Politik

Macron will Filmen von Polizisten mit Haft und 45.000 Euro Geldstrafe ahnden

Die französische Regierung will künftig Personen, die Polizeibeamte in Aktion filmen und die Bilder verbreiten mit einer Haftstrafe und einer Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro bestrafen. Dem Gesetz zufolge soll auch die Überwachung massiv ausgebaut werden.
07.12.2020 13:15
Lesezeit: 2 min
Macron will Filmen von Polizisten mit Haft und 45.000 Euro Geldstrafe ahnden
06.11.2020, Frankreich, Paris: Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, leitet eine Videokonferenz mit Führungskräften ausländischer Unternehmen im Elysee-Palast im Rahmen des Forums "mini choose France", das ausländische Unternehmen anziehen soll. (Foto: dpa) Foto: Ludovic Marin

Am vergangenen Dienstag legte die Regierung von Präsident Emmanuel Macron der Nationalversammlung ihren Gesetzentwurf zur „globalen Sicherheit“ vor. Nach der Ankündigung von Plänen für ein Gesetz gegen den „Separatismus“, das angeblich gegen islamistische Gruppen gerichtet ist, ist dieser Gesetzesentwurf Teil einer Kampagne zur Schaffung eines dauerhaften Ausnahmezustands, bei der der Polizei weitgehende Befugnisse übertragen werden.

Ihre Bestimmungen sind beispiellos. Jeder, der Bilder einer öffentlichen Veranstaltung einschließlich Polizeibeamter auf eine Weise veröffentlicht, die „das physische oder psychische Wohlbefinden des betroffenen Beamten beeinträchtigen könnte“, muss mit einer einjährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe von 45.000 Euro rechnen. Dieses rein subjektive Kriterium, das es der Polizei ermöglicht, jeden zu verhaften, der sie filmt, indem sie lediglich angibt, dass sie sich beim Filmen unwohl fühlen, untergräbt Regierungskritikern zufolge die Pressefreiheit und jeden Versuch, Sicherheitskräfte für die Brutalität der Polizei zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Gesetz räumt der Polizei außerdem enorme neue Befugnisse für die Videoüberwachung der Bevölkerung ein. Der Zugang zu Überwachungskameras in Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen sowie zu Apartmentkomplexen wird nicht nur der nationalen, sondern auch der kommunalen Polizei gewährt. Darüber hinaus ermächtigt der Gesetzentwurf die Polizei, Drohnen mit Gesichtserkennungstechnologie einzusetzen, um öffentliche Protestmärsche zu überfliegen und zu überwachen.

Demonstrationen an Hochschulen, die nicht genehmigt werden, sollen künftig mit einer dreijährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro geahndet werden. Am vergangenen Samstag versammelten sich Tausende am Menschenrechtsplatz in Trocadero in Paris, um gegen das geplante Gesetz zu demonstrieren. „Wir sind nicht hier, um ein Privileg unseres Berufs, die Pressefreiheit und die Freiheit der Journalisten zu verteidigen. Wir sind hier, um die Grundrechte, die Rechte aller Menschen, zu verteidigen“, zitiert France 24 Edwy Plenel, Mitbegründer und Herausgeber der Ermittlungswebsite Mediapart. Mediapart berichtet: „Tausende Demonstranten, darunter Journalisten und Vertreter von Menschenrechtsgruppen, protestierten am Samstag in Paris und den Städten im ganzen Land gegen ein Gesetz zur ,globalen Sicherheit‘, das derzeit dem Parlament vorliegt und die Zensur der Veröffentlichung von Gesichtern von Polizeibeamten, eine Erhöhung der Polizeibefugnisse und eine Ausweitung der Überwachung vorsieht.“ Im Juli wurden drei französische Polizisten wegen Totschlags an dem Lieferfahrer Cedric Chouviat angeklagt. Der Vorfall konnte auf Video festgehalten werden.

Macron will offenbar mit dem neuen Gesetz Proteste gegen die strikten Corona-Maßnahmen seiner Regierung im Keim ersticken, um seine politische Zukunft zu sichern.

Im Gegensatz zu Deutschland, ist Polizeigewalt in Frankreich ein ernsthaftes Problem, was aber auch mit Frankreichs Kolonialgeschichte und dem fragwürdigen Umgang mit anderen Volksgruppen angeht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Lamborghini Urus SE im Test: Was leistet der Plug-in-Hybrid mit V8-Motor?
03.04.2026

Lamborghini entwickelt sein erfolgreichstes Modell weiter und kombiniert beim Urus erstmals einen V8-Motor mit Plug-in-Hybridtechnik....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Remote-Jobs werden knapper: Der Kampf ums Homeoffice nimmt zu
03.04.2026

Der Arbeitsmarkt für Remote-Arbeit verändert sich spürbar, während Unternehmen ihre Strategien neu ausrichten und die Nachfrage nach...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 14: Die wichtigsten Analysen der Woche
02.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 14 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Orbán oder von der Leyen: Wahlen in Ungarn werden Europa verändern - steht die EU vor einem Machtverlust?
02.04.2026

Die Parlamentswahl am 12. April in Ungarn rückt nicht nur die Zukunft von Viktor Orbáns politischem System sondern auch die Zukunft der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach
02.04.2026

Ein nervenaufreibender Handelstag an den Märkten: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse jetzt in Bewegung halten.

DWN
Politik
Politik BlackRock: Investmentpläne vor Iran-Angriff? Pete Hegseths BlackRock-Investition im Fokus
02.04.2026

Während des Iran-Krieges rücken mögliche frühere Verbindungen zwischen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, BlackRock und den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland stoppt Benzinexporte: Angriffe auf Raffinerien führen zu Exportstopp
02.04.2026

Drohnenangriffe treffen Energiesektor: Das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz" war Anfang März vor der Küste Libyens nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kfz-Steuer-Prämie aufs Konto geplant: Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
02.04.2026

Die Bundesregierung prüft neue Wege, um Bürger angesichts hoher Kraftstoffpreise schneller finanziell zu entlasten, und setzt dabei auf...