Weltwirtschaft

Eskalation bei Daimler: Betriebsrat ruft alle 170.000 Mitarbeiter zum Widerstand gegen Stellenabbau auf

Lesezeit: 2 min
23.11.2020 15:52  Aktualisiert: 23.11.2020 15:52
Die politisch geforderte Wende zur Elektromobilität wird bei Daimler zehntausende Stellen kosten. Nun hat die Auslagerung der Motoren-Produktion nach China das Fass zum Überlaufen gebracht.
Eskalation bei Daimler: Betriebsrat ruft alle 170.000 Mitarbeiter zum Widerstand gegen Stellenabbau auf
Daimler-CEO Ola Källenius. (Foto: dpa)
Foto: Christoph Soeder

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Plan zur Motorenproduktion in China hat bei Daimler das Fass zum Überlaufen gebracht: Betriebsrat und IG Metall haben die rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland zu Protesten gegen Stellenabbau aufgerufen. Die Belegschaft habe schon Sparbeiträge in der Corona-Krise und zum Bewältigen des von der Politik geforderten Umbruchs hin zur Elektromobilität geleistet. "Doch es reicht dem Vorstand nicht. Funktionen sollen ins Ausland verlagert oder gleich ganz verkauft werden. In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft", erklärte Betriebsratschef Michael Brecht am Montag. Die Angestellten in der Verwaltung fühlten sich geradezu verstoßen. Der Wandel dürfe nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen, forderte Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg. Zehntausende Arbeitsplätze müssten gesichert werden.

Aktionen seien in dieser Woche an allen Daimler-Standorten geplant - "von Menschenketten im Betrieb bis ins Homeoffice". Die Arbeitnehmervertreter wollen dafür sorgen, dass die Konzernführung 170.000 Postkarten auf den Tisch bekommt. "Jede Karte steht für eine Kollegin oder einen Kollegen mit individuellen Sorgen und Wünschen", erklärte Brecht.

Vergangene Woche gab der Stuttgarter Autobauer bekannt, künftig Hybridmotoren mit dem chinesischen Hersteller Geely in China und Europa zu produzieren. Das deutsche Leitwerk für Antriebe am Stammsitz Stuttgart-Untertürkheim war nach Aussagen des Betriebsrats als Produktionsstandort gar nicht im Gespräch. Management und Betriebsrat ringen dort wie auch im Motorenwerk Berlin schon länger darum, wie viele Produktionsjobs mit der Umstellung auf die weniger arbeitsintensiven Elektroantriebe wegfallen sollen.

Die Sozialpartnerschaft bei Daimler sei mittlerweile angespannt und an einem kritischen Punkt, sagte Brecht am Wochenende dem Handelsblatt. Die Diskussion über Stellenabbau läuft bei Daimler wie in der gesamten Autoindustrie schon seit dem vergangenen Jahr. Programme zum freiwilligen Ausscheiden über Abfindungen oder Altersteilzeit laufen, Leiharbeitnehmer erhielten keine Verlängerungen mehr. Nun aber wirft der Betriebsrat der Daimler-Spitze vor, nur noch einseitig zu agieren. Für großen Unmut hatte zuletzt die Ankündigung gesorgt, unbefristete 40-Stunden-Verträge zu kündigen, so dass die Betroffenen nur noch die üblichen 35 Stunden pro Woche arbeiten dürfen und entsprechend weniger verdienen.

Der Dax-Konzern will die Personalkosten deutlich senken, um den teuren Wandel zu Elektroautos zu stemmen und den Gewinneinbruch in der Corona-Krise zu meistern. Eine konkrete Zahl zum geplanten Jobabbau nennt Daimler nicht. Spekuliert wird über 20.000 bis 30.000 gefährdete Stellen. Kündigungen sind in Deutschland bis Ende dieses Jahrzehnts per Betriebsvereinbarung ausgeschlossen. Daimler hatte Anfang Oktober bekanntgegeben, künftig noch stärker als bis dato angekündigt auf die E-Mobilität setzen zu wollen. Man strebe nicht weniger als „die führende Position“ bei Elektroantrieben und Fahrzeug-Software an, hieß es. Der Konzern betonte nun, man setze seine Bestrebungen fort, „die bestehenden Antriebsstrangwerke auf elektrische Umfänge umzustellen“.

