Finanzen

5 Gründe, warum die Inflation dieses Jahr deutlich steigen wird

Lesezeit: 2 min
23.02.2021 10:41
Laut Bundesbank-Chef Jens Weidmann könnte die Inflationsrate dieses Jahr wieder über 3 Prozent ansteigen. Tatsächliche sprechen eine ganze Reihe von Gründen für höhere Verbraucherpreise.
5 Gründe, warum die Inflation dieses Jahr deutlich steigen wird
Die Inflation soll dieses Jahr kräftig nach Deutschland zurückkehren. (Foto: dpa)
Foto: Sven Hoppe

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Jahrelang war sie fast wie vom Erdboden verschluckt, nun meldet sie sich zurück in Deutschland: die Inflation. Behält Bundesbankpräsident Jens Weidmann recht, könnte die Teuerungsrate in der zweiten Jahreshälfte auf mehr als drei Prozent steigen. Eine Drei vor dem Komma - das gab es zuletzt 2008. Der Inflations-Cocktail hat diesmal eine lange Zutatenliste: die anziehende Weltkonjunktur nach der Corona-Rezession, die hohen Ersparnisse der Verbraucher, der Sondereffekt der ausgelaufenen Mehrwertsteuersenkung und Kommunen, die Steuern und Abgaben erhöhen wollen.

WELTKONJUNKTUR

Ein großer Preistreiber dürfte die globale Wirtschaft sein, die sich im laufenden Jahr kräftig von der Corona-Rezession 2020 erholen dürfte. Die Marschrichtung geben die beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China vor. Die Vereinigten Staaten dürften in diesem Jahr um 6,5 Prozent wachsen, sagt die Bank of America voraus. Für China rechnen Ökonomen sogar mit einem Plus von rund 8,5 Prozent. Das bringt kräftig steigende Preise für Rohstoffe mit sich. So klagten die vom Institut IHS Markit befragten deutschen Industrieunternehmen im Februar über den stärksten Kostenanstieg seit fast zehn Jahren. Verteuert haben sich demnach vor allem Rohstoffe wie Stahl. "Auch die Transportkosten legten wegen Kapazitätsengpässen zu", sagt Markit-Ökonom Phil Smith. Die Folge: Die Industriebetriebe legten die höheren Kosten zu einem Teil auf ihre Kunden um, indem sie ihrerseits die Preise so stark anhoben wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr.

CORONA-FOLGEN

Wenn am 1. März nach wochenlanger Schließung die Friseurgeschäfte in Deutschland wieder öffnen, dürfte so mancher Salon die Preise erhöhen. Hohe Kosten durch strenge Hygienekonzepte und der wochenlange komplette Einnahmeausfall durch den zweiten Lockdown liefern die Begründung dafür. Das war nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr schon so: Die Preise für Friseurdienstleistungen lagen im September um 6,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt herausfand. Auch andere Corona-Verlierer - von Hotels bis zu Autovermietern - könnten versucht sein, ihre Preise heraufzusetzen. "Gerade bei solchen Gütern, die nun über längere Zeit entbehrt werden mussten (Tourismus, Gastronomie), werden sich für die Unternehmen merkliche Preiserhöhungsspielräume bieten", erläutert der Konjunkturexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths. Diese dürften umso höher ausfallen, je mehr Unternehmen die Zeit des Lockdowns nicht überstehen und aufgeben müssen. Geringerer Wettbewerb infolge einer Pleitewelle kann höhere Preise nach sich ziehen.

200 MILLIARDEN ERSPARNIS

Erleichtert werden Preiserhöhungen dadurch, dass die Verbraucher im Corona-Lockdown viel Geld gespart haben - etwa durch ausgefallene Urlaubsreisen, Restaurant- und Theaterbesuche. "In den beiden Pandemiejahren zusammen beläuft sich diese zusätzliche Ersparnis der privaten Haushalte auf schätzungsweise 200 Milliarden Euro", sagt IfW-Experte Kooths. Das entspricht mehr als zehn Prozent der jährlichen Konsumausgaben. "Es ist damit zu rechnen, dass ein Teil davon preistreibend wirken wird, sobald Konsummöglichkeiten wieder im gewohnten Maße gegeben sind", erwartet deshalb der Ökonom.

