Finanzen

Börsenausblick 2021: Die Märkte bleiben im Griff der Pandemie

Der Dax hat sich im Krisenjahr 2020 mehr schlecht als recht entwickelt. Welche Faktoren sind für das kommende Jahr wichtig?
30.12.2020 10:00
Lesezeit: 2 min
Börsenausblick 2021: Die Märkte bleiben im Griff der Pandemie
Was bringt das Börsenjahr 2021? (Foto: dpa)

Die weitere Entwicklung der Pandemie, die wohl weiter schwer kalkulierbar ist, und die Inthronisierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden: Das sind sehr wichtige Themen für die Aktienmärkte, wenn es um den Börsenstart im Januar des kommenden Jahres geht.

Der Dax hat bis kurz vor Weihnachten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwei Prozent auf Niveaus 13.500 Punkte gewonnen. Damit lag der Index noch weit über der psychologisch wichtigen Marke von 13.000. Doch ist er insgesamt mehr schlecht als recht durchs Krisen-Jahr gekommen.

Zum Vergleich: Der MDAX legte sieben Prozent zu, und der SDAX, der Index der sehr kleinen Werte, sogar fast 20 Prozent.

Dabei hat eine Aktie zu den Gewinnern gehört, der man dies nicht unbedingt zugetraut hätte: Das Papier des Halbleiter-Herstellers Infineon ist um 90 Prozent auf Niveaus um 31 Euro gestiegen. Die Pandemie hatte zwar erhebliche Auswirkungen auf die Zielmärkte des Produzenten. Doch ist die Nachfrage nach hochwertigen Chips in unterschiedlichen Technologiebereichen beständig geblieben.

Diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, weil ein anderes Tec-Schwergewicht im Dax, SAP, eine völlig andere Richtung eingeschlagen hat. So hat die Aktie 14 Prozent auf Niveaus über 100 Euro eingebüßt. Ein Ereignis, das den Anlegern im Gedächtnis geblieben ist, war der plötzliche Kurseinbruch Ende Oktober. Das Management um Konzernchef Christian Klein schockierte die Anleger mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung, die es in sich hatte. Eigentlich hätten die Analysten damit rechnen müssen, weil sie das Schwergewicht ständig beobachten.

Ein weiterer sehr starker Wert im Dax war Merck. Die Aktie hat 30 Prozent auf Niveaus um 135 Euro gewonnen. Dass sich die Pharmatitel als Gewinner der Pandemie gut entwickeln, ist keine Überraschung. Zuletzt hieß es, dass der Konzern seine Laborsparte in den USA aufstockt, da die Nachfrage aufgrund der Corona-Krise so groß sei.

Entscheidend für die Entwicklung der Pharmawerte war die Nachricht der internationalen Hersteller, dass ein Impfstoff gefunden sei. Dazu gehörte das Mainzer Unternehmen Biontech: „Die Impfkampagne kann bewirken, dass Anfang April in Deutschland eine Verringerung der stationären Behandlungen in Krankenhäusern erreicht wird. Im Spätsommer ist dann eine Immunisierung der Bevölkerung möglich“, sagte Ugur Sahin, der Chef von Biontech.

Damit gibt es erste Anzeichen, dass die Pandemie zu Ende geht. Dies wirkte sich auch auf die Biontech-Aktie aus, die in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 160 Prozent auf Werte um 80 Euro gewann und damit regelgerecht explodierte.

Und somit könnte auch langsam wieder etwas mehr Sicherheit an den Börsen einkehren, sollte Sahin Recht behalten. Denn möglicherweise wird die Bundesregierung in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr die gesamte Wirtschaft herunterfahren, um die Infektionszahl zu begrenzen. Volkswirte rechnen mit Milliarden-Verluste, die jeder Lockdown-Monat der Gesamtwirtschaft und den Unternehmen bringt. Und insbesondere für viele kleine Firmen droht die Insolvenz.

Nicht alle deutschen Anleger sind vom neuen US-Präsidenten überzeugt

Doch es gibt noch weitere Probleme: Beispielsweise ist noch nicht klar, welche Außenhandelspolitik der neue US-Präsident Joe Biden verfolgen wird. Die Anleger wissen zwar, dass mit seiner Inthronisierung der aggressive Ton im Welthandel verschwindet, den sein Vorgänger Donald Trump immer angeschlagen hatte. Allerdings sind jetzt in Deutschland auch schon Stimmen von Managern zu hören, die befürchten, auch Biden könne eine protektionistische Politik einschlagen.

Dies sind sehr wichtige Faktoren, die sich auf die gesamte Entwicklung 2021 auswirken. Zusätzlich stehen sofort im Januar wichtige Unternehmenstermine an, die sich die Anleger merken sollten:

So lädt am 12. Januar die Schaffner AG zu ihrer Hauptversammlung. Am 14. Januar gewährt Südzucker den Anlegern Blicke in die Bilanz für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2021. Darüber hinaus gibt es auch wichtige internationale Veranstaltungen – beispielsweise am 19. Januar. An diesem Tag wird Goldman Sachs die Zahlen fürs vierte Quartal 2020 vorlegen. Zusätzlich wird IBM seine Viertquartalszahlen am 21. Januar präsentieren.

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