Politik

EU-Kommission erwägt Sanktionen gegen staatliche Akteure wegen Verbreitung von Desinformation

Die EU erwägt erstmals die Einführung von Sanktionen gegen staatliche Akteure, die insbesondere während der Corona-Krise Desinformationskampagnen durchgeführt haben sollen.
04.12.2020 11:19
Lesezeit: 1 min
EU-Kommission erwägt Sanktionen gegen staatliche Akteure wegen Verbreitung von Desinformation
Ursula von der Leyen (CDU, oben), Präsidentin der Europäischen Kommission, gestikuliert, als sie mit den EU-Staats- und Regierungschefs während einer Videokonferenz zum EU-Gipfel im Gebäude des Europäischen Rates spricht. (Foto: dpa) Foto: Olivier Matthys

Die Europäische Kommission bereitet einen Vorschlag vor, wonach die Europäische Union Sanktionen gegen „ausländische Akteure“ verhängen darf, die "Desinformation" verbreiten. Dies geht aus einem Dokument-Entwurf hervor, der Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) vorliegt.

Der Europäische Aktionsplan für Demokratie, den die Europäische Kommission am 2. Dezember 2020 vorgelegt hatte, besagt, dass der 27-köpfige Block „systematisch alle Instrumente in seiner Toolbox nutzen muss, um ausländischen Einflüssen entgegenzuwirken“ - auch durch Auferlegung von Kosten für die Täter. „Möglichkeiten hierfür reichen von der öffentlichen Identifizierung häufig verwendeter Techniken (…) bis zur Verhängung von Sanktionen nach wiederholten Straftaten.“

Es ist das erste Mal, dass das Exekutivorgan der EU in einem offiziellen Dokument die Verhängung von Sanktionen für die Verbreitung von Desinformation vorschlägt.

Das Dokument warnt davor, dass Informationen „von ausländischen Akteuren verschärft“ werden können, und führt weiter aus, dass „bestimmte Drittländer (insbesondere Russland und China) gezielte Einflussoperationen und Desinformationskampagnen rund um COVID-19 in der EU, ihrer Nachbarschaft und weltweit durchgeführt haben sollen, um die demokratische Debatte zu untergraben, die soziale Polarisierung zu verschärfen und das eigene Image zu verbessern.“

Der Aktionsplan stellt fest, dass die „East StratCom Task Force“, eine Abteilung des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), welche die russische Informationspolitik überwacht, in diesem Jahr bisher mehr als 500 Beispiele für kremlfreundliche Desinformation zu COVID-19 und über 10.000 Beispiele identifiziert habe.

Das Dokument schlägt auch viel strengere EU-Vorschriften für Online-Plattformen vor, die „von böswilligen Betreibern zur Verbreitung und Verstärkung falscher und irreführender Inhalte verwendet werden können“. Im Jahr 2018 hat die Europäische Kommission einen Verhaltenskodex für Desinformationen erstellt, dem sich Plattformen wie Facebook, Google und Twitter freiwillig angeschlossen haben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Rechnungen digitalisieren: Wie Unternehmen Liquidität und Cashflow smarter steuern

Umsatz bedeutet noch keine gesicherte Liquidität. Zwischen der erbrachten Leistung und dem tatsächlichen Eingang des Geldes können...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Digitale Barrieren als Geschäftsrisiko: Wie Accessiway den klassischen Audit-Zyklus ergänzen will
24.07.2026

Trotz gesetzlicher Vorgaben bleibt digitale Barrierefreiheit für viele Anbieter ein ungelöstes Problem. Accessiway will mit einer neuen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Dynastie verdient Milliarden mit der Aufrüstung Europas
24.07.2026

Die zurückhaltenden Eigentümer des Panzerherstellers KNDS stammen aus Familien, die den deutschen Unternehmenszweig über Jahrzehnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz angemeldet: Der tiefe Fall des Batterieherstellers Varta
24.07.2026

Das Traditionsunternehmen Varta steht vor dem Trümmerhaufen seiner ambitionierten Expansionspläne: Nach dem Verlust wichtiger Großkunden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW-Studie warnt: AfD-Politik würde Bürger in Sachsen-Anhalt teuer zu stehen kommen
24.07.2026

Eine Umsetzung der Wirtschaftspolitik der AfD hätte für die Menschen in Sachsen-Anhalt gravierende finanzielle Einbußen zur Folge. Zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Griechenland blockiert EU-Sanktionspaket gegen Russland: Interessen eines Milliardärs stehen auf dem Spiel
24.07.2026

Es ist ein Streit um das 21. Sanktionspaket gegen Russland entbrannt. Griechenland protestiert gegen das geplante EU-Verbot für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögenssteuer: Als die Mittelschicht noch Häuser kaufte und die Reichen höhere Steuern zahlten
24.07.2026

Deutschland erlebt die größte Vermögensanhäufung seiner Geschichte – und gleichzeitig wird Eigentum für viele Menschen immer...

DWN
Politik
Politik Bundesverfassungsgericht zur Einreise von Afghanen: Karlsruhe kippt pauschalen Aufnahmestopp
24.07.2026

Nach dem Machtwechsel der Taliban in Afghanistan hatte Deutschland die bestehenden Aufnahmeprogramme für gefährdete Personen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Agrarhandels-Experten entwarnen: Vorerst kein Preissprung im Supermarkt
24.07.2026

Trotz der jüngsten Verteuerung von Getreide im Zuge des Russland-Ukraine-Konflikts müssen sich Verbraucher hierzulande vorerst nicht auf...