Wirtschaft

Dämpfer für Merkel: EU-Parlament kritisiert Pläne für Investitionsabkommen mit China

Das Europaparlament kritisiert das geplante Investitionsabkommen der EU mit China scharf. Den Deal, der Geheimklauseln enthält, hatten Merkel, Macron und von der Leyen im Alleingang ausgehandelt.
21.01.2021 17:31
Aktualisiert: 21.01.2021 17:31
Lesezeit: 1 min
Dämpfer für Merkel: EU-Parlament kritisiert Pläne für Investitionsabkommen mit China
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, begrüßen Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission zu einem Abendessen (16.10.2019). (Foto: dpa) Foto: Frederic Scheiber

Vor dem Hintergrund der politischen Lage in Hongkong hat das Europaparlament das geplante Investitionsabkommen der Europäischen Union mit China kritisiert. Die Abgeordneten monierten einen „überstürzten Abschluss“, ohne dass gleichzeitig konkrete Maßnahmen gegen die anhaltenden schweren Menschenrechtsverletzungen ergriffen worden waren. Die Staatengemeinschaft laufe so Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit als globaler Akteur im Bereich der Menschenrechte auszuhöhlen, hieß es in einer am Donnerstag angenommenen Entschließung. Zuvor hatten Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron im Alleingang sich auf ein Investitionsabkommen mit Geheimklauseln geeinigt. Damit regierten sie regelrecht an allen anderen EU-Staaten vorbei (HIER und HIER).

An dem Abkommen zwischen der Volkswirtschaft und der EU wird seit Jahren gearbeitet. Es soll das Verhältnis der EU zur weltweit zweitgrößten Wirtschaftsmacht China grundsätzlich neu aufstellen. Europäische Unternehmen sollen einfacher und zu fairen Bedingungen in China investieren können und so besseren Zugang zu dem riesigen Markt mit 1,4 Milliarden Menschen bekommen. China verpflichtet sich dabei zu Umwelt- und Sozialstandards. Es handelt sich aber nicht um ein Freihandelsabkommen, das noch weit umfassender wäre. Ende Dezember hatte die EU gesagt, dass sie eine baldige Grundsatzeinigung erwarte. Noch steht der Deal aber nicht.

Die EU-Abgeordneten forderten zudem, gezielte Sanktionen etwa gegen Hongkongs pro-chinesische Regierungschefin Carrie Lam und weitere politische Funktionäre aus China und der Sonderverwaltungsregion zu erwägen. Friedliche Demonstranten und Oppositionspolitiker in Haft sollten freigelassen werden.

EU-Kommissionsvize Helena Dalli sagte im Plenum des Parlaments, Hongkong bleibe weit oben auf der politischen Agenda. Sie kritisierte, dass Anfang Januar massenweise Oppositionskräfte und politisch Engagierte festgenommen worden waren. Es entstehe immer mehr der Eindruck, dass das Justizsystem genutzt werde, um Dissens zu bestrafen.

Nach der Pandemie besteht die Gefahr, dass China zahlreiche EU-Unternehmen unter dem Vorwand der Rettung aufkauft. Problematisch ist vor allem, dass Übernahmen im Ausland von Peking staatlich subventioniert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...

DWN
Politik
Politik Personalie Jens Spahn: Doch kein Comeback im Haushaltausschuss
29.09.2026

Der Skandal um die Leihmutterschaft kostete Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der CDU‑Fraktion. Im Haushaltsausschuss wollte er...

DWN
Finanzen
Finanzen Ich habe zweimal in einem Jahr die Bank gewechselt: So viel habe ich gespart
29.09.2026

Im vergangenen Jahr habe ich zweimal die Bank gewechselt. Das brachte Ärger, Fehler und Verzögerungen, aber auch eine spürbare Ersparnis...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
29.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankerfracht auf Rekordhoch: Anleger verdienen am Öl-Chaos
29.09.2026

Supertanker kosten inzwischen mehr als eine Million Dollar pro Tag, Raffinerien kämpfen mit explodierenden Transportkosten. Während...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Politik
Politik Winterzeit, Tankrabatt, Bahnhöfe: Was sich im Oktober ändert
29.09.2026

Die Sommerzeit endet schon wieder und das Alkoholverbot an Bahnhöfen kommt - ein Blick auf die Neuerungen im Oktober.

DWN
Finanzen
Finanzen Medios-Aktie: Konzern peilt bis 2031 Umsatz von 3,1 Milliarden Euro an
29.09.2026

Medios-Aktie gefragt: Medios will Umsatz und Ergebnis bis 2031 deutlich steigern. Die Berliner wollen sich mit der Strategie „Medios Next...