Deutschland

Zur Rettung des deutschen Mittelstands: Die Corona-Profiteure müssen Solidaritäts-Abgaben leisten

DWN-Kolumnist Fritz Gerhardt appelliert an die Großkonzerne, die von der Pandemie profitieren: Helft mit, den deutschen Mittelstand zu retten - es liegt auch in eurem Interesse!
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06.01.2021 09:11
Lesezeit: 2 min

Die Pandemie und die – teilweise restriktiven – Maßnahmen unserer Regierung haben mittlerweile ungeheure wirtschaftlichen Schäden in unserem Land angerichtet. Wobei es umstritten ist, ob und inwieweit die Maßnahmen gerechtfertigt waren.

Besonders betroffen sind Gastronomiebetriebe, aber auch Bus-Unternehmen, Reiseveranstalter sowie natürlich auch Unternehmen des Nichtlebensmittelbedarfs, allesamt Angehörige des Mittelstands.

Die Bundesregierung gewährt staatliche Hilfen (mit anderen Worten: Der steuerzahlende Bürger wird in die Schadenshaftung genommen). Es hat sich aber gezeigt, dass ein nicht geringer Teil dieser Hilfen entweder gar nicht oder nur verspätet zu den betroffenen Betrieben gelangt, während Großunternehmen wie der Deutschen Lufthansa vergleichsweise umstandslos mit Milliarden unter die Arme gegriffen wird (und die Lufthansa die Zuwendungen unter anderem dafür verwendet, das Kurzarbeitergeld ihrer Piloten aufzustocken, so dass diese weiterhin bis zu 15.000 Euro im Monat verdienen).

Jetzt frage ich mich folgendes: Warum beteiligen sich die Nutznießer dieser schweren wirtschaftlichen Krise nicht an ihrer Bewältigung? Schließlich gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, denen die Krise nicht nur in keiner Weise etwas anzuhaben vermag, nein, diese Unternehmen profitieren sogar von der Pandemie. Als Beispiele seien an dieser Stelle nur der Versand- und Internethandel, Paketlieferdienste, Online-Bestellplattformen sowie Hersteller von Video-Spielen genannt

Warum leisten die Unternehmen mit Solidaritäts-Abgaben – die sie von ihren gewaltigen Gewinnen abzweigen könnten – nicht ihren Beitrag dazu, dass der Wirtschaft unseres Landes eine gewaltige Pleitewelle erspart bleibt?

Ich will an dieser Stelle keinen vom Staat beschlossenen Zwang nahelegen (der wahrscheinlich sowieso verfassungswidrig wäre), nicht die Implementierung eines planwirtschaftlich-sozialistischen Modelles vorschlagen. Nein, für viel sinnvoller halte ich es, an die Unternehmen zu appellieren, eine freiwillige Leistung einzubringen – was, ganz nebenbei, der Reputation der Spender in hohem Maße zuträglich wäre.

Ich möchte deshalb an die von der gegenwärtigen Situation profitierenden Großunternehmen appellieren, Ihren finanziellen Beitrag zu leisten, damit nicht noch mehr Wirtschaftskraft in unserem Lande zerstört wird. Dieser Beitrag könnte beispielsweise in einen Fond "Rettet den Mittelstand" eingezahlt werden, von dort aus nach einem zu errechnenden Prozentsatz regional weiterverteilt und mittels Hilfeersuchen von den gefährdeten Betrieben abgerufen werden.

Wie hoch Ihre Spende ausfallen wird, müssen die Unternehmen selbst entscheiden, doch wird man erwarten können, dass es schon eine erkleckliche Summe sein wird. Nehmen wir zum Beispiel Amazon: Allein im dritten Quartal dieses Jahres steigerte der weltgrößte Online-Händler seinen Umsatz um mehr als ein Drittel auf knapp über 96 Milliarden Dollar sowie seinen Gewinn um mehr als das Dreifache auf 6,3 Milliarden Dollar (das sind globale Zahlen; die Summen für Deutschland sind natürlich niedriger, nichtsdestrotrotz noch immer sehr ordentlich – 2019 betrug der Umsatz von Amazon in Deutschland mehr als 22 Milliarden Euro, dieses Jahr dürfte er um einiges darüber liegen). Ein ordentlicher Beitrag würde also weder die Existenz Amazons noch eines anderen Corona-Profiteurs in irgendeiner Weise gefährden, würde dagegen zeigen, dass die Unternehmen Artikel 14 unseres Grundgesetzes, "Eigentum verpflichtet", anerkennen und bejahen und sich mit ihren Mitbewerbern – und auf diese Weise mit dem ganzen Land – solidarisch zeigen.

Eins ist klar: Nur Vielfalt kann die wirtschaftliche Landschaft am Leben erhalten. Monopolstrukturen sind im Sinne volkswirtschaftlicher Gerechtigkeit eine Fehlentwicklung. Und die Großunternehmen müssen sich fragen, ob es nicht auch in ihrem Interesse liegt und daher nicht auch für sie die richtige Strategie wäre, sich rechtzeitig zum Gemeinwohl zu bekennen – eine mögliche „Zerschlagung“ ist angesichts der jüngsten Entwicklungen keine Drohung im luftleeren Raum mehr. Ganz abgesehen davon, dass die arbeitslosen Ex-Inhaber und -Angestellten von bankrotten Mittelstands-Unternehmen kein Geld mehr dafür haben, die Dienstleistungen der "Großen" in Anspruch zu nehmen.

Ich möchte daher an alle diejenigen Großunternehmen, denen es möglich ist, sich zu engagieren, folgenden Appell richten: Bitte tun Sie etwas! Es geht um das Wohl der Wirtschaft, der Gesellschaft, der Menschen – letztlich um unser aller Wohl.

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