Politik

USA wütend: Vatikan will an Geheimabkommen mit China festhalten

Der Vatikan will an einem Geheimabkommen mit China festhalten. Doch die USA fordern vom Papst, dass dieser das Abkommen auslaufen lässt. US-Außenminister Mike Pompeo will am 29. September Überzeugungsarbeit im Vatikan leisten.
25.09.2020 17:12
Aktualisiert: 25.09.2020 17:12
Lesezeit: 2 min

Nächsten Dienstag, den 29. September, wird US-Außenminister Mike Pompeo den Vatikan besuchen, um die Beziehungen des Kirchenstaats mit China zu besprechen.

Er teilte über Twitter mit, dass eine Verlängerung des Geheimabkommens zwischen dem Vatikan und China, das am 22. September 2018 geschlossen wurde, die „moralische Autorität“ des Vatikans gefährden würde. Das Abkommen regelt das Verhältnis des Vatikans zur „Katholisch-Patriotischen Vereinigung“ Chinas, die von der katholischen Kirche offiziell nicht anerkannt wird. Doch genaue Details sind unbekannt.

Pompeos Tweet vom 19. September 2020 war mit einem Artikel verknüpft, den er für die Zeitschrift „First Things“ geschrieben hatte. In dem Artikel fordert er den Vatikan auf, sein „moralisches Zeugnis und seine Autorität zur Unterstützung der religiösen Gläubigen Chinas“ einzusetzen.

Der Vatikan reagierte über Twitter mit den Worten: „Wenn der Heilige Stuhl einen solchen Kommentar zu den Beziehungen der USA zu einem Staat abgeben würde, kann ich mir nicht vorstellen, dass Sekretär Pompeo glücklich wäre.“

Zwei Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens sei nach Angaben von Pompeo klar, „dass das chinesisch-vatikanische Abkommen die Katholiken nicht vor den Missständen der Partei (der chinesischen KP - Anm. d. Red.) geschützt hat, ganz zu schweigen von der schrecklichen Behandlung von Christen, tibetischen Buddhisten, Falun Gong-Anhängern und anderen religiösen Gläubigen durch die Partei.“

Pompeo schreibt weiter: „Was die Kirche der Welt über Religionsfreiheit und Solidarität lehrt, sollte nun vom Vatikan angesichts der unermüdlichen Bemühungen der Kommunistischen Partei Chinas, alle Religionsgemeinschaften dem Willen der Partei und ihres totalitären Programms zu unterwerfen, energisch und beharrlich vermittelt werden (…) Ich bete dafür, dass der Heilige Stuhl und alle, die an den göttlichen Funken glauben, der jedes menschliche Leben erleuchtet, im Umgang mit der Kommunistischen Partei Chinas die Worte Jesu im Johannesevangelium beachten: ,Die Wahrheit wird dich befreien.‘“

Die „Global Times“, die das Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas ist, führt im Zusammenhang mit der Erneuerung des Geheimabkommens mit dem Vatikan aus: „Positiv zu vermerken ist, dass Pompeos Interesse am Abkommen zwischen China und dem Vatikan der Welt beweist, dass das Abkommen von globaler Bedeutung ist. Es geht nicht nur um das Leben einiger Millionen Katholiken in China, sagte Vatikan-Experte Francesco Sisci und stellte fest, dass sich der Vatikan de facto als Knotenpunkt der internationalen Politik und des globalen Dialogs über China hinweg erweist. Trotz wachsender Kontroversen zwischen China und den USA hat der Vatikan seinen wichtigen Dialog mit China fortgesetzt. Dies ist ein Beweis dafür, dass der Heilige Stuhl ein verlässlicher Partner sein könnte und für China von Bedeutung ist, sagte er.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Das Thema Datenschutz ist als Verkaufsargument erneut in den Fokus gerückt

Nicht nur im Bankwesen oder in den sozialen Medien spielt der Datenschutz bei alltäglichen Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle. Auch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nahost-Konflikt treibt Ölpreis weiter an: Nordseeöl erreicht Rekordniveau
10.04.2026

Die Eskalation in der Straße von Hormus verschärft die Lage auf den Energiemärkten und setzt Preise sowie Lieferketten weltweit unter...

DWN
Politik
Politik Schlappe für das Innenministerium: Grenzkontrollen an bayerischer Grenze rechtswidrig
10.04.2026

Jahrelange Routine, nun rechtlich erschüttert: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die seit 2015 praktizierten Kontrollen an der...

DWN
Politik
Politik Wettrüsten im Cyberspace: Wenn KI zur Gefahr für die Infrastruktur wird
10.04.2026

Ein neues KI-Modell des US-Entwicklers Anthropic sorgt für Alarmstimmung beim BSI. Das Werkzeug „Claude Mythos“ spürt verborgene...

DWN
Politik
Politik Koalitions-Zoff: Wachsender Druck auf Kanzler Merz wegen ausbleibender Entlastungen
10.04.2026

Angesichts explodierender Energiepreise wächst der Unmut über die abwartende Haltung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Während die...

DWN
Politik
Politik Teheran droht mit Boykott: Libanon-Konflikt belastet Friedensgespräche
10.04.2026

Die diplomatischen Bemühungen um eine dauerhafte Belegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran stehen vor einer Zerreißprobe....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik: Flugbegleiter legen Flugbetrieb lahm – Tausende Passagiere gestrandet
10.04.2026

Ein massiver Streik des Kabinenpersonals hat bei der Lufthansa zu weitreichenden Flugausfällen geführt. Tausende Urlauber und...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 15: Die wichtigsten Analysen der Woche
10.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 15 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Daimler-Aktie: US-Schwäche und Bus-Flaute belasten Absatz von Daimler Truck
10.04.2026

Daimler Truck verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen weltweiten Absatzrückgang von neun Prozent auf 68.849 Einheiten. Besonders der...