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UN an Tech-Milliardäre: „Es ist an der Zeit, dass Sie den Hungernden dieser Welt helfen“

Lesezeit: 3 min
01.10.2020 09:00
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen appelliert an die Superreichen, einen Teil ihres enormen Vermögens den Armen zu spenden. Multimilliardäre wie Jeff Bezos und Bill Gates hatten ihr Vermögen in der Corona-Krise stark vergrößern können, zeigen neueste Daten.
UN an Tech-Milliardäre: „Es ist an der Zeit, dass Sie den Hungernden dieser Welt helfen“
Ein unterernährter Säugling in Somalia im Jahr 2011. (Foto: dpa)
Foto: Dai Kurokawa

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Unermesslich reiche Menschen wie Amazon-Chef Jeff Bezos sollen dem Chef des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen zufolge im Kampf gegen den Hunger helfen. „Wir brauchen 4,9 Milliarden Dollar, um ein Jahr lang alle 30 Millionen Menschen zu ernähren, die ohne die Hilfe des WFP sterben werden“, sagte David Beasley Anfang September vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

Es gebe etwa 2.000 Milliardäre mit einem Nettovermögen von zusammen acht Billionen Dollar. Etliche hätten ihr Vermögen während der Corona-Pandemie um Milliarden vermehrt. „Ich bin nicht dagegen, dass Menschen Geld verdienen“, sagte der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates South Carolina. „Aber die Menschheit steht vor der größten Krise, die wir je in unserem Leben gesehen haben.“

Das Gesamtvermögen der amerikanischen Milliardäre ist seit Ausbruch der Pandemie in den Vereinigten Staaten um mehr als 19 Prozent oder eine halbe Billion Dollar gestiegen, ergab eine im Juni vom Institute for Policy Studies (IPS) veröffentlichte Studie. Allein das Vermögen von Amazon-Gründer Jeff Bezos - der als reichster Mann der Welt gilt - sei um etwa 36,2 Milliarden Dollar gewachsen. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg (plus 30,1 Milliarden Dollar) und Tesla-Chef Elon Musk (plus 14,1 Milliarden Dollar) wurden reicher. „Es ist an der Zeit, dass diejenigen, die am meisten haben, vortreten und denen helfen, die in dieser außergewöhnlichen Zeit der Weltgeschichte am wenigsten haben“, sagte Beasley. „Die Welt braucht sie jetzt, und es ist an der Zeit, das Richtige zu tun.“

Amazon-Chef Jeff Bezos ist dem US-Magazin "Forbes" zufolge das dritte Jahr in Folge der reichste Amerikaner. Bezos, der auch als reichster Mensch der Welt gilt, verfüge über ein Vermögen von 179 Milliarden Dollar, berichtete das Magazin. Auf Platz zwei und drei der Liste der 400 wohlhabendsten US-Bürger folgen demnach Microsoft-Gründer Bill Gates und Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit aktuell 111 beziehungsweise 85 Milliarden Dollar.

Die Corona-Krise konnte Forbes zufolge den reichsten Amerikanern insgesamt nichts anhaben: Zusammengerechnet stieg das Vermögen der 400 auf der Liste verzeichneten Personen um 250 Milliarden auf einen Rekordwert von 3,2 Billionen Dollar. Neu auf der Liste mit einem Vermögen von elf Milliarden Dollar ist unter anderem Eric Yuan, der Chef von Zoom Video Communications. Der Trend zum Home Office in der Pandemie bescherte der Videokonferenz-Plattform einen Boom.

UN sieht globale Hungerkatastrophe kommen

Anfang Mai hatten die UN Schlagzeilen gemacht, weil sie vor einer globalen Hungerkrise warnten. Durch die verheerenden Folgen der Coronavirus-Pandemie drohen in diesem Jahr nach einer Studie fast 180.000 Kinder unter fünf Jahren zusätzlich zu verhungern. Das berichten Derek Headey vom US-Entwicklungspolitik-Institut IFPRI und Kollegen Mitte Juli in der Fachzeitschrift The Lancet. Die Wissenschaftler haben verschiedene Szenarien analysiert und gehen im günstigsten Fall von 111.000 zusätzlichen Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren aus, im schlimmsten Fall von 178.000.