KOMMUNEN

Auch der Staat dürfte in diesem Jahr an der Preisschraube drehen. Einer Umfrage der Unternehmensberatung EY zufolge plant eine Mehrheit von 64 Prozent der Städte und Gemeinden, Steuern oder Abgaben zu erhöhen. Teurer werden sollen insbesondere die Müllabfuhr und die Straßenreinigung, gefolgt von der Wasserversorgung und den Parkgebühren. Die Grundsteuer soll bei immerhin jeder fünften deutschen Kommunen steigen, die Gewerbesteuer bei jeder neunten. "Die Pandemie hat die Kommunen bei ihren Bemühungen um eine finanzielle Gesundung um Jahre zurückgeworfen", sagt EY-Partner Bernhard Lorentz. "Und für die kommenden drei Jahre rechnet jede zweite Kommune mit einem weiteren Schuldenanstieg."

MEHRWERTSTEUER

Nicht zuletzt dürften die Preise durch einen Sondereffekt angekurbelt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2020 hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuersätze von 19 auf 16 beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkt, um die Wirtschaft inmitten der Pandemie anzukurbeln. Dadurch fielen die Preise zeitweise sogar. Seit Jahresbeginn gelten wieder die gewohnten Sätze. Das führt zu einem statistischen Effekt: Ab der zweiten Jahreshälfte dürfte die Inflationsrate merklich zulegen, da dann als Vergleichsmaßstab die von der Steuersenkung verbilligten Waren und Dienstleistungen herangezogen werden. "In Deutschland ist die Mehrwertsteuer wieder auf ihr altes Niveau angehoben worden, das schlägt auf die Preise durch", sagt Bundesbankchef Weidmann. Hinzu kommt noch, dass die seit Jahresbeginn geltende CO2-Bepreisung aus dem Klimapaket Benzin und andere Energieprodukte verteuert.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die wirtschaftlichen und klimapolitischen Ziele im Rahmen des „Great Reset“ bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99...

DWN
Politik
Politik Von Diktatoren umzingelt: Wann zerbricht in Europa die Demokratie?

In Europas Peripherie herrschen Diktatoren: Aber auch auf unserem so stabil scheinenden Kontinent steht die Demokratie im Feuer, schreibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Die Feinde von Byzanz: Putin vergleicht NATO und USA mit Kreuzfahrern

Russlands Präsident Putin hat angesichts der jüngsten Spannungen mit der NATO einen historischen Vergleich gezogen. Es dürfe niemals...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa nach Corona: Werden die hohen Schulden eine nachhaltige Erholung bremsen?

Kann Europas Wirtschaft trotz der hohen Schuldenbelastung nach Corona wieder durchstarten? Der Chefvolkswirt der IKB Bank, Klaus Bauknecht,...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesbehörde behauptet nun: Vogelgrippe in Norddeutschland konnte sich durch Menschen verbreiten

Dem Friedrich-Loeffler-Institut zufolge, das eine selbstständige Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Ernährung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Großkonzerne verdrängen mit E-Autos und Vernetzung die kleinen Werkstätten

Zu den Verlierern von E-Mobilität und Digitalisierung gehören auch die freien Werkstätten. Die Autohersteller und ihre...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ringen um die wichtigste Region der Welt - Teil 1

In Südostasien treffen geopolitische, wirtschaftliche und militärische Strategien von Amerikanern und Chinesen direkt aufeinander. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Politik
Politik Lecker Essen und Geld-Spenden: Spahn beim Dinner während der Corona-Einschränkungen

Am 20. Oktober 2020 nahm Jens Spahn an einem Dinner mit mehreren Gästen teil, bei dem nach „BILD“-Informationen Geld-Spenden für ihn...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...