Finanzen

Bitcoin-Rivale Ripple crasht um 50 Prozent in einer Woche

Nachdem die US-Finanzmarktaufsicht unerwartet gegen die Kryptowährung Ripple vorgegangen ist, haben Investoren viel Geld verloren. Ein ähnliches Vorgehen gegen Bitcoin würde aber noch schlimmere Verluste bringen.
30.12.2020 15:16
Aktualisiert: 30.12.2020 15:16
Lesezeit: 3 min
Bitcoin-Rivale Ripple crasht um 50 Prozent in einer Woche
Der Kurs des Ripple-Tokens XRP ist in den letzten Wochen stark eingebrochen. (Grafik: coinmarketcap.com)

Bis vor ein paar Wochen war die Stimmung unter Ripple-Investoren sehr gut. Der Preis der damals drittgrößten Kryptowährung (hinter Bitcoin und Ethereum) war im November auf ein neues Jahreshoch von 0,78 Dollar gestiegen. Dies war immerhin viermal so viel wie noch zu Beginn der Jahres, wenn auch noch weit entfernt vom Allzeithoch am 4. Januar 2018, als ein Ripple- (XRP) kurzzeitig bis zu 3,84 Dollar kostete.

Selbst Mitte Dezember handelt XRP noch um 0,60 Cent. Doch dann kam die Hiobsbotschaft, in deren Folge der Preis auf aktuell rund 0,22 Dollar eingebrochen ist. Am 21. Dezember gab plötzlich die US-Finanzaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) bekannt, dass sie rechtliche Schritte gegen das Unternehmen Ripple sowie gegen dessen CEO Brad Garlinghouse und Mitgründer Christian Larsen eingeleitet hat.

In der Anklage stuft die SEC den Ripple-Token (XRP) als Wertpapier ein und beschuldigt das Unternehmen Ripple und die beiden genannten Führungskräfte, seit dem Jahr 2013 ohne Erlaubnis mehr als 1,3 Milliarden Dollar durch den Verkauf dieser Wertpapiere von Investoren eingesammelt zu haben.

Weiter sagt die Aufsichtsbehörde, dass Ripple verschiedene Finanz- und Marketing-Unternehmen nicht in Dollar, sondern in Form von XRP bezahlt habe und dass CEO Garlinghouse und Mitgründer Larsen es versäumt hätten, die Verkäufe ihrer privaten XRP-Bestände anzumelden, die auf immerhin rund 600 Millionen Dollar geschätzt werden.

Gemäß den Vorschriften der SEC müssen sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen Firmen ihre Verkäufe anmelden, wenn die verkauften Kryptowährungen als Wertpapiere eingestuft werden. Weiter ungeklärt ist jedoch, bei welchen Token dies der Fall ist. Große Krypto-Unternehmen wünschen sich seit langem mehr Klarheit von den Behörden.

Im Fall von XRP handelt es sich nach Ansicht der SEC offenbar um ein Wertpapier, weil der Ripple-Token als Investition in das Unternehmen Ripple diente und weil Garlinghouse und Larsen persönlich davon profitierten. Das Unternehmen Ripple und seine beiden Führer könnten zur Rückerstattung ihrer Gewinne verpflichtet werden. Zudem drohen zivilrechtliche Strafen.

Unmittelbar nachdem am 21. Dezember die Einstufung von XRP als Wertpapier bekannt wurde, stürzte auch der Preis ab. Ripple-CEO Garlinghouse wies die Vorwürfe der SEC umgehend zurück. Auf Twitter sprach er von einem Angriff auf Ripple und auf die gesamte Kryptobranche. Sein Unternehmen habe stets alle Geschäfte gegenüber den Behörden offengelegt und werde nun dennoch verfolgt.

Bereits Ende November hatte CEO Garlinghouse gesagt, dass sein Unternehmen weiter wachsen werde, selbst wenn XRP als Wertpapier eingestuft werden sollte, was damals als eher unwahrscheinlich galt. "Es gibt andere G20-Staaten, die dazu eine andere Ansicht vertreten. Ich kenne weltweit keinen anderen Staat, wo man denkt, dass XRP ein Wertpapier ist", sagte er im Pomp Podcast.

