Finanzen

Abkehr vom US-Dollar setzt sich fort, Notenbanken suchen Alternativen

Laut Daten des Internationalen Währungsfonds ist der Anteil des US-Dollars in den Devisenreserven der globalen Notenbanken weiter zurückgegangen. Gleichzeitig hat die Bedeutung des Goldes zugenommen.
07.10.2020 10:00
Aktualisiert: 07.10.2020 10:00
Lesezeit: 2 min

In der vergangenen Woche hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen neuesten Bericht über die Zusammensetzung der offiziellen Devisenreserven (Currency Composition of Official Foreign Exchange Reserves, COFER) für das zweite Quartal 2020 veröffentlicht. Dem Bericht zufolge hat der Dollar-Anteil an den globalen Reserven im zweiten Quartal stark abgenommen.

Schon vor der Covid-19-Krise war der Dollaranteil an den Devisenreserven in den letzten zwei Jahren immer weiter zurückgegangen. Nur im ersten Quartal 2020, als der Dollaranteil anstieg, wurde dieser Trend vorübergehend unterbrochen. Doch dies hat sich im zweiten Quartal wieder umgekehrt.

Gleichzeitig erholte sich der Anteil der Euro-Reserven im zweiten Quartal etwas, was jedoch vor allem auf den höheren Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung zurückzuführen ist. Der Anteil des japanischen Yen an den globalen Devisenreserven ist hingegen zurückgegangen.

Der Anteil des chinesischen Yuan an den globalen Devisenreserven ist im zweiten Quartal erneut leicht gestiegen, um umgerechnet rund 19 Milliarden Dollar. Diese langsame aber stetige Zunahme des Yuan in den globalen Devisenreserven hält seit Längerem an und ist derzeit der wohl wichtigste Trend bei den globalen Währungsreserven.

Laut Berechnungen der Bank of America sind die gesamten Devisenreserven im zweiten Quartal auf über 12 Billionen Dollar gestiegen. Denn alle globalen Zentralbanken druckten im großen Stil Währungsreserven, mit denen sie erheblich auf den Devisenmärkten handelten. Mehr als die Hälfte aller neuen Devisenreserven wurden im zweiten Quartal in Dollar angelegt.

Israel und die Schweiz führten erhebliche Devisenmarktinterventionen durch, um ihre eigenen Währungen zu schwächen. Fast alle großen Länder erhöhten im zweiten Quartal ihre Devisenreserven. Eine Ausnahme bildet die Türkei, die weiterhin Reserven verkaufen muss, um ihre Währung zu stabilisieren. Auch Saudi-Arabien verzeichnet weniger Devisenreserven.

Laut Berechnungen der Bank of America ist der Dollar-Anteil an den Devisenreserven auf 61,3 Prozent zurückgegangen. Zwar setzen die globalen Zentralbanken also zunehmend auf Alternativen. Doch merkwürdigerweise gibt es bisher keine Währung, die sich als Nutznießer des Prozesses herausgestellt hätte.

Stattdessen wuchs im zweiten Quartal die Bedeutung des Goldes. Denn zwar hat sich das Tempo der Goldkäufe durch Notenbanken nach zwei starken Jahren 2018 und 2019 dieses Jahr verlangsamt. Doch allein der erneute Anstieg des Goldpreises im zweiten Quartal hat den Anteil des Goldes an ihren Währungsreserven weiter wachsen lassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Königsmacher BSW: Wie weit reicht die Nähe zur AfD?
07.09.2026

Das BSW galt nach monatelangen Konflikten bereits als politisch angeschlagen. Nun verschafft ihm der Einzug in den Landtag von...

DWN
Politik
Politik Wahlergebnis Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD-Rekordsieg und viele offene Fragen – wie es weitergeht
07.09.2026

Die AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt, verfehlt jedoch die absolute Mehrheit. Während mögliche Partner abwinken, beginnt das Ringen um...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft AfD-Wahlsieg alarmiert die deutsche Wirtschaft: Verbände fürchten Folgen für den Standort
07.09.2026

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt alarmiert die deutsche Wirtschaft. Arbeitgeber und Industrie warnen vor Abschottung, ausbleibenden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu schwer und schwer zu löschen: Carrefour sperrt E-Autos aus
07.09.2026

Fahrer von Elektroautos dürfen ihre Fahrzeuge in Belgien nicht mehr auf einem der 18 Parkplätze abstellen, die auf den Dächern von...

DWN
Politik
Politik Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
07.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU – AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht
06.09.2026

Ein Rekordergebnis, eine historische Niederlage und kaum realistische Koalitionsoptionen: Die Landtagswahl stellt Sachsen-Anhalt vor...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ob AfD-Beben oder Zerreißprobe – Bundeskanzler Merz steckt in der Bredouille
06.09.2026

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte zum Wendepunkt für die CDU und ihren Vorsitzenden werden. Zwischen einem historischen AfD-Erfolg und...

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...