Unternehmen

Hersteller von Super-Speichern will Weltmarkt erobern - und setzt damit Tesla unter Druck

Lesezeit: 3 min
17.12.2020 17:13  Aktualisiert: 17.12.2020 17:13
Die EU macht für die Einführung weniger umweltschädlicher Lösungen gehörig Druck. Davon profitiert auch ein Spezial-Unternehmen, das besonders leistungsfähige Speicherlösungen herstellt. Der Produzent Skeleton Technologies, der bei Dresden ein Werk unterhält, hat sich dabei einen schier übermächtigen Gegner ausgesucht.
Hersteller von Super-Speichern will Weltmarkt erobern - und setzt damit Tesla unter Druck
Ein wichtiger Akteur am Markt für Superkondensatoren ist Skeleton, das in Sachsen ein Werk betreibt. (Foto: dpa)

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Europäische Kommission drückt beim Kampf gegen den Klimawandel auf die Tube: Ursprünglich sollten 100 europäische Städte erst bis 2050 klimaneutral werden. Doch jetzt muss dieses Ziel bereits 2030 erreicht werden, wie aus dem neuen Vorschlag über die langfristige Mobilitätsstrategie hervorgeht, den die Kommission in der vergangenen Woche vorgelegt hat.

Davon profitieren auch Hersteller von Lösungen für die Energiespeicherung – beispielsweise von Superkondensatoren. Diese Technologie ist wesentlich leistungsfähiger als die Lithium-Ionen-Akkus, die bisher überwiegend in den Elektroautos eingesetzt werden. Experten sagen, dass sie eine Leistungsdichte haben, die bis 100 Mal höher ist. Dabei können sie in unterschiedlichen Branchen eingesetzt werden – nicht nur in der Autoindustrie. Sie werden in der Energiewirtschaft und in der Luft- und Raumfahrtindustrie eingesetzt.

Jetzt hat der Hersteller Skeleton Technologies (ST), der zu den führenden Anbietern weltweit zählt, einen wichtigen Schritt gemacht, um seine Geschäfte zu entwickeln. Der Produzent hat weitere Investoren gewonnen, deren Herkunft das Unternehmen nicht mitteilte. ST spricht lediglich von einem „führenden Industrieunternehmen“, das sich in der Investorengruppe befindet.

Dadurch hat der Produzent weitere 41,3 Millionen Euro eingesammelt, die das gesamte Investitionsvolumen für die Produkt- und Projektentwicklung auf 93 Millionen Euro erhöhten. Diese Summe hat das Unternehmen, das seinen Ursprung in Estland hat, seit seiner Gründung im Jahr 2009 bereits an finanzieller Unterstützung erhalten. Ein wichtiger Meilenstein war die Eröffnung einer Fabrik in der Nähe von Dresden vor drei Jahren.

Auftragsbestand von Skeleton liegt bei 150 Millionen Euro

„Die Produkte von ST sind bereits am Markt und trotz COVID-19 wird das Unternehmen 2021 bereits das zweite Jahr in Folge ein Umsatzwachstum im dreistelligen Prozentbereich erreichen“, heißt es in der offiziellen Erklärung. „Der gesamte Auftragsbestand beträgt 150 Millionen Euro“, steht dort weiter.

„Die Dynamik für den Energiewandel und für die Umstellung der Wirtschaft ist stärker als sie jemals zuvor gewesen ist. Die Erfahrung unserer Investoren wird uns nun helfen, größer zu werden und aggressiv zu wachsen. Wir haben die richtigen Produkte, um einen dominanten Marktanteil an der weltweiten Industrie für Superkondensatoren zu gewinnen“, zeigte sich der CEO und Mitgründer von ST, Taavi Madiberk, kämpferisch.

Damit richtet der baltische Manager seine Kampfansage an keinen geringeren als an Elon Musk von Tesla. Denn der US-Hersteller gehört neben ST zu den bedeutendsten Anbietern am Weltmarkt. So hat der Autobauer aus Kalifornien im Mai 2019 das US-Unternehmen Maxwell Technologies (MT) übernommen, der 1965 ursprünglich als Auftragnehmer für die US-Regierung gegründet worden war.

Das bedeutet, seine Produkte waren ursprünglich für das Militär gedacht, werden jetzt aber auch für zivile Zwecke eingesetzt. MT, das weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigt, hat 2018 einen Umsatz von etwa 90 Millionen Dollar erreicht – also 75 Millionen Euro.

Weiterer Konkurrent Eaton mit Verlusten

Ein weiterer großer Akteur am Markt ist der internationale Hersteller Eaton. Der Konzern, der weltweit 92.000 Mitarbeiter beschäftigt, liefert Lösungen für das Energie-Management an Privatkunden- und Unternehmen, die aus 175 Ländern stammen – und zwar auch aus Deutschland. Die Entwicklung von Ultrakondensatoren ist allerdings nur ein Produkt im reichhaltigen Portfolio des Konzerns.

Der Produzent hat im dritten Quartal seinen Erlös im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar oder 3,6 Milliarden Euro verringert. Darüber hinaus reduzierte sich der Betriebsgewinn um ein Fünftel auf 796 Millionen Dollar (650 Millionen Euro).

