Finanzen

Private-Equity-Firmen nutzen Schulden-Boom, um sich selbst hohe Dividenden zu zahlen

Private-Equity-Firmen gehören zu den Profiteuren der aktuell starken Nachfrage nach Unternehmensschulden. Sie decken ihre Unternehmen im großen Stil mit frischen Krediten ein und nutzen das aufgebrachte Geld, um sich selbst hohe Dividenden zu zahlen.
18.09.2020 11:19
Lesezeit: 2 min
Private-Equity-Firmen nutzen Schulden-Boom, um sich selbst hohe Dividenden zu zahlen
Sogenannte Dividendenrekapitalisierungen sind der neueste Trend auf dem Kreditmarkt. (Foto: dpa) Foto: Uli Deck

In den letzten Wochen zeigte sich auf dem US-Kreditmarkt, den Private-Equity-Firmen in der Regel zur Finanzierung ihrer Unternehmen anzapfen, ein starker Trend zu sogenannten Dividendenrekapitalisierungen. Dabei nutzen die Private-Equity-Firmen die aufgenommen Schulden der von ihnen kontrollierten Unternehmen, um Dividenden an die Eigner, d.h. an sich selbst auszuzahlen.

Bisher wurden im September fast ein Viertel der auf dem US-Kreditmarkt aufgenommenen Gelder (24 Prozent) zur Finanzierung von Dividenden an Private-Equity-Eigner verwendet. Dies ist ein Vielfaches des Durchschnitts von weniger als 4 Prozent in den letzten zwei Jahren. Laut den monatlichen Daten von S&P Global Market Intelligence repräsentiert dies den höchsten Stand seit Anfang 2015.

Der sprunghafte Anstieg der Dividendenrekapitalisierungen ist teils darauf zurückzuführen, dass die Federal Reserve die Zinsen so niedrig hält. Denn in der Folge gibt es seitens von Investoren eine starke Nachfrage nach Schuldpapieren, die noch ein gewisses Einkommen bieten können. Das sind in der Regel junk bonds, d.h. jenes Marktsegment, in dem die von private equity kontrollierten Unternehmen typischerweise angesiedelt sind.

Bis vor kurzem verzeichnete der Kreditmarkt noch nicht das gleiche Emissionsvolumen wie andere Teile der Finanzmärkte. Die geringe verfügbare Menge an Schulden mit einer minimalen Verzinsung ist ein Grund dafür, dass Anleger akzeptiert haben, dass erhebliche Teile ihrer Investitionen als Dividenden an die Eigner ausgezahlt werden.

Laut Daten von S&P werden von den 15 Milliarden Dollar, die in diesem Monat auf dem Kreditmarkt aufgenommen wurden, insgesamt etwas mehr als 4 Milliarden Dollar in Form von Dividenden ausgezahlt. Weitere 2 Milliarden Dollar würden noch vor Ende September kommen, wenn die derzeit verhandelten Geschäfte abgeschlossen werden.

"Wenn Private-Equity-Gesellschaften Geld vom Tisch nehmen können, dann tun sie es", kommentiert in der Financial Times John Gregory, Leiter der Abteilung Leveraged Finance Capital Markets bei Wells Fargo Securities. "Es wird mit Sicherheit noch mehr kommen.

Das Beispiel der Dividendenrekapitalisierungen illustriert somit die perversen Effekte der Nullzinspolitik einerseits und das vielfach fragwürdige Geschäftsmodell und Geschäftsgebaren von Private-Equity-Firmen andrerseits.

Die Schuldenexplosion wird nicht etwa dazu benutzt, damit sich die Unternehmen stabiler aufstellen und besser gewappnet sind für konjunkturelle oder geschäftsspezifische Risiken, oder für Neuinvestitionen in zukunftsträchtigen Geschäften. Sondern das Schuldenmachen dient zentral dazu, die Eigner zu bereichern. De facto werden die Gesellschaften so ausgesaugt.

Dazu gehören auch die Verkäufe lukrativer Geschäftseinheiten oder das Aussaugen unrentabler Bereiche. Nach wenigen Jahren werden die so überschuldeten und ausgeweideten Gesellschaften in den Konkurs getrieben oder verramscht. Für die Kreditgeber, die Beschäftigten und andere "Stakeholder" wie Lieferanten oder Kunden bleiben nur Verluste, während sich die Geier mit dem Gewinn aus diesen Operationen davonmachen und sich neuen Zielen zuwenden können.

Das Beispiel der Dividendenrekapitalisierungen von Private-Equity-Gesellschaften zeigt, dass die von der Federal Reserve initiierte Geldschwemme keineswegs in einen sinnvollen Konjunkturaufschwung münden muss. Vielmehr werden immer mehr und neue Bereiche der amerikanischen Wirtschaft "zombifiziert".

Die Private-Equity-Gesellschaften operieren ihrerseits mit riesiger finanzieller Hebelwirkung. Sie selber sind also ebenfalls hoch verschuldet. Das erklärt auch ihren immensen kurzfristigen Einkommensbedarf. Und die Wirtschaft insgesamt wird nur instabiler, und keineswegs gestärkt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen auf Rekordniveau und neue Unsicherheiten
13.01.2026

Der Goldpreis schwächelt nach dem jüngsten Rekordhoch etwas. Gewinnmitnahmen, geopolitische Risiken und US-Inflationsdaten rücken nun in...

DWN
Politik
Politik Venezuela-Einsatz der USA: Warnsignal für die Weltordnung
13.01.2026

Washingtons Vorgehen in Venezuela wird von Experten als Signal verstanden, dass Machtpolitik in Einflusszonen wieder offen durchgesetzt...