Unternehmen

Eine deutsche Traditionsmarke: Haribo wird 100 Jahre alt

Mit Gummibärchen und Lakritzschnecken hat das Familienunternehmen aus Bonn in den vergangenen Jahrzehnten die Welt erobert. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr sorgen eine Preiserhöhung und eine Fabrikschließung für Ärger auf dem Heimatmarkt.
09.12.2020 14:00
Aktualisiert: 09.12.2020 14:00
Lesezeit: 2 min
Eine deutsche Traditionsmarke: Haribo wird 100 Jahre alt
Das undatierte Handout-Foto zeigt ein Werbeplakat des Süßwaren-Herstellers Haribo mit dem Werbeslogan «Haribo macht Kinder froh» aus den 1950er-Jahren. (Foto: dpa) Foto: Haribo GmbH

Von Erich Reimann - Rund 160 Millionen Goldbären verlassen Tag für Tag weltweit die Haribo-Werke - und dazu noch zahllose Tüten voller Lakritz-Schnecken und anderer Süßwaren. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum ist das am 13. Dezember 1920 in Bonn gegründete Familienunternehmen damit nicht nur nicht nur Marktführer im Fruchtgummi- und Lakritzsegment in Deutschland. Es ist in diesem Jahr nach eigenen Angaben auch in den USA - den Schokoladenmarkt ausgenommen - zur Süßwarenmarke Nummer eins aufgestiegen.

Haribo feiert den 100. Geburtstag schon seit Jahresbeginn mit einer aufwendigen Werbekampagne. Allerdings erwies sich ausgerechnet das Jubiläumsjahr als nicht ganz einfach für den Konzern. Nicht nur Corona machte dem Süßwarenhersteller zu schaffen.

In Ostdeutschland sorgte die Ankündigung, das Haribo-Werk im sächsischen Wilkau-Haßlau zu schließen, für Empörung. Das Land Sachsen beendete daraufhin seine Werbekooperation mit dem Süßwarenhersteller. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) schaltete sich ein und forderte die Geschäftsführung auf, ihre Pläne noch einmal zu überdenken. Haribo hält allerdings an seiner Entscheidung fest. Die Schließung sei mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit und künftige Ausrichtung von Haribo «wirtschaftlich notwendig», sagte ein Unternehmenssprecher.

Streit um eine von Haribo geforderte Preiserhöhung führte außerdem dazu, dass Lidl-Kunden seit Monaten keine Haribo-Produkte mehr in den Regalen des Discounters finden. Auch Edeka hatte nach Brancheninformationen sein Haribo-Sortiment zeitweise eingeschränkt. Doch scheint dieser Streit mittlerweile beigelegt. «Bei Edeka füllen sich die Regale wieder», hieß zuletzt bei Haribo.

Auch die Corona-Krise ging an dem Süßwarenhersteller nicht spurlos vorbei. Zwar verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben im Lebensmittelhandel im ersten Halbjahr Umsatzzuwächse. Doch brachen gleichzeitig in anderen Verkaufskanälen - etwa an Flughäfen und Bahnhöfen - die Umsätze ein. Außerdem mache sich im derzeitigen Teil-Shutdown bemerkbar, dass die Verbraucher viel seltener einkaufen gingen als früher - und dann oft Großeinkäufe tätigten, sagte ein Haribo-Sprecher. «Oft fehlt die Muße, was für ein Impulsprodukt wie unseres nicht vorteilhaft ist.»

Gegründet wurde das Unternehmen 1920 von dem gelernten Bonbonkocher Hans Riegel in einem Bonner Hinterhof. Das spiegelt sich bis heute im Firmennamen: Er steht für HAns RIegel BOnn. Das Unternehmen wuchs schnell. Schon 1922 tauchten die ersten Fruchtgummibärchen im Angebot auf. 1925 begann Riegel auch mit der Herstellung von Lakritzprodukten. Heute beschäftigt das Familienunternehmen weltweit 7000 Mitarbeiter, hat Produktionsstätten in 10 Ländern und exportiert seine Süßwaren in mittlerweile mehr als 100 Länder.