Weiter sagte Garlinghouse damals, dass mehr als 90 Prozent der Kunden der von Ripple angebotenen Finanzdienstleistung RippleNet außerhalb der Vereinigten Staaten ansässig sind. Daher werde eine Einstufung von XRP als Wertpapier durch die SEC das zugrunde liegende Geschäft seines Unternehmens nicht wirklich behindern.

Am Dienstag verteidigte sich Ripple gegen das Vorgehen der SEC. Zudem sagte Garlinghouse erneut: "Die Mehrheit unserer Kunden ist nicht in den USA und das gesamte XRP-Volumen wird größtenteils außerhalb der USA gehandelt. Zum Beispiel gibt es klare Regeln für die Verwendung von XRP in Großbritannien, Japan, der Schweiz und Singapur."

Es wird sich zeigen, ob er im Hinblick auf die Zukunft seiner Firma Recht behält. Doch unabhängig davon ist der Kurs des XRP-Tokens eingebrochen. Denn wenn XRP in den USA nun als Wertpapier behandelt wird, so müssen sich Investoren bei der SEC registrieren. Dies gilt speziell auch für Ripple selbst und für die vielen Kryptowährungsbörsen, die in den USA tätig sind, wenn sie weiterhin XRP zum Handel anbieten wollen.

Aus diesem Grund haben einige große in den USA tätige Kryptowährungsbörsen den Ripple-Token vom Handel auf ihren Plattformen ausgeschlossen, darunter Coinbase und Bittrex. In der Folge ist der Kurs weiter gesunken. Weitere Börsen und Investmentfonds werden voraussichtlich ähnlich vorgehen, sodass ein weiterer Preisrückgang droht.

Profiteur des Schlags gegen Ripple waren andere führende Kryptowährungen, da Investoren offenbar auf diese ausgewichen sind. Bitcoin hat diese Woche schon wieder ein neues Allzeithoch erreicht. Starke Zugewinne verzeichneten auch Ethereum, Litecoin und Bitcoin Cash. Die Marktkapitalisierung von Litecoin überholte sogar vorübergehend die von XRP.

Dennoch sollten sich Investoren dieser Kryptowährungen nicht zu früh freuen. Denn sie könnten die nächsten sein. Der Crash von Ripple zeigt anschaulich, was passieren kann, wenn die US-Behörden den Handel mit einer Kryptowährung de facto verbieten. Derzeit ist keine Kryptowährung dagegen gefeit. Schon ein einziger weiterer behördlicher Schlag könnte bereits das Vertrauen in die gesamte Anlageklasse dauerhaft untergraben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbungsverfahren: Künstliche Intelligenz verändert die Auswahlkriterien
18.10.2026

Bewerber verfassen Bewerbungsunterlagen mit KI, Betriebe lassen die Maschine zumindest einen Teil der Vorauswahl machen. Das ändert die...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Der größte Fehler passiert lange vor dem ersten Aktienkauf
18.10.2026

Welche Aktie soll ich kaufen? Für viele Börsenanfänger ist das die wichtigste Frage überhaupt. Dabei entscheidet sich oft schon viel...

DWN
Technologie
Technologie Musks Flugauto: Tesla zeigt Sportwagen mit Raketendüsen
18.10.2026

Seit Jahren stellte Elon Musk ein Raketen-Auto in Aussicht - und der nun gezeigte Tesla Roadster kann dank Kaltgas-Düsen ein wenig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
18.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entsorgungswirtschaft warnt: mehr Brände durch Batterien
18.10.2026

Immer mehr Alltagsgegenstände enthalten fest verbaute Batterien, die nicht jeder überhaupt erkennt. Im Müllauto oder der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
18.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Berlin: Das planen Linke, Grüne und SPD für die Hauptstadt
17.10.2026

"Mehr gemeinsam, mehr Berlin": Das Sondierungspapier von Linke, Grünen und SPD umfasst inklusive Anlagen etwa 30 Seiten. So wollen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deal mit Nvidia: Bundesregierung plant Kooperation mit US-Chiphersteller
17.10.2026

Deutschland will die Lücke beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie schließen. Viele deutsche KMU hinken bei der digitalen...