Finanzen

Hexensabbat: Dax schließt am Freitag letztlich klar im Minus

Lesezeit: 3 min
18.09.2020 18:24
Der Dax ist am Freitag im Zuge des Verfalls an den Terminbörsen wieder unter die 13.200 Punkte gefallen. Letztlich war es eine schwache Börsenwoche.
Hexensabbat: Dax schließt am Freitag letztlich klar im Minus
Vor der Frankfurter Börse stehen Bulle und Bär. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Tauziehen zwischen Bullen und Bären mit derzeit gleich verteilten Kräften droht sich in der neuen Woche am deutschen Aktienmarkt fortzusetzen. Der Dax könnte so weiter um seine Marke von 13 200 Punkten pendeln, von der er sich seit Tagen nicht entscheidend absetzen kann. Um den Weg nach oben frei zu machen, sehen Börsianer die Marke von 13 460 Punkten als wichtig an. Dort hatte der Leitindex vor etwa zwei Wochen sein bisheriges Hoch seit dem Ausbruch des Corona-Crashs markiert.

Am Freitag ist der Dax im Zuge des Verfalls an den Terminbörsen wieder unter die 13 200 Punkte gefallen. Mit einem Abschlag von 0,70 Prozent auf 13 116,25 Punkte am sogenannten Hexensabbat kam der Leitindex vor allem spät unter Druck. Letztlich wurde es mit einem Abschlag von 0,65 Prozent eine schwache Börsenwoche. Laut dem Anlagestrategen Chris-Oliver Schickentanz mangelt es den Aktienmärkten zunehmend an Impulsen, um sich weiter auf ihrem hohen Niveau zu halten. Auch für den kleineren Indexbruder MDax mit den dort gelisteten mittelgroßen Aktienwerten ging es am Ende um 0,40 Prozent auf 27 512,91 Punkte bergab.

Die Rally bei den zuletzt treibenden Branchen, darunter vor allem die Technologiewerte, ist Experten zufolge versiegt. Nun fehle es den Märkten auf hohem Niveau an neuen Kurstreibern. Laut Markus Reinwand von der Helaba suggeriert die Tatsache, dass einige US-Indizes vor der Korrektur Anfang September immer neue historische Höchststände markierten, dass es «die Pandemie mit all ihren ökonomischen Verwerfungen nie gegeben hat».

Die wieder hohen Corona-Infektionen in Europa spielen keine große Rolle mehr. Laut dem Marktexperten Robert Halver von der Baader Bank haben sich die Unternehmen nach einem halben Krisenjahr auf die Situation eingestellt. «Und die Regierungen werden auf steigende Neuinfektionen nur mit regionalen, nicht aber gesamtwirtschaftlichen Einschränkungen reagieren», so der Experte. Laut Ulrich Kater von der Deka Bank werden neue landesweite Stilllegungen des Wirtschaftslebens von Marktteilnehmern als sehr unwahrscheinlich angesehen.

Hinsichtlich der Perspektiven für den Rest des Jahres am Aktienmarkt gebe es derzeit zu viele Variablen, konstatiert Craig Erlam vom Broker Oanda. Corona-Impfstoffe, politische Klarheit oder staatliche Hilfsmaßnahmen könnten seiner Einschätzung nach in den kommenden Wochen über eine Richtung entscheiden.

Auf den Prüfstand gestellt wird die Stimmungslage im Wochenverlauf von frischen Wirtschaftsdaten. Ein zuletzt überraschend hoher ZEW-Index sorgt für Spannung im Vorfeld der am Mittwoch erwarteten Einkaufsmanagerdaten und des tags darauf anstehenden Ifo-Index. Baader-Experte Halver rechnet damit, dass diese Indikatoren aufzeigen werden, dass sich die Wirtschaftserholung mit gebremster Dynamik fortsetzt.

«Insbesondere die Einschätzung der augenblicklichen Lage sollte die Einkaufsmanagerumfragen und den Ifo-Geschäftsklimaindex weiter stabilisieren», so Deka-Experte Kater. «Dagegen könnten sich die Unternehmenserwartungen über die kommenden Monate etwas eingetrübt haben.»

