Unternehmen

RWE will in den Niederlanden Wasserstoff aus Reststoffen erzeugen

RWE ist bisher gut durch die Pandemie gekommen. Jetzt setzt das Unternehmen ein lukratives neues Projekt um.
24.11.2020 16:36
Aktualisiert: 24.11.2020 16:36
Lesezeit: 2 min
RWE will in den Niederlanden Wasserstoff aus Reststoffen erzeugen
Die Zentrale von RWE in Essen. (Foto: dpa) Foto: Fabian Strauch

Der deutsche Energiekonzern RWE entwickelt im niederländischen Limburg ein Projekt, um Wasserstoff aus Reststoffen zu erzeugen. Unter dem Namen FUREC (Fuse Reuse Recycle) will das Unternehmen den Rohstoff für die chemische Industrie herstellen. Haushalts-Restmüll aus Limburg soll dabei Erdgas ersetzen. Das teilte der Konzern in einer offiziellen Erklärung mit.

Das Vorhaben unterstützt Unternehmen, Wissenschaftsinstitute und die Provinz in ihren Bestrebungen, Limburg zu einem Zentrum der Kreislaufwirtschaft und einem Wasserstoffknotenpunkt zwischen den niederländischen Seehäfen und dem deutschen Ruhrgebiet zu entwickeln.

Deswegen wird in Limburg, das im Süden des Landes an der Grenze zu Deutschland liegt, eine Anlage errichtet, die Reststoffe zu Rohstoffpellets verarbeitet. Diese werden dann in einer weiteren Anlage im Industriepark Chemelot in Wasserstoff umgewandelt, der sich hier ebenso befindet. Auf diese Weise wird der Erdgasverbrauch des Industrieparks um jährlich mehr als 200 Millionen Kubikmeter gesenkt. Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 140.000 Haushalten. Auf diese Weise werden pro Jahr rund 380.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Das Kohlendioxid, das bei der Produktion von Wasserstoff freigesetzt wird, kann abgetrennt und gespeichert werden. Das Unternehmen will es später als Rohstoff am Markt anbieten. Darüber hinaus kann der Wasserstoff im Industriepark Chemelot lokal vermarktet oder zu Industrieunternehmen in Rotterdam und ins Ruhrgebiet transportiert werden.

Ruud Burlet, Provinzialdirektor der Provinz Limburg (Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, Umwelt): „Das innovative Wasserstoffvorhaben von RWE und Chemelot hilft uns dabei, Limburg zu einem Vorreiter auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft zu machen. Wir wollen mit dem Chemelot Circular Hub das erste Zentrum für Kreislaufwirtschaft in Europa werden, in dem über nachhaltige chemische Prozesse Stoffe und Produkte entstehen, die dringend gebraucht werden. Das soll sowohl auf biologischer Basis geschehen, als auch unter Wiederverwendung vorhandener Materialien. Es gibt keinen unbrauchbaren Abfall. Indem wir die chemische Industrie auf diese Art umbauen, machen wir den Übergang zur Nachhaltigkeit zu einer neuen wirtschaftlichen Triebkraft für die Region."

Loek Radix, CEO von Chemelot: „Chemelot legt wie RWE großen Wert auf Stoffkreisläufe und Innovation. RWEs Entscheidung, Wasserstoff in unserem Industriepark zu produzieren, macht mich enorm stolz. Das ist ein großes Kompliment für unsere Positionierung. Diese neue Zusammenarbeit fügt sich nahtlos in das Bestreben von Chemelot und der Region ein, das erste Drehkreuz für Kreislaufwirtschaft in Europa zu werden.“

Wie wichtig die alternativen Energien für den deutschen Konzern sind, zeigt sich auch an der aktuellen Bilanz: So hat das Unternehmen seinen Außenumsatz nach den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 9,54 Milliarden Euro gesteigert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) kletterte um 60 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro.

Das Segment Biomasse/ Wasser/ Gas steuert grundsätzlich rund acht Prozent zu den Gesamtumsätzen bei. Sein bereinigtes EBITDA ist um 85 Millionen auf 382 Millionen Euro gestiegen. Hauptursache dafür war die Wiedereinführung des britischen Kapazitätsmarktes. Für die ersten neun Monate wurden dem Konzern Kapazitätsprämien von umgerechnet 105 Millionen Euro gewährt, während die Zahlungen im Vorjahreszeitraum noch ausgesetzt waren. Stark verschlechtert hat sich dagegen der Ergebnisbeitrag des Kraftwerks Eemshaven.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen Der heimliche Machtfaktor hinter dem KI-Boom: Sollten Anleger diese Halbleiter-Aktie kaufen?
01.02.2026

KI treibt den Hunger nach Rechenleistung und Speicherchips auf ein neues Niveau. Ein Unternehmen profitiert davon wie kaum ein anderes....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energie-Aktien: KI-Boom treibt Strompreise und lockt Investoren
01.02.2026

Der Boom der Datenzentren verändert den Energiemarkt rasant. Während KI-Anwendungen den Strombedarf explodieren lassen, geraten Politik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globaler Cybersecurity-Ausblick für 2026: Geopolitik und KI prägen neue Cyberrisiken
01.02.2026

Digitale Angriffe betreffen Unternehmen und Staaten an zentralen wirtschaftlichen Schnittstellen. Wie verändern sich Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitgeber-Umfrage zeigt: Generation Z ist arbeitsbereiter als gedacht
01.02.2026

Die Generation Z gilt oft als wenig leistungsbereit und stark auf Freizeit fokussiert. Doch eine neue Umfrage aus Norddeutschland zeichnet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Startups: Deutschland dominiert den Kampf um die nächsten Einhörner
01.02.2026

Milliarden fließen, aber nicht mehr in schnelle App-Ideen. Europas Startup-Szene verlagert ihren Schwerpunkt auf Deep-Tech,...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzmärkte 2026: Welche Risiken Anleger beachten müssen
31.01.2026

Die Kapitalmärkte treten in eine Phase erhöhter Unsicherheit, geprägt von Technologieumbrüchen, geopolitischen Spannungen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Welthandel: Wie Datenzentren den globalen Handel neu beleben
31.01.2026

Zölle bremsen, doch Technologie beschleunigt. Während protektionistische Maßnahmen den Welthandel belasten, entwickelt sich künstliche...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzabteilungen vor dem Kollaps? Warum 2026 alles ändert
31.01.2026

2026 wird zum Schicksalsjahr für Finanzabteilungen: KI verspricht Effizienz, Regulierung droht mit Sanktionen – und beides trifft jetzt...