Wirtschaft

Großer Börsen-Crash im April 2021: Die EZB muss vorbereitet sein

Es gibt mehrere ernsthafte Hinweise darauf, dass es in den USA ab dem zweiten Quartal 2021 zu einem Börsen-Crash kommen wird. Die Auswirkungen auf Europa wären verheerend. Die EZB bräuchte eigentlich ein neues Notfall-Vehikel, um vorbereitet zu sein. Eine Prognose.
10.12.2020 13:43
Aktualisiert: 23.12.2020 20:00
Lesezeit: 4 min
Großer Börsen-Crash im April 2021: Die EZB muss vorbereitet sein
Das Jahr 2021 wird sehr turbulent verlaufen. (Foto: dpa) Foto: Jasper Jacobs

Im kommenden Jahr wird es zwei wichtige Ereignisse geben, die einen enormen Einfluss auf die Weltpolitik haben werden:

Der US-Bundesstaat Georgia hält am 5. Januar 2021 zwei Stichwahlen für den US-Senat ab, da bei den Wahlen am 3. November 2020 kein Kandidat die Mehrheit der Stimmen erhalten hat. Die Stichwahlen werden bestimmen, welche Partei im US-Senat die Mehrheit haben wird. Demokraten müssen beide Sitze gewinnen, um die Kontrolle über den US-Kongress (Repräsentantenhaus und Senat) zu erringen. Die Republikaner müssen mindestens einen Sitz gewinnen, um ihre Mehrheit im Senat zu sichern. Dann könnten sie jedes Gesetzesvorhaben der Biden-Regierung im US-Kongress blockieren.

Die Republikaner stufen den Kampf um die Kontrolle des Senats als einen „Kampf gegen den Sozialismus“ in Amerika ein. Die Demokraten wissen hingegen, dass die neue US-Regierung von Joe Biden eine Mehrheit im demokratischen Senat braucht, um den „Green New Deal“ zu verwirklichen – national und international. In gewisser Weise wird sich am 5. Januar 2021 entscheiden, ob die Verfechter der Globalisierung (mehrheitlich Demokraten), oder aber die Globalisierungs-Gegner (mehrheitlich Republikaner) einen Durchbruch in den USA erzielen werden, was sich wiederum auf die gesamte politische Landschaft der Welt auswirken wird. Es handelt sich um einen Wettbewerb zwischen „Globalisten“ und „Nationalisten“, wobei das Wort „Nationalisten“ im wirtschaftspolitischen Kontext verstanden werden sollte (Mehr HIER).

Der Ausgang der Stichwahlen in Georgia wird die Welt nachhaltig verändern, worauf auch Chuck Schumer, Fraktionsführer der Demokraten im US-Senat, Anfang November 2020 optimistisch hingewiesen hatte, indem er sagte: „Jetzt nehmen wir uns Georgia, dann verändern wir die Welt. Jetzt nehmen wir uns Georgia, dann verändern wir Amerika“. Das „National Republican Senatorial Committee“ reagierte mit Entsetzen auf die Aussagen von Schumer. Die Republikaner veröffentlichten ein Video, in dem sie Kritik an Schumers Aussagen übten. Sie folgerten aus Schumers Aussagen, dass die Demokraten die Steuern erhöhen, die Polizei und den Obersten Gerichtshof entmachten, die Gesundheitsversorgung verstaatlichen und den „Green New Deal“ umsetzen werden, falls sie die Mehrheit im US-Senat erringen sollten. Somit kann gesagt werden, dass der 5. Januar 2021 das erste Datum des kommenden Jahres sein wird, das den Lauf der Weltgeschichte nachhaltig in die eine oder andere Richtung bewegen wird.

Am 31. März entscheidet sich das Schicksal der Börsen

Als zweites wichtiges Datum dürfte der 31. März 2021 herangezogen werden. Um zu erläutern, was am Ende des 1. Quartals 2021 passieren könnte, lohnt es sich einen Blick auf die monetäre Basis (Zentralbankgeld) der Fed und dem S&P 500-Index zu werfen. Mitte Februar 2020 brach der Index-Wert der S&P 500 bis Mitte März 2020 massiv ein. Die US-Notenbank Fed reagierte und senkte den Leitzins zum 16. März 2020 von 1,25 auf 0,25 Prozent. Sie hatte bereits zuvor am 3. März 2020 den Leitzins von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt. Sie kündigte an, unbegrenzt Anleihen aufkaufen zu wollen und steckte Milliarden in hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-Backed Securites – MBS). Dazu zählt unter anderem auch das Aufkaufprogramm für kurzfristige Firmenanleihen (Commercial Paper Liquidity Facility), mit dem der Kreditfluss an Unternehmen gestützt werden soll. Aber auch ein Programm zur Liquiditätsversorgung von Geldmarktfonds und ein weiteres zur Stützung kleinerer Firmen gehören dazu, hatten Reuters und Bloomberg zuvor gemeldet.

