Politik

Sechs Staaten gründen Mittelmeer-Allianz gegen die Türkei

Sechs Staaten aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem Nahen Osten wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Die Allianz dürfte vor allem gegen die Türkei gerichtet sein.
12.02.2021 10:42
Aktualisiert: 12.02.2021 10:42
Lesezeit: 2 min
Sechs Staaten gründen Mittelmeer-Allianz gegen die Türkei
Abdullatif bin Raschid al-Sajani (l-r), Außenminister von Bahrain, Reem Ebrahim Al-Hashimi, Staatsministerin der Emirate für internationale Zusammenarbeit, und Nikos Christodoulides, Außenminister von Zypern, sprechen während des Treffens miteinander. (Foto: dpa) Foto: Petros Giannakouris

Sechs Staaten aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem Nahen Osten wollen ihre Zusammenarbeit vertiefen. Hintergrund sind unter anderem die Spannungen mit dem Nachbarn Türkei in der Region. Vertreter Griechenlands, der Vereinigten Arabischen Emirate, Ägyptens, Zyperns, Bahrains und Saudi Arabiens trafen sich am Donnerstag in Athen zum „Forum der Freundschaft“. Elektronisch zugeschaltet hatte sich auch der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian, teilte das griechische Außenministerium mit. Ziel des Treffens ist die Förderung von Kooperationen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Energie- und Umweltthemen in der Region vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf.

Mit Blick auf die jüngsten schweren Spannungen mit der Türkei im östlichen Mittelmeer erklärte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis bei der Eröffnung des Treffens: „Wir glauben alle an das Internationale Recht und das Seerecht“. Nur so könnten Probleme und Streitigkeiten gelöst werden. Die Teilnehmer wendeten sich mit ihrer Politik jedoch nicht gegen andere Staaten, betonte Mitsotakis. Die Eröffnung des Treffen übertrug das staatliche griechische Fernsehen.

Kein Mitglied der neuen Allianz ist Israel, welches sich in der Vergangenheit jedoch im Streit um Energievorkommen im östlichen Mittelmeer hinter Griechenland gestellt hatte und über das Pipelineprojekt Eastmed mit Zypern und Griechenland verbandelt ist.

Kritik aus der Türkei

Die Türkei hat mit Kritik auf die Allianz reagiert. Die Initiative sei ein Versuch, ein Bündnis zu bilden, das auf Feindseligkeit gegen die Türkei beruhe, erklärte das türkische Außenministerium am Donnerstagabend. Mit Blick auf die Herausforderungen in der Region sei es unmöglich, effektive Kooperationsmechanismen unter Ausschluss der Türkei und türkischer Zyprer zu schaffen. Dem griechischen Außenminister wurde in der Erklärung zudem Verleumdung vorgeworfen. Griechenland gefährde Frieden und Stabilität in der Region.

Zwischen der Türkei und Griechenland schwelt seit langem ein Konflikt unter anderem um mögliche Erdgasvorkommen im Mittelmeer. Das EU-Mitglied Griechenland wirft der Türkei vor, in Meeresgebieten nach Erdgas zu suchen, die nach internationalem Seerecht nur von Griechenland ausgebeutet werden dürften. Nach Lesart Ankaras gehören diese Gebiete zum türkischen Festlandsockel.

Die türkische Regierung hatte zur Untermauerung ihrer Ansprüche im November 2019 mit der libyschen Regierung ein Seeabkommen über die Aufteilung der Interessensphären im Mittelmeer abgeschlossen, welches Griechenland und Ägypten kurz danach mit einer eigenen Vereinbarung konterkarierten. Im Januar hatten Griechenland und die Türkei dann erstmals seit fünf Jahren wieder Sondierungsgespräche aufgenommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...