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Microsoft kauft ZeniMax – ist es das wert?

Lesezeit: 4 min
08.10.2020 22:00
Microsoft kauft ZeniMax – ist es das wert?
Hat sich das Team von Microsoft-Gründer Bill Gates richtig entschieden? Foto: dpa/Gian Ehrenzeller
Foto: Gian Ehrenzeller

Ende September gab Microsoft bekannt, ZeniMax Media Inc. zum Preis von 7,5 Milliarden US-Dollar zu kaufen. In der zweiten Jahreshälfte 2021 soll die Integration abgeschlossen sein. Zum Vergleich: Für Lucasfilm hat Disney vor einigen Jahren vier Milliarden US-Dollar auf den Tisch gelegt. Für weitere vier Milliarden US-Dollar erhielt der Mäuse-Konzern auch das Marvel-Universum.

Im Geschäftsjahr 2020 summierte sich der Nettogewinn von Microsoft auf 44,2 Milliarden US-Dollar. ZeniMax kostet die Redmonder also fast 17 Prozent ihres Nettogewinns 2020, aber auch nur 5,8 Prozent ihres riesigen Cash-Berges.

Die starke Bilanz wird durch den ZeniMax-Deal zwar nicht gefährdet, aber mit Blick auf zukünftiges Wachstum muss er einschlagen. Vor allem im Rennen gegen Sonys Playstation soll er weiterhelfen. In Kürze erscheinen neue Konsolengenerationen beider Unternehmen. Noch steht Sony dank stärkerer Exklusivtitel höher in der Gunst der Spieler.

In der Vergangenheit hat Microsoft schlechte Erfahrungen gemacht mit hochpreisigen Akquisitionen. Der 7,2 Milliarden US-Dollar schwere Kauf von Nokias Smartphone Business hinterließ tiefe Goodwill-Spuren und musste zu großen Teilen abgeschrieben werden.

Ein großer Knackpunkt: Bis dato erwirtschaftete ZeniMax den Großteil seines Umsatzes durch den Verkauf seiner Spiele über verschiedene Plattformen hinweg. Allzu stark auf Exklusivität zu setzen, könnte für Microsoft also wie ein Boomerang wirken. Die Chance, dass das Management sich in einigen Jahren darüber ärgern wird, statt der Übernahme nicht einen Exklusivvertrag mit den entsprechenden Entwicklerstudios vereinbart zu haben, ist nicht gering. Noch spricht es nur von „minimalen Auswirkungen auf den operativen Gewinn in 2021 und 2022“.

Aber mit ZeniMax hat Microsoft, zumindest in Sachen Content, deutlich an Boden gewonnen. Zu der Holding gehören eine ganze Reihe hochwertiger, gut laufender Marken und produktiver Studios. Neben den Bethesda Game Studios (bekannt für die Fallout-Reihe) sind dies auch die Arkane Studios (Dishonored), id Software (Doom und Quake), Machine Games (Wolfenstein – The New Order) sowie ZeniMax Online Studios (Elder Scrolls). Die Zahl der Xbox-Studios steigt mit diesem Deal von 15 auf 23.

Schritt für Schritt wird nun der ZeniMax-Katalog im Gamepass für Konsole und PC verfügbar gemacht. Im Gamepass versorgt Microsoft weltweit 15 Millionen Abonnenten mit mehr als 100 Spielen. Die Abonnenten zahlen monatlich rund zehn US-Dollar und können den gesamten, monatlich aktualisierten Spiele-Katalog beliebig in der Flatrate nutzen.

Phil Spencer, Chef der Xbox-Sparte, erläuterte, dass die zeitliche Exklusivität einiger Veröffentlichungen im Herbst und Winter 2020 aus dem ZeniMax-Portfolio für die Sony Playstation erhalten bleiben wird. Bei zukünftigen Titeln wird eine Xbox-Exklusivität, in welcher Form auch immer, von Fall zu Fall abgewogen. Die Strukturen sowie die Geschäftsführung der ZeniMax Media bleiben laut Microsoft unverändert.

Nicht zu vergessen: Ein erster wichtiger Schritt in Richtung Wettbewerb mit Googles Streaming-Dienst Stadia war die kürzliche Einführung des Dienstes xCloud. Mit diesem können Gamepass-Nutzer die Games auch aus der Cloud heraus auf ihrem Android-Smartphone spielen. Eine Konsole ist dafür nicht notwendig. Und nicht ganz nebensächlich: Zu dem ZeniMax-Paket gehört auch die Spiele-Streamingtechnologie Orion. Mittelfristig wird Microsoft damit ein ganz starker Player im Cloud-Gaming-Bereich.

Turbo für das Abo-Modell

Der Kauf von Hardware über eine monatliche Gebühr war bisher weitgehend auf Smartphones beschränkt, doch selbst diese Strategie wird nun von Microsoft adaptiert. Obwohl solche Modelle nicht explizit als „Abonnementdienste“ feilgeboten werden, sind sie in Nordamerika überaus erfolgreich, da sie den Schlag in den Geldbeutel deutlich abfedern. Konsumenten, die die Kosten beispielsweise für ein Telefon in monatlichen Raten begleichen, haben zumindest das Gefühl, weniger auszugeben – auch wenn man auf lange Sicht vielleicht mehr bezahlen wird.

