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Electronic Arts: Wie der Spielehersteller von Corona profitiert

Lesezeit: 3 min
01.10.2020 22:00
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Electronic Arts: Wie der Spielehersteller von Corona profitiert
Mit Skaleneffekten zu hohen Margen und starker Bilanz: Electronic Arts ist eine echte Erfolgsgeschichte. Foto: Michael Nelson/dpa
Foto: Michael Nelson

Electronic Arts arbeitet hoch profitabel. Die Rentabilität des Unternehmens ist in den vergangenen zehn Jahren dramatisch gestiegen, mit Nettogewinnspannen, auf die einige Konkurrenten neidisch sind. Die Kapitalfluss-Maschine läuft. Doch warum ist das so? Die Experten von „Der Privatinvestor“ haben das Geschäftsmodell des Spieleherstellers analysiert.

Electronic Arts ist eines der Unternehmen, die von Corona und den Lockdowns profitiert haben. Videospiele haben in den vergangenen Monaten einen nicht unwesentlichen Teil der Freizeitgestaltung, die früher im Freien stattfand, ersetzt. Hier ein Investment zu tätigen, ist angesichts der robusten Kapitalfluss-Generierung nach wie vor attraktiv.

So arbeitet Electronic Arts

Electronic Arts ist seit langer Zeit Branchenführer. Das Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre einen großen Katalog von Blockbustern erarbeitet. Einige bekannte Franchises der Spielebranche gehören zum Portfolio.

Dadurch, dass das Unternehmen in einem Wachstumssektor tätig ist und gleichzeitig die Rechte an einigen der meistverkauften Sporttitel und -marken besitzt, konnte es seinen Umsatz kontinuierlich steigern. Im Zehn-Jahresschnitt steht hier ein Plus von 4,2 Prozent. Zwischen 2019 und 2020 wuchs der Umsatz sogar um fast zwölf Prozent.

Gestützt auf seine erfolgreichen Franchises wie FIFA, Madden NFL, UFC, Star Wars sowie auf zahlreiche Einzeltitel betreibt Electronic Arts ein diversifiziertes Portfolio von Marken. Unterschiedlichste Zielgruppen können sich in diesem Universum wiederfinden.

Diese starke Substanz ermöglicht es dem Unternehmen, seine Spiele in einem relativ weit gefächerten Zeitrahmen zu veröffentlichen. Und damit schafft es Electronic Arts, einen recht kontinuierlichen Einnahmenstrom zu generieren.

Und auch die Skaleneffekte funktionieren bei Videospielen perfekt. Die Rentabilität kann ohne viel Mehraufwand nach oben geschraubt werden. Ein Studio hat die gleichen Kosten, egal ob einige Tausend oder einige Million Exemplare eines Spiels verkauft werden.

Dank der wachsenden Spielerbasis hat Electronic Arts seine Bruttomarge stark ausweiten können. Aktuell liegt sie bei sehr guten 74,6 Prozent. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 27,8 Prozent, die Gesamtkapitalrendite bei 18,8 Prozent.

Und diese Skaleneffekte werden sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken…

Durch den digitalen Vertrieb können die Kosten zukünftig noch weiter nach unten gedrückt werden. Immer mehr Spiele werden als Download an die Spielerin und den Spieler gebracht. DVDs spielen hier noch nur eine Nischenrolle.

Summa summarum: Der konstante Veröffentlichungs-Zyklus, die steigende Nachfrage und die steigenden Margen haben dafür gesorgt, dass Electronic Arts seine Rentabilität souverän steigern konnte und vielleicht noch weiter steigern kann.

Wie viel Geld bleibt für die Aktionäre tatsächlich übrig?

Dank der Skaleneffekte wird ein großer Teil der liquiden Mittel tatsächlich zum freien Geldstrom für die Aktionäre. Das Geschäft ist wenig kapitalintensiv. Maschinenanlagen und Produktionshallen sind nicht nötig. Der größte Kostenfaktor sind die Entwicklungsstudios, das Marketing und die Spiele-Designer, die kreativen Köpfe hinter den Spielen. Die eingesetzten Arbeitskräfte hinter einem Computerspiel sind nicht zu verachten. Nicht selten arbeiten mehrere hundert Menschen an einem Spiel.

Den generierten freien Geldstrom nutzt Electronic Arts zum Aufbau einer gesunden Bilanz. Das Umlaufvermögen liegt bei starken 2,6 und der Verschuldungsgrad nur bei 0,05.

In den vergangenen vier Quartalen hat Electronic Arts einen freien Geldstrom von 1,88 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet, was bei seinem heutigen Aktienkurs von 132 USD einer Rendite von 4,9 Prozent entspricht.

Das Management hat diese Mittel bislang auf zweierlei Arten verwendet: Zum einen für den Aktienrückkauf, zum anderen zur Stärkung der Bilanz. In den letzten vier Quartalen hat das Unternehmen Aktienrückkäufe im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar getätigt, was dazu führte, dass etwa drei Prozent der Aktien dem Markt entzogen wurden.

Darüber hinaus hat Electronic Arts seinen „Cash“-Bestand auf fast sechs Milliarden US-Dollar erhöht. Für die Größe des Unternehmens ist dies ein hoher Wert. Fast 20 Prozent des Unternehmenswertes sind damit Barmittel. Zum Vergleich: Bei anderen Tech-Größen liegt dieser Wert bei fünf bis 15 Prozent.

Die Kasse für zukünftige Akquisitionen ist also prall gefüllt. Die bevorstehenden Veröffentlichungen der neuen PlayStation sowie der neuen Xbox von Microsoft wird die Konsolidierung der Branche sicherlich vorantreiben. Der Trend geht deutlich in Richtung großer Studios, die Multi-Millionen-Etats für die Entwicklung neuer Blockbuster veranschlagen können.

Auf jeden Fall stellt die „Cash“-Position von Electronic Arts ein komfortables Polster für zukünftige Unternehmungen dar.

Fazit: Der freie Geldstrom („Free Cashflow“) ist eine wichtige Kennzahl, um die Rendite der Aktionäre zu bemessen. Er ist das Geld, das Investoren nach Abzug aller Betriebskosten und der Investitionsausgaben übrig bleibt.

Hier geht es direkt zur Podcast-Episode 22.

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Henning Lindhoff ist Redakteur der PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH.
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