Am 18. März 2020 ging die Fed dazu über, ihre monetäre Basis radikal auszuweiten. Die monetäre Basis steigt, wenn die Zentralbank, Devisen ankauft, Refinanzierungskredite vergibt und Wertpapiere ankauft oder an den Staat Kredite vergibt. Zu diesem Zeitpunkt war der Index-Wert der S&P 500 bereits massiv eingebrochen. Doch durch die Ausweitung der monetären Basis erholte sich der S&P 500-Index relativ schnell. Ein totaler Crash konnte verhindert werden. Aus einer Grafik der Fed St. Louis geht hervor, wie die Erhöhung der monetären Basis der Fed im direkten Zusammenhang mit der Stabilisierung der Indizes steht:

Dieses gesamte Corona-Notfall-Programm der Fed wird am 31. März 2021 auslaufen. Auf eine Unterstützung der Fed über dieses Datum hinaus können die Börsen und Unternehmen offenbar nicht setzen. Die frühere Fed-Präsidentin Janet Yellen, die von Biden zur künftigen Finanzministerin ernannt wurde, erklärte gegenüber dem „New Economic Forum“ von Bloomberg, dass „Ersparnisschwemme“ und Investitionsknappheit“ die Hauptprobleme der Industrieländer seien. Yellen sagte: „Um ein gesundes Wachstum zu erzielen, müssen wir eine Finanzpolitik und eine Strukturpolitik haben – abgesehen davon, dass wir uns nur auf Zentralbanken verlassen“. Dadurch wollte Yellen offenbar den Beginn von umfassenden fiskalpolitischen Maßnahmen andeuten, um sich gleichzeitig von den geldpolitischen Maßnahmen der Fed zu distanzieren.

Die EZB muss sich dringend vorbereiten

Es ist immer falsch, den Teufel an die Wand zu malen. Doch zu Beginn oder im Verlauf des zweiten Quartals 2021 könnte es an den US-amerikanischen Börsen gewaltig krachen. Können Sie sich vorstellen, dass der S&P 500, der Dow Jones und der Nasdaq binnen kürzester Zeit um 30, 40 oder sogar 50 Prozent abrutschen? Doch genau das wird meines Erachtens mit einer hohen Wahrscheinlichkeit passieren, denn die Kursgewinne an den Börsen stehen in einem Missverhältnis zur wirtschaftlichen Realität. Die Steigerungen sind schlichtweg disproportional. Wenn dieses Szenario eintreten sollte, würden die europäischen Börsen dies sehr deutlich zu spüren bekommen. Ein Domino-Effekt würde in erster Linie die Börsen in Südeuropa (Italien, Spanien und Griechenland) plus der Türkei hart treffen.

Ob das „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) der EZB die finanzielle Schockwelle aus den USA abfedern kann, wird sich zeigen lassen. Doch meines Erachtens ist das PEPP nicht darauf ausgelegt, die Auswirkungen eines US-amerikanischen Börsen-Crashs einzudämmen. Die EZB müsste eigentlich ein neues Notfall-Vehikel erarbeiten, das ausschließlich für diesen Fall aller Fälle zugschnitten ist. Das PEPP soll jedenfalls Ende Juni 2021 auslaufen.

+++Wichtige Information: Die EZB hat am späten Nachmittag des 10. Dezember 2020 das PEPP um neun Monate auf März 2022 verlängert. Zudem wird das PEPP um 500 Milliarden Euro auf 1,85 Billionen Euro ausgeweitet. Dieser Artikel erschien wenige Stunden vor den jüngsten Entscheidungen der EZB+++

Mehr zum aktuellen Thema:

EZB stemmt sich mit weiteren Milliarden gegen Corona-Krise

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
16.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...