Nun bietet Microsoft für seine neue, ab dem 10. November in Deutschland erhältliche, Konsolengeneration ein Abo-Modell an. Die Kunden können eine monatliche Gebühr entrichten und bekommen im Gegenzug – ganz ähnlich wie bei Handy-Verträgen – die neue Hardware mitsamt Zugriff auf den Gamepass. Vielen Kunden wird das Angebot attraktiv erscheinen: Rund 20 bis 60 US-Dollar sparen sie innerhalb dieser 24 Monate im Vergleich zum Kauf der Xbox Series X und der zusätzlichen Buchung des regulären Gamepass-Abos.

Noch attraktiver wurde der Gamepass unlängst durch die Kooperation mit Electronic Arts. Dessen Spiele-Flatrate EA Play wird, ebenfalls ab dem 10. November 2020, integriert und mit ihm so berühmte Titel wie die FIFA-Serie oder die Need-for-Speed-Rennspiele.

Und selbst im Office-Bereich weitet Microsoft sein Abo-Modell auf die Hardware aus. Hier bietet das Unternehmen in seinem Programm Surface All Access Laptops zusammen mit Microsoft 365 ab einem Preis von 26 US-Dollar monatlich an.

Zur Finanzierung des Xbox-Abonnements in den Vereinigten Staaten arbeitet Microsoft mit dem Kreditunternehmen Citizens One zusammen. Warum „Finanzierung“? Aus dem Kleingedruckten der Abo-Verträge geht hervor, dass es sich bei diesen in Wirklichkeit um „Kreditlinien mit einer jährlichen Zinsrate von 0 Prozent und 24 Monaten Laufzeit“ handelt. Im Gegensatz zu Spotify beispielsweise, bei dem Kunden den Zugriff einfach verlieren, wenn sie die Zahlung einstellen, kann das Xbox-Abo während der 24-monatigen Laufzeit nicht gekündigt und die Hardware nicht zurückgegeben werden.

Kampf der Metaversen - Kennen Sie das Buch „Snow Crash“ von Neal Stephenson?

Amazon-Gründer Jeff Bezos soll mit Stephenson befreundet und von diesem im Jahr 1999 zur Gründung seiner Space-Firma Blue Origin ermutigt worden sein. „Snow Crash“ handelt von einer dystopischen, durchtechnisierten Zukunft. Megakonzerne herrschen, der Staat hat sich zurückgezogen. Ein zentrales Konzept ist das „Metaversum“, eine digitale Zwischenwelt, in die die Menschen eintauchen, um aus der deprimierenden Realität zu fliehen.

Im Jahr 2019 sagte Epic-Gründer Tim Sweeney, das letzte Ziel seines Unternehmens sei es, „etwas Ähnliches wie das Metaversum zu bauen“. Auf diesem Weg wird er nicht der Einzige sein. Was wir aktuell in der Welt des Internets beobachten, sind womöglich die Geburtswehen unterschiedlicher, miteinander konkurrierender digitaler Konsum-Entertainment-Parallelwelten – erste Scharmützel um Klicks und Bewohner inklusive.

Abo-Modelle sind hier eine zentrale Komponente der Waffenarsenale. Mit seinem beliebten Gamepass, der ZeniMax-Akquisition und der Kooperation mit Electronic Arts sowie seiner „Mixed Reality“-Brille Hololens verfügt Microsoft über die nötige technische Infrastruktur, die nötige Hardware und einen umfangreichen Content-Katalog, um seine Anhängerschaft zukünftig immer weiter in seine Parallelwelt hineinzuziehen. Nicht zu verachten sind hier auch das populäre Weltenbau-Spiel Minecraft sowie hunderte Millionen registrierte Nutzer der Office-Produkte und des Business-Netzwerks LinkedIn.

Der Gaming-Bereich ist nur der Anfang. Jegliche Art digitaler Erlebnisse wird zukünftig noch abhängiger sein von der Plattform, dessen Abonnent der Konsument ist.

Dieser Wettbewerb unter den Parallelwelten wurde durch Corona, Lockdowns, freiwillige und unfreiwillige Quarantäne-Zeiten nur verstärkt. Abgeschottet von der Außenwelt stellt sich nicht mehr die Frage „Kicken oder Kino?“. Entscheidungen werden nun gefällt zwischen Netflix und Playstation.

Den Tech-Konzernen geht es dabei lange nicht mehr um den Verkauf von Produkten, von Hard- oder Software. Es geht um den Zugang. Die Konzerne wollen die Kunden nicht mehr aus ihrem jeweiligen Kosmos herauslassen. Je mehr Zeit der Kunde mit den Angeboten von Microsoft verbringt, desto weniger Aufmerksamkeit kann er Netflix, Twitter oder Facebook schenken.

Wird Microsoft vom ZeniMax-Deal profitieren? Schwer zu sagen. Cash für Akquisitionen ist reichlich vorhanden. Das bilanzielle Risiko ist sehr gering. Ob die Aktie, die in den letzten Monaten sehr gut lief, vor diesem Hintergrund ein guter Deal für Anleger ist, verrät „Der Privatinvestor“ seinen Abonnenten und Clubmitgliedern in seiner Jahresausgabe 2020, die Mitte Oktober erscheinen wird.

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Henning Lindhoff ist Redakteur der PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH.
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