Wirtschaft

Nicht Goldman Sachs: BlackRock kapert die US-Regierung unter Biden

Wall Street Banker und insbesondere Banker der Goldman Sachs Group hatten lange Zeit leitende Positionen im Weißen Haus inne. Unter dem gewählten Präsidenten Joe Biden gehen solche Rollen an Führungskräfte von BlackRock. Der Einfluss des größten Vermögensverwalters der Welt wächst und wächst.
08.12.2020 16:42
Aktualisiert: 08.12.2020 16:42
Lesezeit: 3 min
Nicht Goldman Sachs: BlackRock kapert die US-Regierung unter Biden
Joe Biden, Gewählter Präsident (President-elect) der USA, verlässt die Bühne, nachdem er im Queen Theatre zum Thema Arbeitsplätze gesprochen hat. (Foto: dpa) Foto: Andrew Harnik

In den vergangenen Jahrzehnten erhielten immer wieder ehemalige Funktionäre der US-Investmentbank Goldman Sachs Posten innerhalb der US-Regierung. Mit der Regierungsübernahme von Joe Biden scheint sich das zu ändern. Es gibt Anzeichen dafür, dass wichtige Posten an ehemalige Mitglieder des US-Vermögensverwalters BlackRock vergeben werden. Das „Wall Street Journal“ wörtlich: „Wall Street Banker und insbesondere Banker der Goldman Sachs Group hatten lange Zeit leitende Positionen im Weißen Haus inne. Unter dem gewählten Präsidenten Joe Biden gehen solche Rollen an Führungskräfte von BlackRock.“

Biden hat den ehemaligen Obama-Adjutanten Brian Deese zum Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats ernannt, seinem wichtigsten Wirtschaftsrat im Weißen Haus. Nach seinem Dienst in der Obama-Regierung wurde Deese zum globalen Leiter für nachhaltiges Investieren bei BlackRock. Progressive Gruppen sagen, dass die Investmentfirma finanzielle Anteile an Energieunternehmen hält, die zum Klimawandel beitragen. „Brian gehört zu den erprobtesten und versiertesten Beamten des Landes - eine vertrauenswürdige Stimme, auf die ich zählen kann, um die anhaltende Wirtschaftskrise zu beenden, eine bessere Wirtschaft aufzubauen, die alle betrifft, und die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel zu bewältigen“, zitiert Bloomberg Biden. Deese ist die zweite Biden-Wahl, die Verbindungen zu BlackRock hat. Wally Adeyemo, Bidens vorgesehener Kandidat für den stellvertretenden Finanzminister, war Stabschef des BlackRock-Chefs Larry Fink.

Eigentlich wollte Biden auch Tom Donilon, der als Chef des BlackRock Investment Institute fungiert, als CIA-Direktor installieren. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, habe Donilon zum aktuellen Zeitpunkt kein großes Interesse gezeigt, von der Privatwirtschaft in die US-Regierung zu wechseln. „Zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen teilten mit, dass Donilon, ein ehemaliger nationaler Sicherheitsberater in der Obama-Regierung, der als Vorreiter für diesen Job angesehen wurde, beabsichtigt, im privaten Sektor zu bleiben und nicht der Biden-Regierung beizutreten. Donilon sagte dem Biden-Übergangsteam ,vor einiger Zeit‘, dass er nicht bereit sei, jetzt wieder in die Regierung zurückzukehren, teilte eine der Quellen mit“, so CNN. Stattdessen gelte es als wahrscheinlich, dass der frühere amtierende CIA-Direktor Michael Morell unter denjenigen ist, die für die Stelle in Betracht gezogen werden.

Der englischsprachige Dienst der „Deutschen Welle“ bestätigt: „BlackRock steht Biden nahe und einige, wenn auch nicht so viele, glauben, dass eine Partnerschaft der beiden eine echte Änderung der Umweltstrategie der USA einläuten könnte.“

Tyler Gellasch von der „Investor Trade Group Healthy Markets Association“ zeigt sich zuversichtlich über die Verbindungen zwischen Biden und BlackRock. „Durch die Auswahl von Mitarbeitern mit engen Beziehungen zu großen Vermögensverwaltern kann die Regierung dazu beitragen, die Bedenken der Finanzmanager auszuräumen. Dies ist ein klares Signal an die Branche, damit sie aufatmen kann: Sie können Stabilität planen, ohne wahrscheinlich massiven neuen regulatorischen oder steuerlichen Risiken ausgesetzt zu sein“, meint er.