Aktienseitig werden zu Wochenbeginn die bereits angekündigten Indexänderungen wirksam. Dabei steigen unter anderem Wacker Chemie und die als Krisengewinner geltende Shop Apotheke in den MDax auf, wo die Star-tup-Schmiede Rocket Internet und der Medienkonzern RTL Platz machen. Weitere Umplatzierungen gibt es im SDax sowie auf europäischer Bühne im EuroStoxx 50, dem künftig der Immobilienkonzern Vonovia angehört.

Gewinner und Verlierer des Tages

Folgende Aktien des DAX, MDAX und TecDAX wiesen im elektronischen Handel (XETRA) der Frankfurter Wertpapierbörse am 18.09.2020 die beste und die schlechteste Entwicklung auf. (Stand und Veränderung zur Schlussnotierung am vorherigen Börsentag bei Aktien in Euro.)

Gewinner:

  1. Bechtle 173,40 (+ 5,03)
  2. Covestro 46,83 (+ 5,00)
  3. TeamViewer AG 42,53 (+ 3,40)
  4. Sartorius 344,20 (+ 3,18)
  5. Zalando Se 77,46 (+ 2,79)
  6. Nemetschek 65,35 (+ 2,43)
  7. Rtl Group 32,00 (+ 2,24)
  8. MERCK 126,75 (+ 2,18)
  9. Aixtron AG 9,99 (+ 1,98)
  10. Drillisch 24,37 (+ 1,97)

Verlierer:

  1. Aroundtown Prop 4,34 (- 7,44)
  2. Grenke Leasing N 33,30 (- 6,62)
  3. Fraport 36,32 (- 5,22)
  4. Lufthansa 8,60 (- 4,99)
  5. Hugo Boss 23,60 (- 4,57)
  6. Continental 90,00 (- 3,95)
  7. VW 141,98 (- 3,83)
  8. HOCHTIEF 69,90 (- 3,45)
  9. Airbus Group 68,74 (- 3,28)
  10. Commerzbank 4,48 (- 3,11)

Quelle: Reuters/oraise, Stand: 18.09.2020 17:55 Uhr

Aktien Asien: Erholung - US-Futures stützen asiatische Börsen

Zuvor hatten die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte am Freitag zumeist zugelegt. Sie erholten sich damit von den leichten Vortagsverlusten, wobei die Gewinne sich zumeist aber in Grenzen hielten.

"Die Entwicklung der US-Aktienfutures bestimmen die Richtung der asiatischen Aktienmärkte", stellte Marktanalyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda in einem Kommentar fest, nachdem die US-Börsen eher schwache Vorgaben geliefert hatten. Der Nasdaq-Future signalisierte zuletzt eine Stabilisierung. Am Donnerstag war der technologielastige Index unter Druck gekommen, wobei er die Verluste zum Ende des Handels allerdings etwas eingrenzen konnte.

Unterdessen hält das Tauziehen um die Zukunft der chinesischen Video-App Tiktok, das die Beziehung zwischen China und USA belastet, an. US-Präsident Donald Trump kündigte eine rasche Entscheidung an. Die US-Regierung habe mit dem Softwareunternehmen Oracle und dem Supermarkt-Riesen Walmart gesprochen, die beide bei Tiktok einsteigen sollen, hatte Trump am Donnerstag gesagt.

Die Gespräche stehen unter Zeitdruck: Am Wochenende tritt ein Trump-Erlass von Anfang August in Kraft, der Tiktok Geschäfte mit Firmen und Personen in den USA verbietet. Ohne einen Deal droht der App das Aus im US-Markt, wo Tiktok nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Nutzer hat. Der Streit um Tiktok ist ein weiterer Punkt, der das ohnehin schlechte Verhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten belastet, und gilt daher als möglicher Belastungsfaktor für die Finanzmärkte.

