Wirtschaft

Trumps Zollschock: Warum deutsche Autos bald in Europa teurer werden

Donald Trump zwingt Europas Autobauer mit Strafzöllen von bis zu 27,5 Prozent in die Defensive. Während Hersteller ihre Gewinnprognosen kappen und Produktion in die USA verlagern, drohen die höheren Kosten am Ende auch die Autopreise in Europa in die Höhe zu treiben.
23.08.2025 16:00
Lesezeit: 2 min

Strafzölle erzwingen Verlagerung – und verteuern Europas Autos

Wegen der Unsicherheit über Trumps Zölle haben Autohersteller ihre Jahresprognosen nach unten korrigiert, andere verlagern wegen ihnen sogar die Produktion in die USA. Doch was bedeutet das für die Autopreise? Vor Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump erhoben die Vereinigten Staaten auf Autoimporte aus der EU 2,5 Prozent Zoll. Trump hob diese auf 27,5 Prozent an, mit dem Abkommen zwischen EU und USA wurde der Satz auf 15 Prozent gesenkt. Die neuen, 15-prozentigen Zölle gelten seit dem 7. August. Deutsche Autobauer wiesen jedoch darauf hin, dass die US-Zölle für sie nicht gesenkt wurden und weiter bei 27,5 Prozent liegen. Sie fordern deshalb Gegenmaßnahmen der EU.

Wie können US-Zölle Autos in Europa verteuern?

Zölle führen grundsätzlich dazu, dass Produkte in dem Land teurer werden, das sie erhebt. Bezahlen müssen sie also die Importeure europäischer Autos in den USA. In der Praxis ist es jedoch nicht so einfach. Drei Akteure können Trumps Zölle „schlucken“: die US-Konsumenten, die höhere Preise zahlen; die US-Importeure, die ihre Gewinnmargen senken; oder die europäischen Hersteller selbst, die ihre Preise reduzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben – und so einen Teil der Zölle übernehmen. Wollen sie ihre Gewinne halten, müssen sie den Verlust in den USA an anderer Stelle ausgleichen.

Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass europäische Autos auch in Europa teurer werden. Einfach deshalb, weil es möglich ist. In Europa haben die Hersteller kaum echte Konkurrenz. Chinesische Autos sind zwar auf dem Vormarsch, für europäische Käufer bislang aber noch nicht völlig akzeptabel. Zudem verteuert auch die EU chinesische Fahrzeuge durch eigene Zölle. Um eine Einschätzung baten wir auch slowenische Hersteller von Autoteilen und Autohändler – sie gaben jedoch keine konkreten Antworten.

Wie viele Autos importieren die USA?

Von 16 Millionen neuen Pkw, die 2024 in den USA verkauft wurden, wurden rund 50 Prozent außerhalb der USA montiert, berichtet Bloomberg unter Berufung auf GlobalData. Die meisten davon kamen aus Mexiko, Japan, Südkorea, Kanada und Deutschland. Unter den Herstellern exportieren Volkswagen, Hyundai-Kia, Mercedes-Benz, Renault-Nissan-Mitsubishi und BMW die meisten Fahrzeuge in die USA.

Reaktionen der Autohersteller: schlechtere Zahlen, Verlagerung in die USA

Kein Hersteller ist immun gegen Zölle – selbst jene nicht, die den Großteil ihrer Autos in den USA fertigen. Denn sie nutzen importierte Teile, die mehr als die Hälfte des Werts eines Autos ausmachen können, schreibt die New York Times. Viele Hersteller haben wegen der Zölle ihre Finanzprognosen gesenkt. Auch sinkende Gewinne führen sie darauf zurück. So hatte der Volkswagen-Konzern im März – vor Inkrafttreten der US-Zölle – noch eine Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent für dieses Jahr angekündigt. Wegen der Zölle wurde die Prognose auf 4 bis 5 Prozent gesenkt. Ford erwartet, dass die Zölle die Einnahmen 2025 um rund drei Milliarden Dollar schmälern. Etwa eine Milliarde davon hofft der Konzern durch Kostensenkungen ausgleichen zu können.

Andere wiederum kündigten an, ihre Produktion in den USA auszubauen. Dazu gehört Audi, das in Chattanooga (Tennessee) seine erste eigene Fabrik in den USA plant. General Motors will in den kommenden zwei Jahren vier Milliarden Dollar investieren, um die Produktion in den US-Werken auszuweiten und die Abhängigkeit von Importen aus Mexiko zu reduzieren, schreibt Bloomberg. Trump setzt darauf, dass die Zölle mehr Produktion in die USA holen, berichtet Bloomberg. Doch ein sofortiger Produktionsanstieg ist nicht möglich. Zwar können die Hersteller bestehende Werke stärker auslasten, doch der Aufbau neuer Fabriken erfordert hohe Investitionen und kann Jahre dauern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromausfall oder Blackout: Deutsche Firmen sind schlecht auf einen Ernstfall vorbereitet
11.02.2026

Trotz einer verschärften Sicherheitslage ist die deutsche Wirtschaft nur unzureichend gegen hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder...

DWN
Politik
Politik Europas Verhandlungskurs auf dem Prüfstand: Russlands Finanzlage im Ukrainekrieg unter Druck
11.02.2026

Russlands wirtschaftliche Grenzen im Ukrainekrieg treten immer deutlicher hervor, während Europa über Gespräche mit dem Kreml nachdenkt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise unter Druck: KI-Rechenzentren treiben US-Strompreise in die Höhe
11.02.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben und erhöht regional die Strompreise. Wie stark verändert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
11.02.2026

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...

DWN
Politik
Politik Epstein Files: Von Adel bis Politik - das „Wer ist wer“ der Epstein-Akten
11.02.2026

Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polizeieinsatz in Grünheide: Tesla gegen IG Metall
11.02.2026

Wenige Wochen vor der Betriebsratswahl kommt es im Werk von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide zu einem Eklat. Damit spitzt sich der...