Lesen Sie dazu auch:

Paukenschlag bei Continental: „Die deutsche Autoindustrie wird politisch zerstört“

Entlassungswelle, Teil 1: Im Schatten von Corona kommt der Kahlschlag in der Industrie



DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schließt weitere Reisebeschränkungen nicht aus

Stellt Deutschland bald wieder Polizisten an die Grenze, so wie im Frühjahr 2020? Belgien hat schon die Notbremse gezogen.

DWN
Deutschland
Deutschland DWN SPEZIAL: Gesundheitsministerium kauft für 400 Millionen Euro Antikörper-Medikamente gegen Corona – und ignoriert den deutlich günstigeren Wirkstoff „Ivermectin“

Die Bundesregierung hat für viel Geld 200.000 Dosen eines Antikörper-basierten Corona-Medikaments bestellt - obwohl es eine Alternative...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung könnte Fleischsteuer missbrauchen, um Haushaltslöcher zu stopfen

Die Bundesregierung will unbedingt eine bundesweite Fleischsteuer unter dem Vorwand des Tierwohls einführen. Doch in Wirklichkeit würden...

DWN
Finanzen
Finanzen Konkurrenz zum Bargeld: EU-Pläne zu digitalem Euro werden konkret

Die EU-Kommission unterstützt die Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung eines digitalen Euros. Wirtschaft und Finanzwesen...

DWN
Politik
Politik Papst Franziskus ist ein überzeugter Unterstützer des „Great Reset“

Das World Economic Forum lobt Papst Franziskus für seine Unterstützung des „Great Reset“ gegen den sogenannten „Neoliberalismus“....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Preise für Industrie-Metalle steigen stark

Die Preise vieler Industriemetalle sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Die Steigerungen auf der Erzeugerebene dürften die...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung muss Prognose für Wirtschaftswachstum absenken

Bundesregierung hat ihre früheren Prognosen zur wirtschaftlichen Erholung deutlich nach unten korrigiert. Hintergrund ist der erneute...

DWN
Politik
Politik Nach unruhiger Nacht: Mehr als 130 Festnahmen in Niederlanden

In der Nacht zum Mittwoch versammelten sich in mehreren Städten der Niederlande erneut Gruppen vor allem junger Männer. Allein in...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger lauern auf Tesla, Facebook und Apple - außerdem US-Zinsentscheid im Blick

Das deutsche Leitbarometer bewegt sich derzeit mehr schlecht als recht. Die Anleger halten sich mit Engagements zurück, weil heute Abend...

DWN
Politik
Politik Bericht: „Eine weitere Studie zeigt erneut, dass Lockdowns nicht funktionieren“

Das „Ludwig von Mises Institute“ berichtet: „Obwohl die Befürworter von Corona-Lockdowns weiterhin darauf bestehen, dass sie Leben...

DWN
Politik
Politik Corona 2021: Kommt es in der EU bald zu einer Nahrungsmittel-Krise?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Europa zur Nahrungsmittel-Krise kommt. So ist davon auszugehen, dass der Nahrungsmittel-Preisindex...

DWN
Deutschland
Deutschland Konsumstimmung bricht ein, Bürger meiden größere Anschaffungen

Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist im harten Lockdown eingebrochen. Die GfK-Marktforscher prognostizieren in ihrem...

DWN
Deutschland
Deutschland Insider: Merkel will touristische Reisen verbieten

Sie sei nicht für ein Reiseverbot, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es sollten aber möglichst keine touristischen Reisen stattfinden.

DWN
Finanzen
Finanzen Gegen das Bargeld: EU-Kommission will europaweite Obergrenze für Bar-Zahlungen

Die EU-Kommission erwägt eine europaweite Obergrenze bei der Nutzung von Bargeld. Experten der Kommission behaupten, dass sie dadurch...