Allein in Deutschland sind etwas 300 Produkte im Angebot, weltweit sogar rund 1000. Es gehöre zum Erfolgsgeheimnis, die eigenen Produkte geschmacklich auf die landestypischen Vorlieben abzustimmen, erklärt Haribo die Vielfalt. Firmensitz ist seit 2018 nicht mehr Bonn, sondern die nahe gelegene rheinland-pfälzische Gemeinde Grafschaft, wo Haribo eine neue Firmenzentrale bezog.

Trotz Corona blickt Haribo durchaus optimistisch in die Zukunft. «Der US-amerikanische Markt ist für uns sehr wichtig. Hier sehen wir auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einen großen Markt und weitere Wachstumschancen für Haribo», sagte ein Firmensprecher. Derzeit entsteht im Bundesstaat Wisconsin das erste Haribo-Werk in Nordamerika.

Zugleich stärkt der Süßwarenhersteller weltweit seine Präsenz im E-Commerce. Weiße Flecken sieht das Familienunternehmen auch noch in Asien. In Deutschland kann davon keine Rede sein: Der Marktanteil von Haribo im Geschäft mit Fruchtgummi und Lakritz schwankt hier zwischen 56 und 60 Prozent.

Die aktuelle Diskussion um den überhöhten Zuckerkonsum in der Bevölkerung sieht der Süßwarenhersteller dennoch nicht als Gefahr für seine Zukunft. «Den viel diskutierten versteckten Zucker gibt es bei Haribo nicht», betonte ein Unternehmenssprecher. Goldbären, Lakritzschnecken und Co. seien Genussprodukte und keine Grundnahrungsmittel. Das sei den Verbrauchern auch bewusst. Auf die nächsten 100 Jahre blickt Haribo denn auch mit Zuversicht, wie ein Firmensprecher sagt: «Genascht wird immer.»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Europa: Der Osten gewinnt, der Westen besitzt
16.09.2026

Fabriken gehen nach Osten. Arbeitsplätze gehen nach Osten. Wo liegen die wertmäßig größten Projekte? Wem gehört das Kapital?

DWN
Finanzen
Finanzen Platzt die KI-Blase aufgrund des überhitzten Anleihemarktes?
16.09.2026

Ist der KI-Boom nur ein überzogener Hype? Wann ziehen die Investoren die Bremse - oder werden alle Erwartungen an die Einnahmen durch...

DWN
Politik
Politik Berlin-Wahl 2026: Pleite und schäbig? Was Berlin im Wahlkampf bewegt
16.09.2026

Kultur und Kunst im Überfluss, günstige Mieten und bei aller Atemlosigkeit eine gewisse "Jemütlichkeit" im Kiez – dieses Versprechen...

DWN
Politik
Politik Strafjustiz am Limit: 1,1 Millionen Strafverfahren auf Halde
16.09.2026

Deutschlands Staatsanwaltschaften kommen mit der wachsenden Zahl neuer Fälle kaum noch hinterher. Zur Jahresmitte 2026 lagen bundesweit...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase rückt in den Hintergrund, Zinsen werden zum Risiko
16.09.2026

Die KI-Blase galt lange als größte Sorge an den Finanzmärkten. Doch nun fürchten globale Investoren vor allem einen plötzlichen...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolg: Warum sind extreme Optionen so beliebt?
16.09.2026

Wenn etablierte Parteien über Wahlergebnisse erschrecken, sagt das nicht nur etwas über die Wähler aus. Es sagt auch viel über eine...

DWN
Panorama
Panorama Bildungsstudie: Sachsen beim Länderranking wieder an der Spitze
16.09.2026

Auch in diesem Jahr wird Sachsen in einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft wieder zum Bildungssieger des Landes erklärt. Der...

DWN
Politik
Politik Bedrohungen durch Russland: Von der Leyen will eigenen Artikel 4 für die EU
16.09.2026

Leipziger Sprengstoffdrohne als mahnendes Beispiel: Reicht die Nato aus, um die Sicherheit Europas zu gewährleisten?...