Technologie

Digitale Zentralbankwährungen auf dem Vormarsch - mit Unterstützung von PayPal

Es verdichten sich die Hinweise, dass digitale Zentralbankwährungen in Kürze auch in der westlichen Welt eingeführt werden. Der globale Zahlungsdienst PayPal wird dabei eine wichtige Rolle spielen - oder wie CEO Dan Shulman es ausdrückt: PayPal werde die Einführung digitaler Zentralbankwährungen "mitgestalten".
07.11.2020 16:04
Aktualisiert: 07.11.2020 16:04
Lesezeit: 2 min
Digitale Zentralbankwährungen auf dem Vormarsch - mit Unterstützung von PayPal
Bei Bedarf könnte die US-Notenbank Federal Reserve bereits zum Jahresbeginn eine digitale Zentralbankwährung einführen. (Foto: dpa) Foto: Ting Shen

Wie vor zwei Wochen berichtet wird PayPal ab Januar kommenden Jahres Bitcoin und drei weitere Kryptowährungen in seine Bezahl-App integrieren. Konkret wird der globale Online-Bezahldienst mehr als 300 Millionen Nutzern den Handeln und das Bezahlen mit den vier Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin ermöglichen.

Doch nun hat PayPal neben neuen Details zu diesen Plänen eine weitere große Ankündigung gemacht. Demnach wird das Unternehmen nicht nur die genannten bereits seit vielen Jahren existierenden (privaten) Kryptowährungen unterstützen, sondern auch die kommenden (staatlichen) digitalen Zentralbankwährungen (central bank digital currencies, CBDCs).

"Offensichtlich bewegt sich die Welt rasch von physischen zu digitalen Währungen", zitiert Cointelegraph Dan Shulman, den CEO von PayPal. "Es steht außer Frage, dass digitale Währungen immer wichtiger werden, immer mehr Funktionalität haben und immer mehr an Bedeutung gewinnen werden". Es gehe es nicht darum, ob die Notenbanken digitale Zentralbankwährungen einführen werden, sondern wann und wie.

PayPal werde durch seine Größe und Bekanntheit den Nutzen der digitalen Zentralbankwährungen "mitgestalten", so der PayPal-CEO weiter. So werde man das Zusammenwirken der digitalen Zentralbankwährungen mit bestehenden Zahlungssystemen erleichtern und die Händler bei der Einführung unterstützen. Shulman beschrieb das aktuelle Finanzsystem als "nicht funktionierend" für viele Menschen.

"Ich glaube, dass unsere Plattform und die neue digitale Infrastruktur, die wir gerade einrichten, dazu beitragen können, die Verwaltung und den Geldfluss effizienter, kostengünstiger und schneller zu gestalten", sagte Shulman auf der Telefonkonferenz zu den Finanzergebnissen des Börsenunternehmens für das dritte Quartal.

Vor zwei Wochen hatte PayPal angekündigt, seinen Nutzern ab dem kommenden Jahr den Handel und das Bezahlen mit Kryptowährungen zu ermöglichen. In der Folge stieg der Bitcoin-Kurs auf seinen höchsten Stand seit Anfang 2018. Denn wenn im kommenden Jahr die weltweit 28 Millionen PayPal-Händler Bitcoin akzeptieren, so könnte das die Nachfrage nach Bitcoin stark nach oben treiben.

In der Telefonkonferenz betonten die PayPal-Führungskräfte die starke Nachfrage seitens der Kunden nach Krypto-Dienstleistungen. CEO kündigte an, dass PayPal diese Dienstleistungen neben Nutzern in den USA auch weltweit zur Verfügung stellen wird und in der ersten Hälfte 2021 auch auf der Zahlungs-App Venmo verfügbar machen wird.

Derzeit wird darüber spekuliert, ob die USA zu Beginn des kommenden Jahres möglicherweise eine digitale Zentralbankwährung einführen. Denn am 23. März ist ein Gesetzesvorschlag in den Kongress eingebracht worden, wonach jedem US-Bürger ab dem 1. Januar 2021 ein digitales Zentralbankkonto zur Verfügung gestellt werden soll.

Dazu schreibt der Analyst Ernst Wolff: "Zwar ist das Gesetz noch nicht verabschiedet worden, aber man sollte sich in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass das Gesetz zur Einführung der FED am 23. Dezember 1912, also geschicktermaßen direkt vor Weihnachten, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt angenommen wurde."

Die technische Infrastruktur für die Einführung digitaler Zentralbankwährungen scheint in jedem Fall - auch dank dem globalen Zahlungsdienst PayPal - schon bereit zu stehen. Und was in den USA möglich ist, das geht offensichtlich auch in Europa und in Deutschland. Die Tage des physischen Bargelds, das bisher noch ein Mindestmaß an finanzieller Freiheit ermöglicht hat, sind gezählt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Musk spendet Millionen an Republikaner: Politische Annäherung an Trump?
04.02.2026

Elon Musk sendet mit einer neuen Spende ein politisches Signal an das republikanische Lager. Deutet der Schritt auf eine erneute...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Chiphersteller AMD übertraf Investorenerwartungen, konnte den Kursrutsch jedoch nicht verhindern
03.02.2026

Die US-Börsen warteten gespannt auf die Ergebnisse von AMD, in der Hoffnung, eine Bestätigung für das anhaltende Wachstum des KI-Sektors...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börse färbt sich rot: Technologiesektor zieht US-Märkte ins Minus
03.02.2026

Die Hoffnung auf einen neuen Rekord an den US-Börsen wich schnell Kursverlusten, und der Handelstag endete in den roten Zahlen.

DWN
Finanzen
Finanzen Trumps Politik schwächt Dollar: US-Währung verliert an Einfluss weltweit
03.02.2026

Trumps Wirtschaftspolitik lässt den Dollar schwanken und bringt Anleger in Alarmbereitschaft. Die US-Währung hat seit seiner...

DWN
Politik
Politik Kevin Warsh als FED-Vorsitzender: Mehr Stabilität oder neue Unsicherheit?
03.02.2026

Die Nominierung von Kevin Warsh als Vorsitzenden der US-Notenbank verschiebt die Erwartungen an die künftige Geldpolitik und beeinflusst...

DWN
Panorama
Panorama Tanken in Deutschland: Spritpreise steigen wegen Rohöl und CO2-Preis
03.02.2026

Sprit wird teurer: Benziner und Diesel kosten im Januar deutlich mehr. Haupttreiber sind steigende Rohölpreise und die neue CO2-Abgabe.

DWN
Politik
Politik Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew
03.02.2026

Russlands Angriffe auf die Ukraine treffen erneut die Energieinfrastruktur. Hunderttausende Menschen stehen ohne Heizung und Strom da....

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie bricht ein: TikTok-Konkurrenz verunsichert Anleger
03.02.2026

Ein einziger Analystenkommentar reicht – und schon rauscht die Zalando-Aktie in den Keller. Die Anleger fürchten, dass globale...