Die Macht von BlackRock wächst und wächst

Über die Macht und den Einfluss von BlackRock hatte Andrew Stuttaford vom „National Review“ im Mai 2020 geschrieben: „Vor Beginn der Coronavirus-Krise verwaltete BlackRock über sieben Billionen US-Dollar. Wenn ein Unternehmen die Regeln von BlackRock nicht einhält, besteht die Gefahr, dass es sich von einer potenziell erheblichen Kapitalquelle und/oder Unterstützung für seinen Aktienkurs abschottet (…) Auch wenn ein Unternehmen kein Interesse daran hat, BlackRock als Aktionär zu haben, kann BlackRock ein Interesse daran haben. Sobald BlackRock eine Beteiligung an einem Unternehmen übernimmt, besteht die Möglichkeit, dass es Druck auf das Management ausübt, wie es jeder Aktionär zu tun hat. Die meisten Aktionäre tun dies nur, um ihre Rendite zu steigern, aber BlackRock hat, unabhängig von seinen Behauptungen über den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und längerfristiger Rentabilität, andere Ziele vor Augen.“

Dies liest sich auch aus den Worten von Larry Fink, der offen zugibt: „Angesichts der bereits gelegten Grundlagen und der wachsenden Investitionsrisiken im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit werden wir zunehmend bereit sein, gegen das Management zu stimmen, wenn die Unternehmen keine ausreichenden Fortschritte erzielt haben.“

In der Tat werden daher viele Unternehmen - und nicht nur diejenigen, die an der Börse notiert sind - gezwungen sein, ihre Geschäftstätigkeit zu ändern, wenn sie versuchen, mit immer strengeren Regeln Schritt zu halten, die nicht von demokratisch gewählten Gesetzgebern, sondern von nicht rechenschaftspflichtigen Gesetzgebern festgelegt werden, so Stuttaford.

Die Unternehmen, die mit BlackRock zusammenhängen, werden dies in Zukunft stärker tun, weil sie wissen, dass BlackRock nun auch in gewisser Weise in der US-Regierung sitzt.

BlackRock ist weltweit an mehr als 15.000 Unternehmen beteiligt, in Deutschland unter anderem an allen Dax-Konzernen. Das Unternehmen verwaltet weltweit 6,98 Billionen Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Zufall mit System: Die entscheidende Rolle von RNGs im Gaming

Viel mehr als Würfel-Glück: Erfahre, wie Zufallsgeneratoren von Slot-Klassikern bis hin zu KI-Welten für Fairness, Immersion und echten...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen ChatGPT geht an die Börse
09.06.2026

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI steuert auf die Börse zu. Zugleich macht das Unternehmen aber deutlich, dass es sich für diesen Schritt...

DWN
Politik
Politik Analyse: Nein, es gibt keine Aussicht auf Frieden in der Ukraine
09.06.2026

Weder militärisch noch diplomatisch gibt es eine Aussicht auf einen Waffenstillstand, geschweige denn auf Frieden im Krieg zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Außenhandel gewinnt trotz Iran-Unsicherheit an Fahrt
09.06.2026

Chinas Exporte legen erneut kräftig zu. Der Außenhandel bleibt eine zentrale Stütze der Wirtschaft – und verschärft zugleich...

DWN
Politik
Politik EU plant Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer
09.06.2026

Ursula von der Leyen will mit neuen Sanktionen den Druck auf Russland weiter erhöhen. Diesmal rücken auch Soldaten in den Fokus – und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX & Co: Warum sie trotz Kurswachstum nicht jetzt einsteigen sollten
09.06.2026

Das Ende einer neunwöchigen Aufwärtsbewegung der Indizes und die schlechteste Woche für Bitcoin seit 2022.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chefs, Stress und Traurigkeit: Wie unglücklich wir bei der Arbeit sind – und welche Lösungen es gibt
09.06.2026

Viele Beschäftigte sind der Meinung, jederzeit einen neuen Job finden zu können. Trotzdem wechseln nur wenige ihren Arbeitgeber, obwohl...

DWN
Politik
Politik Irland gerät wegen Russland-Exporten unter Druck
09.06.2026

Ein irisches Werk liefert offenbar Aluminiumoxid an einen russischen Konzern, dessen Produkte laut Recherchen in der Rüstungsindustrie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entlassungswelle: Kurz und schmerzhaft – wie Kündigungen in Deutschland ablaufen
09.06.2026

Kündigungen in Deutschland nehmen stark zu und viele Arbeitnehmer trifft eine Entlassung überraschend, schnell und oft ohne Abfindung....