Die Zahlen könnten auch noch höher liegen, warnen die Autorinnen und Autoren, weil noch niemand wisse, wie lange sich die Krise hinzieht. Die Gesundheit der Kinder sei auch dadurch bedroht, dass wichtige Gesundheitsdienste wegen der Pandemie nicht funktionieren. Dazu gehören etwa die Behandlung kranker Kinder und Impfungen.

Vor der Corona-Krise seien nach Schätzungen 47 Millionen Kinder unter fünf Jahren mittel bis schwer unterernährt gewesen, heißt es. Durch Ausgangsbeschränkungen und Wirtschaftseinbrüche würden 140 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut getrieben. Sie müssen am Tag pro Person mit weniger als 1,90 Dollar auskommen. Daraus ergebe sich, dass durch die Pandemie in diesem Jahr voraussichtlich 6,7 Millionen Kinder zusätzlich unterernährt sind. Gut die Hälfte (57,6 Prozent) lebe in Südasien, 21,8 Prozent in Afrika südlich der Sahara.

Kleine Kinder seien die größten Leidtragenden der Krise, schreiben die Spitzen von vier UN-Organisationen in einem Kommentar zu der Studie. „Millionen Kinder laufen Gefahr, nicht zu bekommen was sie brauchen, um zu überleben und aufzublühen“, schreiben sie. Es seien umgehend mindestens 2,4 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) nötig, um diese Kinder vor den schlimmsten Folgen zu schützen. Mit dem Geld müssten unterernährte Kinder behandelt und Mangelernährung ergänzt und zusätzlich Vitamin A ausgegeben werden. Ebenso wollen die UN-Organisationen damit neue Aufklärungskampagnen über den Nutzen des Stillens in den ersten beiden Lebensjahren finanzieren.

Jemen - Beispiel für den Hunger auf der Welt

Ein Beispiel für den Hunger in der Welt spielt sich derzeit im Jemen ab. Trotz der schweren humanitären Krise im Jemen droht vielen UN-Hilfsprogrammen in dem Stellvertreterkriegsland aus Geldnot das Aus. 15 der wichtigsten humanitären UN-Programme seien bereits reduziert oder eingestellt worden, warnten die Vereinten Nationen Mitte September. Weitere 30 Programme würden in den kommenden Wochen folgen, sollte es kein zusätzliches Geld geben. Die UN appellierte an die Geldgeber, sich mit den Jemeniten solidarisch zu zeigen.

„Das ist eine unmögliche Situation“, sagte die Nothilfe-Koordinatorin für den Jemen, Lise Grande. Der Jemen erlebe die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Trotzdem fehlten die benötigten Mittel, um die leidenden Menschen zu retten, die ohne Hilfe sterben würden. Im Jemen tobt seit rund sechs Jahren ein blutiger Stellvertreterkrieg. Die Huthi-Rebellen kämpfen dort gegen die Anhänger der international anerkannten Regierung. Rund 80 Prozent der Bevölkerung - mehr als 24 Millionen Menschen - benötigen nach UN-Angaben irgendeine Form von humanitärer Hilfe. Die Corona-Pandemie hat die Lage verschärft.

Bereits zwischen April und August waren die Hilfsorganisationen nach UN-Angaben unter anderem gezwungen, die Verteilung von Nahrungsmitteln zu reduzieren. In diesem Jahr sei von den Geldgebern gerade einmal rund ein Drittel der 3,2 Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) eingegangen, die gebraucht würden.

Die Bedingungen im Jemen sind nach Einschätzung des Welternährungsprogramms (WFP) noch schlechter als während des bisherigen Tiefpunkts 2018. „Der Jemen ist eine menschengemachte Krise und es gibt eine menschengemachte Lösung. Wir brauchen Zugang, Finanzierung und letztlich Frieden“, sagte WFP-Exekutivdirektor Beasley. „2018 haben wir den Jemen vor einer Hungersnot bewahrt. Das können wir wieder tun, wenn wir die Mittel und den Zugang erhalten.“


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