börsen aufgrund von längst überfälligen Korrekturen crashen. Doch sie raten von...

DWN
Finanzen
Finanzen „Gefährliche Schuldenblase“: Wenn China fällt, bekommen wir eine globale Finanzkatastrophe

Chinas Schuldenblase steht Analysten zufolge kurz vor einer Explosion. Sollte diese Hiobsbotschaft tatsächlich eintreten, würde dies...

DWN
Politik
Politik Impfdebatte: Oskar Lafontaine verteidigt deutschen Nationalspieler Joshua Kimmich

Der Linkspolitiker Oskar Lafontaine steht dem deutschen Top-Nationalspieler in der Impfdebatte bei.

DWN
Finanzen
Finanzen Der neue Bitcoin-ETF ist eine Falle – wie einst der erste Gold-ETF

Der erste Bitcoin-ETF hat den Handel aufgenommen. Doch der Goldexperte Tom Luongo warnt Anleger. Denn er kennt diese Falle aus dem...

DWN
Politik
Politik Gelöschter Regierungsbericht belegt die Bereitschaft der Bürger zum Gehorsam

Ein Bericht, der von der britischen Regierung versehentlich veröffentlicht wurde, enthält einige Lehren aus der Corona-Pandemie. Er zeigt...

DWN
Finanzen
Finanzen Gute Nachrichten für Gold und Silber: Powell und Yellen erkennen Inflation an

Der US-Notenbankchef Powell und die US-Finanzministerium Yellen rücken von ihrer Ignoranz ab. Sie erkennen die Realität einer anhaltenden...

DWN
Politik
Politik Nach Drohung von Erdogan: USA lenken bei Botschafter-Streit mit der Türkei ein

Die USA, Kanada, die Niederlande und Neuseeland haben der türkischen Regierung mitgeteilt, dass sie sich künftig nicht in die inneren...

DWN
Finanzen
Finanzen „Größter Crash der Geschichte“: Experten empfehlen Anlegern schnell zu handeln, um Vermögenswerte zu schützen

Finanzexperten empfehlen Klein- und Großanlegern, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, bevor es zu spät ist. Denn auf die Welt...