Politik

Russland und Türkei kontrollieren Waffenruhe in Berg-Karabach

Nach Ende der Kämpfe in Berg-Karabach wollen Russland und die Türkei die Waffenruhe nun gemeinsam kontrollieren. Dazu stationieren sie tausende Soldaten in die Region.
30.01.2021 15:16
Lesezeit: 1 min

In der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus wollen Russland und die Türkei die Waffenruhe nun gemeinsam kontrollieren. Dazu nahm am Samstag gut elf Wochen nach Ende der Kämpfe ein Überwachungszentrum beider Länder seine Arbeit auf. Türkische Soldaten seien in Aserbaidschan eingetroffen, meldete die aserbaidschanische Staatsagentur Azertac. Auf Bildern waren Streitkräfte vor in Wohncontainern eingerichteten Büros zu sehen.

Das Kontrollzentrum auf aserbaidschanischem Gebiet ist Bestandteil einer Friedensvereinbarung, auf die sich Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev und der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan unter Vermittlung Russlands verständigt hatten. Kernpunkt des Abkommens ist die Entsendung von fast 2000 russischen Friedenssoldaten, die die Waffenruhe in der Region seit Wochen kontrollieren.

Die neuen Kämpfe um Berg-Karabach hatten am 27. September begonnen und dauerten bis zum 9. November vergangenen Jahres. Es gab nach bisherigen Angaben weit mehr als 4700 Tote. Die Zahl dürfte weiter steigen, weil noch immer Leichen geborgen werden. Aserbaidschan hatte sich weite Teile des Anfang der 1990er Jahre verlorenen Gebiets zurückgeholt. Das Land wurde von seinem «Bruderstaat» Türkei unterstützt. Armenien setzte auf Russland als Schutzmacht.

Nach russischen und türkischen Angaben soll das Überwachungszentrum Informationen darüber sammeln, ob die Waffenruhe von den Konfliktparteien eingehalten wird. Beim Bruch sollten «geeignete Maßnahmen geprüft» werden. Bis zu 60 Soldaten sollen von jeder Seite gestellt werden. Zum Einsatz kommen demnach auch Drohnen.

Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte die Hoffnung, dass das Zentrum zu einer weiteren Stabilisierung der Lage in Berg-Karabach beitrage. Das teilte der Kreml am Samstag nach einem Telefonat Putins mit Aliyev mit. Dessen Büro erklärte, die Einrichtung werde einen «nachhaltigen Frieden gewährleisten». Zuletzt hatte es keine größeren Verstöße gegen die Waffenruhe gegeben.

Das Friedensabkommen hat in Armenien heftige Straßenproteste ausgelöst. Die Opposition macht Paschinjan für die Niederlage gegen Aserbaidschan verantwortlich. Erst am Donnerstag gab es bei neuen Demonstrationen mehr als 20 Festnahmen. Menschen hatten versucht, in Regierungsgebäude einzudringen. Die Polizei hinderte sie aber daran.

Weiterlesen: Im Kaukasus brodelt es: Moskau steht vor großen Herausforderungen

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Warum der Ausverkauf für Anleger zur großen Chance werden könnte
28.07.2026

Billionen Dollar Börsenwert sind verschwunden, Technologiekonzerne stürzen ab und die Angst vor einer platzenden KI-Blase wächst. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Mehr Ertrag, weniger Blindflug: Was Anleger über Risiko wissen sollten
28.07.2026

Hohe Rendite gilt vielen Anlegern automatisch als gefährlich – doch die wahre Gefahr kann ganz woanders liegen. Wer versteht, wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fünf Punkte: Was Sie über Trumps neue Zölle wissen müssen
28.07.2026

Der US-Präsident kündigte Ende letzter Woche neue Zölle für eine Vielzahl von Volkswirtschaften an, darunter auch die EU. Hier finden...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Konzern senkt Prognose
28.07.2026

Die Mercedes-Aktie steht nach neuen Zahlen im Fokus: Der Konzern steigert zwar seinen Gewinn, doch das schwache China-Geschäft belastet...

DWN
Technologie
Technologie Neuer E-Lkw rollt mit China-Technik aus Österreich
28.07.2026

Ein neuer E-Lkw verbindet chinesische Antriebstechnik mit europäischer Fertigung – und rollt nun aus Österreich auf die Straße.

DWN
Panorama
Panorama Waldbrand im Urlaub: Was Urlauber jetzt wissen müssen
28.07.2026

Rauch, Evakuierungen und gesperrte Straßen können den Traumurlaub binnen Stunden verändern. Doch welche Möglichkeiten haben Reisende in...

DWN
Politik
Politik Trump-Vertraute Loomer in der Ukraine: „Russland hat mich getäuscht“
28.07.2026

Jahrelang verbreitete Laura Loomer die Erzählungen des Kremls und beschimpfte die Ukraine als Land der „Nazi-Apologeten“. Nun reist...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenschluss: Chipwerte ziehen Nasdaq nach untentitle
27.07.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt über die jüngsten Marktbewegungen wissen müssen.