Das Segment E-Mobility, wo auch die Superkondensatoren hergestellt werden, musste hingegen keine Umsatzrückgänge hinnehmen: So blieben die Volumina bei 79 Millionen Dollar (65 Millionen Euro). Allerdings gab es hier einen Verlust auf der Betriebsebene von zwei Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro). Zwölf Monate zuvor hatte es noch einen Gewinn von vier Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) gegeben.

„Wir freuen uns über unsere soliden Ergebnisse – der Einwirkungen durch die COVID-19-Pandemie zum Trotz“, hat CEO Craign Arnold erklärt, der seit Juni 2016 den Konzern führt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat Eaton global einen Gesamtumsatz von 21,4 Milliarden Dollar oder 18 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Dass die Konkurrenten auf einen Wachstumsmarkt setzen, der sich in Zukunft stark entwickeln dürfte, wird auch an folgender Prognose deutlich: So lagen die Umsätze der Hersteller im vergangenen Jahr bei rund 488 Millionen Dollar oder 400 Millionen Euro.

Das geht aus einer Studie des internationalen Analyse-Hauses Mordor Intelligence hervor. Bis 2025 sollen die Gesamtvolumina auf fast 1,5 Milliarden Dollar oder 1,2 Milliarden Euro klettern. Die Experten rechnen damit, dass der Markt pro Jahr mehr als ein Fünftel zulegt.

 



DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Wirtschaftswachstum in China sorgt für kleine Aufhellung der Stimmung

Das deutsche Leitbarometer stemmt sich gegen die anhaltenden Verluste. Morgen setzen sich Bund und Länder wieder zusammen, um über eine...

DWN
Politik
Politik Kriegsverbrechen: Wie die CIA in Afghanistan Todes-Schwadronen ausbildet

Die CIA bildet in Afghanistan Todes-Schwadronen aus, die in der Region als Terror-Milizen agieren.

DWN
Politik
Politik „Fortsetzung der Ära Merkel ohne Merkel“: Internationale Pressestimmen zur Wahl Laschets

Ein roter Faden zieht sich durch viele Berichterstattungen zur Wahl Armin Laschets als CDU-Vorsitzender – er stehe für die Fortsetzung...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Wer in Bitcoin investieren will, braucht aufgrund der extremen Kurssprünge starke Nerven. Wer dafür bereit ist, erfährt hier, wie in...

DWN
Deutschland
Deutschland „Original Play“ sofort verbieten: Wie in Deutschlands Kitas Kindesmissbrauch gefördert wird

„Original Play“ nennt sich ein Konzept, demzufolge wildfremde Männer gegen eine Gebühr in deutsche Kitas gehen dürfen, um mit...

DWN
Politik
Politik Norwegen: Anzahl der Toten nach Corona-Impfung steigt von 23 auf 29

Bloomberg berichtet, dass in Norwegen die Anzahl der Toten nach Corona-Impfungen von 23 auf 29 Personen gestiegen ist. Alle gemeldeten...

DWN
Deutschland
Deutschland Wieder ein leeres Versprechen? Altmaier will Corona-Hilfen vereinfachen

Nach Kritik an schleppenden Hilfen für Unternehmen mit Einbußen durch Corona-Beschränkungen strebt Bundeswirtschaftsminister Peter...

DWN
Deutschland
Deutschland Unternehmerinnen sind besonders frustriert: Corona-Hilfen kommen nicht bei ihnen an

Auch der Verband deutscher Unternehmerinnen beschwert sich darüber, dass die sogenannten Corona-Hilfen nicht oder nur zögerlich ankommen...

DWN
Deutschland
Deutschland Reale Gefahr: Wenn ein Cyber-Angriff auf unser Stromnetz stattfindet, bricht die Nahrungsmittelversorgung zusammen

Die Gefahr von Cyber-Angriffen auf das deutsche Stromnetz ist real. Sollte tatsächlich ein Cyber-Angriff stattfinden, würde die gesamte...

DWN
Politik
Politik Chinas Sozialkreditsystem: Orwellsches Schreckgespenst oder reiner Mythos?

Das chinesische System der sogenannten "Sozialkredite" taucht regelmäßig in den Medien auf. Fast immer jedoch ist die Darstellung...

DWN
Finanzen
Finanzen Drei Billionen in neun Monaten: Wie hoch kann die Fed-Bilanz noch steigen, bevor das System crasht?

DWN-Gastautor Andreas Kubin analysiert die besorgniserregenden Ereignisse rund um die Federal Reserve. Ausgehend von einem Ereignis, das...

DWN
Politik
Politik Gegen Biden: Türkei, Russland und China wollen gemeinsam Luftabwehrsystem produzieren

Ein einflussreicher türkischer Außenpolitiker hat verkündet, dass die Türkei, Russland und China ihre Kooperation bei der Verteidigung...

DWN
Deutschland
Deutschland „Zwangsanweisung und höhere Bußgelder“: Härteres Vorgehen gegen Quarantäne-Verweigerer geplant

Mehrere Bundesländer wollen in der Corona-Pandemie härter gegen Quarantäne-Verweigerer vorgehen. Neben hohen Bußgeldern kommt es...

DWN
Finanzen
Finanzen Weil es sich lohnt: Corona-Krise treibt Nachfrage nach Goldbarren

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass die unabhängig vom Goldpreis in physisches Gold in Form von Goldbarren investieren. Doch auch...