Politik

Polen führt verpflichtende digitale Corona-Impfpässe ein

Nun führt auch Polen einen digitalen Corona-Impfpass ein, der dem Besitzer exklusive Rechte verschafft, darunter das Reisen und Kontakte mit anderen Menschen. Die Idee wird weltweit Teil der neuen Normalität.
18.01.2021 14:00
Lesezeit: 2 min

Menschen, die sich in Polen gegen COVID-19 impfen lassen, werden einen entsprechenden digitalen Nachweis erhalten, sobald sie eine zweite Dosis des Impfstoffs erhalten haben. Dies sagte die stellvertretende polnische Gesundheitsministerin Anna Goławska. Doch Polen ist bei weitem nicht das einzige EU-Mitgliedsland, das einen digitalen Impfpass einführt. Erklärtes Ziel ist die Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Reiseverkehrs.

Wer in Polen die Impfung erfolgreich durchlaufen hat, soll die Bestätigung in Form eines QR-Codes erhalten. Dieser wird von den Behörden über die Online-Konten der Bürger zur Verfügung gestellt. Der QR-Code "ist der sogenannte Pass der geimpften Person und bestätigt, dass die Person geimpft wurde und die Rechte in Anspruch nehmen kann, die geimpften Menschen zustehen", so Goławska laut einem Bericht von Euractiv.

Die Idee ist Teil des polnischen Immunisierungsprogramm, das von der Regierung im Dezember verabschiedet wurde. Darin heißt es, dass geimpfte Personen die öffentlichen Gesundheitsdienste ohne zusätzliche Tests nutzen können, dass für sie nicht die gleichen Regeln zur Kontaktbeschränkung gelten und dass sie auch nicht in Quarantäne müssen, wenn sie mit einer Corona-infizierten Person in Kontakt gekommen sind.

Andere Mitgliedsstaaten, darunter Dänemark, haben ihre Absicht bekundet, an einem Impfpass zu arbeiten. Zypern hatte sich als erstes EU-Mitgliedsstaat bereits im Dezember dafür ausgesprochen, Einreisebestimmungen wie Tests und Quarantäne für jene Reisenden abzuschaffen, die sich gegen Corona geimpft haben lassen.

Griechenland hat letzte Woche die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert, ein EU-weites Impfzertifikat einzuführen, um das Reisen in der EU zu erleichtern. Es ist jedoch noch unklar, auf welchen Modalitäten eine solche EU-weite Zertifizierung beruhen könnte und ob es überhaupt zustande kommen wird.

Frankreich, dessen Bevölkerung eine hohe Zahl von Impfskeptikern zählt, hat die Idee eines Corona-Impfpasses zum Reisen in der Europäischen Union ausgeschlossen. Und Rumänien vertritt den Standpunkt, dass eine solche Impfbescheinigung für medizinische Gründe verwendet werden sollte, nicht aber für das Reisen.

Der Londoner Telegraph berichtete letzte Woche, dass die Biometrie-Firma iProov und die Cybersecurity-Firma Mvine einen Impfpass entwickelt haben, der Corona-geimpften Briten als Handy-App zur Verfügung gestellt werden soll. Die britischen Gesundheitsbeamten sagen, dass die Pässe helfen werden, zu überwachen, wer den Impfstoff erhalten hat.

Russland hat bereits zu Beginn des Jahres damit begonnen, Impfpässe an seine Bürger auszugeben, damit diese wieder über nationale und internationale Grenzen hinweg reisen können. Auch Dänemark, Israel und die kanadische Provinz Ontario haben die Einführung eines Impfpasses entweder angekündigt oder prüfen die Idee.

Alles deutet darauf hin, dass digitale Impfpässe weltweit eingeführt werden. Große Akteure der globalen Reiseindustrie haben bereits signalisiert, dass ein solches Dokument ein notwendiges Merkmal der neuen Normalität sein wird. So testet etwa die Singapore Airlines bereits seit Dezember einen digitalen Corona-Impfpass, der auf dem Travel Pass Framework der International Air Transport Association (IATA) basiert.

Nick Careen von IATA sagte: "Die Partnerschaft mit Singapore Airlines für den weltweit ersten Einsatz des Timatic Covid-19-Moduls des IATA-Reisepasses ist ein großer Schritt nach vorn. Gemeinsam werden wir zeigen, dass Menschen wieder mit der Gewissheit reisen können, dass sie alle staatlichen Covid-19-Einreisebestimmungen erfüllen", darunter Tests und Impfungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Handy-Sicherheit im Unternehmen: Ein verlorenes Smartphone kann alles lahmlegen
12.10.2026

Ein verlorenes Smartphone wirkt zunächst wie ein überschaubares Problem. Doch auf dem Gerät liegen längst E-Mails, Zugänge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ryanair-Aktie: Airline ändert Check-in-Regeln und verkürzt Zeit für die Gepäckaufgabe
12.10.2026

Ryanair-Passagiere müssen aufgegebenes Gepäck am Flughafen künftig früher abgeben. Die Fluggesellschaft verkürzt die Öffnungszeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Plus 20 Prozent: Briefporto könnte stärker steigen als jemals zuvor
12.10.2026

Das Briefporto könnte in Deutschland so stark steigen wie noch nie. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Preisspielraum vorgeschlagen,...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie steigt trotz sinkender Verkäufe: Was den Anlegern und dem Konzern Hoffnung gibt
12.10.2026

Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos, doch die VW-Aktie legt zu. Vor allem China belastet den Konzern, während sich in Europa ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche Cayenne Elektro im Test: Dieser Luxus-SUV sprengt die Leistungsgrenzen
12.10.2026

1.156 PS, null auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,5 Sekunden und bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung: Der elektrische Porsche Cayenne Turbo...

DWN
Technologie
Technologie „Die Super-Firewall wird nicht reichen“: Ex-BND-Chef Gerhard Schindler über die Zukunft des Wirtschaftsschutzes
12.10.2026

Künstliche Intelligenz, Cyberangriffe und klassische Spionage verschmelzen zunehmend miteinander. Gerhard Schindler, von 2012 bis 2016...

DWN
Politik
Politik Bärbel Bas tritt zurück – Alexander Schweitzer soll Arbeitsminister werden
12.10.2026

Bärbel Bas zieht sich aus der Bundesregierung und der SPD-Spitze zurück. Für das Arbeitsministerium zeichnet sich bereits eine Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten steigen weiter: Unternehmensinsolvenzen erreichen Juli-Hoch
12.10.2026

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 deutlich gestiegen. Die Amtsgerichte registrierten 2.373 Fälle –...