Unternehmen

Filigrane Roboterhände aus Deutschland erobern den Weltmarkt

Heimlich, still und leise entwickelt sich eine Spezies von Robotern, die besondere Fähigkeiten hat - beispielsweise wie Menschenhände tippen und greifen kann. Die Wachstumszahlen für diesen Markt sind gigantisch.
22.09.2020 12:08
Aktualisiert: 22.09.2020 12:08
Lesezeit: 2 min
Filigrane Roboterhände aus Deutschland erobern den Weltmarkt
Ein Roboterarm, der sogar eine Brille greifen kann. (Foto: Festo) Foto: Ruediger J. Vogel

Die Soft-Roboter – eine besondere Spezies – haben in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Beispielsweise greifen, bewegen und positionieren sie in einer Fabrik die Güter – führen also die klassischen Aufgaben in einem Werk aus. Anders als die herkömmlichen Roboter beruhen sie aber auf intelligenten Systemen, die die Natur nachahmen.

Sie können in engen Räumen eingesetzt werden und filigrane Funktionen übernehmen, die ein gewöhnlicher Roboter nie leisten kann, weil er viel zu starr ist. Ihr Anwendungsbereich reicht von der Industrie über die Pflege bis zur Medizintechnik.

Und der Markt für Soft-Roboter kommt nun entscheidend nach vorne – und dabei ist auch das traditionsreiche Familienunternehmen Festo aus Esslingen in Baden-Württemberg. Wie der US-Fachdienst „Yahoo Finance“ berichtet, werden die Umsätze, die die Hersteller von 2020 bis 2025 weltweit generieren, auf fast fünf Milliarden Dollar oder fast 4,2 Milliarden Euro klettern. Wichtig ist die Wachstumsgeschwindigkeit, die die Erlöse einschlagen werden: So soll die Steigerung innerhalb dieser Zeitspanne pro Jahr bei mehr als 40 Prozent liegen.

Wachstumszahlen für Soft-Roboter bei 40 Prozent

Zum Vergleich: Der Verkauf für gewöhnliche Roboter ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar (zwischen 13 und 14 Milliarden Euro) gestiegen. Das berichtet die internationale Fachvereinigung International Federation of Robotics (IFR).

Dies zeigt, dass die Hersteller von Soft-Robotern zwar drei bis vier Mal weniger Erlöse erzielen als die Produzenten der herkömmlichen Geräte. Doch sind die Wachstumszahlen der „weichen“ Technologie wesentlich größer.

Ein bedeutsamer Akteur an diesem Wachstumsmarkt ist dem US-Dienst zufolge, der sich auf das US-Institut „Research and Markets“ (RAM) stützt, das deutsche Technologieunternehmen Festo, das auf der ganzen Welt in 61 Ländern 21.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Die US-Experten gehen davon aus, dass der südwestdeutsche Hersteller zu den zehn größten Anbietern gehört, die es auf der Welt gibt.

Der Automatisierungsspezialist stellt unter anderem pneumatische Roboterhände her, die in der Lage sind, zu greifen, zu halten und zu tasten. Das Gerät kann sogar tippen und drücken – also genauso wie eine Menschenhand im Alltag. Es ist der Natur nachempfunden und beruht auf Künstlicher Intelligenz.

Wichtig ist die Digitalisierungsstrategie, die Festo vor einiger Zeit eingeschlagen hat. Der Plan besteht aus den Säulen „Smart Products“, „Digital Business“, „Digital Enterprise“ und „Digital Education“. Dazu gehört der Zukauf der Resolto Informatik GmbH aus Herford vor zwei Jahren, die Festo weitere Impulse bei der Entwicklung seiner Technologien gibt.

„Das Digital Business werden wir weiter stark ausbauen. Künstliche Intelligenz, Software und smarte Produkt- und Servicewelten werden unsere Innovationskraft beflügeln“, zitert die Fachpublikation "Die Produktion" den Vorstandsvorsitzenden Oliver Jung.

Im ersten Quartal bei Festo noch positiver Cash-Flow

Dies spiegelt sich auch in der geschäftlichen Entwicklung des Unternehmens wider: So hat der Hersteller zwar nach eigenen Aussagen im zweiten Quartal die Auswirkungen der Pandemie „deutlich zu spüren bekommen“, wie einer offiziellen Erklärung zu entnehmen ist. Doch habe Festo in den ersten drei Monaten noch „eine gute Profitabilität“ und „einen positiven Cash-Flow“ erzielt, heißt es.

Im vergangenen Jahr hat Festo zwar seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent auf fast 3,1 Milliarden Euro verringert. Doch konnte der Hersteller trotzdem Marktanteile gewinnen und seine Marktposition ausbauen.

Allerdings dürfte schon bald am Soft-Robotik-Markt ein schärferer Wind wehen, wie die Experten des Analysehauses RAM glauben: „Aktuell verfügen die Hersteller noch über sehr spezielle Anwendungen, so dass der Wettbewerb ziemlich moderat ausfällt. Doch dürften schon bald größere Player auftauchen, so dass auch die Konkurrenz größer werden wird.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Politik
Politik Trumps jüngster Schachzug gegen die Windenergiebranche ließ einen Analysten vom Stuhl rutschen
30.10.2026

Die Windindustrie wartet schon lange auf Neuigkeiten zu US-Zöllen auf importierte Windkraftanlagen und -komponenten. Der jüngste Schritt...

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
29.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt nach – Alphabet, Amazon und Intel belasten Aktienmärkte
29.10.2026

Spannende Wende an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse der Tech-Riesen ins Wanken bringen.

DWN
Politik
Politik Haushaltskrise der Länder: Kommunale Schulden steigen um fast zehn Prozent
29.10.2026

4.907 Euro je Einwohner: Die Verschuldung der Kommunen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Dabei fällt die Belastung regional sehr...

DWN
Politik
Politik „Gen Z regelt“ mobilisiert: Das ist für Samstag geplant
29.10.2026

In knapp 30 Städten sind Proteste angekündigt, organisiert von einer noch jungen Gruppierung. Nach den Ausschreitungen in Frankreich...

DWN
Politik
Politik Verteidigung des Baltikums: Heereschef Freuding fordert mehr Tempo
29.10.2026

Mehr als 70 Generale und führende Offiziere aus Deutschland und den Niederlanden haben mögliche Brennpunkte im Baltikum erkundet....

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutsche sehen USA ähnlich kritisch wie China
29.10.2026

Kurz vor den US-Zwischenwahlen fällt das Bild der Vereinigten Staaten in Deutschland überwiegend negativ aus. In einer aktuellen...

DWN
Technologie
Technologie Testbericht: Apples erstes faltbares iPhone ist ein kostspieliges, aber überzeugendes Debüt
29.10.2026

Ich erinnere mich noch gut an die Reue, die ich beim Kauf des iPhone 3GS im Jahr 2009 empfand. Bis dahin hatte ich ein BlackBerry Pearl...