Politik

Energie-Konflikt im Mittelmeer: Israel, Griechenland und Zypern starten Pipeline-Projekt Eastmed

Zypern, Griechenland und Israel planen, am 2. Januar 2020 ein Abkommen über den Bau der Pipeline Eastmed zu unterzeichnen. Das Projekt ist Teil des im östlichen Mittelmeer tobenden Streits um die Ausbeutung von Rohstoffreserven.
02.01.2020 15:00
Lesezeit: 3 min
Energie-Konflikt im Mittelmeer: Israel, Griechenland und Zypern starten Pipeline-Projekt Eastmed
Die Pipeline Eastmed. (Grafik: Lebanon Gas News)

Zypern, Griechenland und Israel werden offenbar am 2. Januar 2020 ein Abkommen für den Bau der Mittelmeer-Gas-Pipeline Eastmed unterzeichnen. Dies teilte das Büro des griechischen Regierungschefs Kyriakos Mitsotakis in Athen mit. Die Vereinbarung soll demnach in der griechischen Hauptstadt von Premier Kyriakos Mitsotakis, dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, dem zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades sowie einem Vertreter Italiens unterzeichnet werden.

Bereits am Donnerstagnachmittag soll demnach ein Vorvertrag zwischen dem öffentlichen griechischen Gasunternehmen Depa und dem US-israelischen Konsortium Energean Oil&Gas, das das große Gasvorkommen Leviathan vor der Küste Israels erschließt, im Athener Umwelt- und Energieministerium unterzeichnet werden.

Über die 2.100 Kilometer lange Pipeline Eastmed, die in bis zu 3.000 Meter Tiefe durch das Mittelmeer verlaufen soll, will Israel von 2025 an Erdgas nach Europa liefern - zwischen 9 und 12 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Die Kosten könnten sich auf mehr als 6 Milliarden Euro belaufen. Die Pipeline soll von Israel nach Zypern und von dort aus nach Kreta über das griechische Festland bis nach Italien reichen, so die dpa.

Das Projekt hat neben der wirtschaftlichen und energiepolitischen auch eine starke geopolitische Dimension im von Krisen geprägten östlichen Mittelmeerraum. Derzeit finden im östlichen Mittelmeer diverse Dispute zwischen den regionalen Staaten um die Ausbeutung von Rohstoffvorkommen und die Seegrenzen statt. Die Türkei ist ein Gegner der Pipeline Eastmed. Das RND berichtet: “Ende November spitzte sich der Konflikt zu, als der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan mit Libyen ein Abkommen über die Aufteilung der beiderseitigen Wirtschaftszonen unterzeichnete. Damit versuchen die Türkei und Libyen nicht nur, Teile der Wirtschaftszone Griechenland vor den Inseln Kreta, Karpathos, Rhodos und Kastellorizo unter sich aufzuteilen. Ankara will damit auch die Pläne zum Bau der EastMed-Pipeline durchkreuzen – sie würde durch das jetzt beanspruchte Seegebiet verlaufen. Stattdessen schlägt die Türkei vor, das Erdgas aus dem östlichen Mittelmeer über Anatolien nach Europa zu leiten. Damit könnte die Türkei den Gasfluss kontrollieren und hohe Durchleitungsgebühren kassieren.”

Netanjahu erklärte vor seiner Abreise nach Griechenland, die "Allianz der drei Staaten" habe eine "riesige Bedeutung für die Energiezukunft Israels". Zudem sei das Vorhaben wichtig für die "Stabilität der Region". Der griechische Umwelt- und Energieminister Kostis Hatzidakis sagte dem griechischen Fernsehsender Antena, die Pipeline sei ein "Projekt des Friedens und der Zusammenarbeit im östlichen Mittelmeer... trotz der türkischen Drohungen".

Der türkischen Zeitung Stargazete zufolge hängt der Disput im östlichen Mittelmeer direkt mit dem Syrien-Konflikt zusammen. Es gehe nicht nur um die Ausbeutung der Ressourcen im östlichen Mittelmeer, sondern um die Kontrolle der Transportwege von Öl und Gas, die von Syrien aus ins östliche Mittelmeer, und von da aus nach Europa führen sollen. Die Konflikte in Syrien und im östlichen Mittelmeer würden im Zusammenhang mit der Energieversorgung Europas stehen. Doch entscheidend seien nicht die einzelnen Staaten der Region, sondern die wirklichen Mächte auf dem weltweiten Öl- und Gasmarkt.

Nach einem Bericht der türkischen Zeitung Birgün gibt es direkt vor den südlichen Gewässern von Zypern zwölf Gas-Blöcke, die ausgebeutet werden können. Die Gas-Blöcke 2, 3, 8, 9, 13 und 12 seien komplett umstritten. Die Gas-Blöcke 1, 7 und 11 seien teilweise umstritten. Obwohl der Gas-Block 12 umstritten ist, betreibt dort der US-Energiekonzern Noble Energy bereits Bohrarbeiten. Noble Energy bohrt auch gemeinsam mit der israelischen Energie-Firma Delek Energy am Gas-Feld Leviathan nach Gas. Weitere potenzielle Gas-Felder befinden sich direkt vor der türkischen Küste, auf die die Türkei ein Anrecht hat.

Birgün argumentiert, dass der aktuelle Streit zwischen der Türkei auf der einen Seite und Zypern und Griechenland auf der anderen Seite eine internationale Dimension habe. Der eigentliche Kampf tobe zwischen internationalen Energie-Konzernen: “Die Energiekartelle aus Italien, Frankreich und Russland haben ein großes Interesse daran, die Gas-Ressourcen im östlichen Mittelmeer auszubeuten. Der internationale Verteilungskampf lässt sich daran sehen, dass Eni, Total, Novatek und Noble Energy jeweils verschiedene Verträge mit Zypern, dem Libanon, Israel und Ägypten geschlossen haben. Neben der EU seien auch die USA und Russland an den Ressourcen im östlichen Mittelmeer interessiert. Es gibt zwar viele Diskussionen darüber, wie die Ressourcen ausgebeutet und exportiert werden sollen. Doch die verschiedenen Seiten sind bisher noch zu keiner Einigung gekommen. Die EU hat bereits begonnen, einen Energiekorridor vom östlichen Mittelmeer nach Südosteuropa zu schaffen. Die EU hat mit der Aufnahme Süd-Zyperns in die EU einen erheblichen Einfluss im östlichen Mittelmeer gewonnen und ist zu einem Akteur geworden. Da die EU ihre Energieabhängigkeit von Russland reduzieren möchte, unterstützen sie die Regierung in Nikosia (...) Die Türkei beharrt darauf, dass die südzypriotische Regierung keine Bohrungen vornehmen könne, ohne das Einverständnis der Regierung der Türkischen Republik Nordzypern einzuholen”.

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