In Tokio schloss der Nikkei 225 um 0,18 Prozent höher mit 23 360,30 Punkten - auf Wochensicht gab der japanische Leitindex allerdings leicht nach. Der volatile CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen rückte kurz vor Handelsende um 2,12 Prozent auf 4731 Punkte vor und liegt damit auch im Vergleich zum vergangene Freitag im Plus.

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong legte der Hang-Seng-Index zuletzt um 0,62 Prozent 24 491,97 Punkte zu. Auch an den Börsen von Südkorea und Indien ging es leicht nach oben.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Im DWN-Interview: Wolfgang Kubicki spricht in Sachen Corona-Maßnahmen von "Verfassungswidrigkeit"

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten haben den Vizepräsidenten des Bundestages, Wolfgang Kubicki, zu den Corona-Maßnahmen der...

DWN
Finanzen
Finanzen Öffnung der Märkte: China verstärkt seine Zusammenarbeit mit Wallstreet-Banken

Große amerikanische Banken und Hedgefonds bauen ihre Geschäftsbeziehungen mit China aus. Die Kooperation auf dem Feld der Finanzen stellt...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutschland internationales Schlusslicht bei Rentenlücke

Frauen bekommen im Deutschland im Vergleich zu Männern deutlich weniger Rente. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Herbst-Offensive: Mittelstand fordert von Bundesregierung „umfassende Steuerreform“

Der deutsche Mittelstand, der der Job- und Wachstumsmotor Europas ist, fordert angesichts der Herbstprojektion der Bundesregierung eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäer müssen dieses Jahr mit deutlich weniger Geld auskommen, Deutschland geht es vergleichsweise gut

Die Europäer müssen im laufenden Jahr mit deutlich weniger verfügbarem Geld auskommen, zeigt eine Studie auf.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Thyssenkrupp schwört Mitarbeiter auf längere Durststrecke ein

Der kriselnde Thyssenkrupp-Konzern wirbt bei seinen Mitarbeitern um Geduld und schwört sie auf eine noch längere Phase der Ungewissheit...

DWN
Deutschland
Deutschland Touristen müssen Schleswig-Holstein bis 2. November verlassen

Touristen müssen wegen des Teil-Lockdowns zur Corona-Bekämpfung bis dahin ihre Sachen packen. Für Inseln und Halligen gilt eine längere...

DWN
Deutschland
Deutschland Verkehrsminister Scheuer kündigt digitalen Führerschein an

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat die Einführung eines digitalen Führerscheins angekündigt. Bei Polizeikontrollen können...

DWN
Finanzen
Finanzen Währungsverfall und Kapitalflucht: Die Finanzkrise in der Türkei hat begonnen

Die türkische Landeswährung Lira befindet sich im monetären Endspiel, die bislang unter der Oberfläche schwelende Finanzkrise...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ölriesen Exxon und Chevron schreiben tiefrote Zahlen und müssen reagieren

Die Corona-Krise schwächt die Weltwirtschaft, was die Nachfrage nach Öl drückt. ExxonMobil und Chevron reagieren mit drastischen...

DWN
Technologie
Technologie Spektakulärer Wasserfund könnte Besiedlung des Mondes einläuten

NASA-Wissenschaftler haben zum ersten Mal die Existenz von flüssigem Wasser auf der Sonnenseite des Mondes bewiesen. Für künftige...

DWN
Politik
Politik Anders als Macron: Frankreichs Militärs wollen Bündnis mit Türkei

Die französische NATO-Vertretung unterstreicht mit einer Collage zum alten französisch-osmanischen Bündnis, die über Twitter geteilt...

DWN
Politik
Politik Frankreich fürchtet neue Anschläge nach Enthauptung in Nizza

Der mutmaßlicher Täter, der am Donnerstag in Nizza eine Frau enthauptet haben soll, kam als Flüchtling über das Mittelmeer. Frankreichs...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Dax schnappt nach Einbrüchen aus den Vortagen wieder nach Luft - heute Konjunkturdaten aus den USA

Der Dax entwickelt sich derzeit unruhig. Heute Nachmittag warten die Anleger wieder auf neue Konjunkturdaten aus den USA.