Finanzen

Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen Dollar und ein Indiz für eine möglicherweise heraufziehende Krise der Weltwirtschaft.
28.02.2021 10:00
Lesezeit: 4 min

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht weltweit deutlich an, weshalb die US-Zentralbank Federal Reserve System gezwungen ist, deren Produktion im laufenden Finanzjahr deutlich auszuweiten.

Wie die Financial Times berichtet, will die Federal Reserve im Zuge dieser Ausweitung so viele 100-Dollar-Scheine herstellen, wie nie zuvor. Schätzungen der Fed zufolge soll die Summe der Druckaufträge für Hunderter im laufenden Finanzjahr (Oktober 2020 bis Oktober 2021) einen Gesamtwert von bis zu 320 Milliarden Dollar umfassen, was auf die Produktion von 3,2 Milliarden Banknoten hinausliefe – „genug, um jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind dieses Landes 1.000 Dollar an Bargeld auszahlen zu können“, kommentiert John Dizard in der FT. „Selbstverständlich erreichen diese Banknoten die amerikanischen Bürger jedoch nicht, sondern mindestens 80 Prozent davon werden von der Bundes-Druckerei an ausländische Banken verschifft.“

Den offiziellen Schätzungen der Federal Reserve zum erwarteten Produktionsvolumen im laufenden Finanzjahr (alle Zahlen grob gerundet) ist weiter zu entnehmen, dass zwischen 3 und 4 Milliarden 20-Dollar-Scheine im Gesamtwert von 60 bis 80 Milliarden Dollar und 480 bis 500 Millionen 50-Dollar-Noten im Gesamtwert von 24 bis 25 Milliarden Dollar produziert werden sollen.

Insgesamt – also inklusive der Ein-Dollar- Noten, 2-Dollar-Scheine, 5- Dollar-Noten und 10- Dollar-Scheine – könnten im laufenden Finanzjahr zwischen 7,6 und 9,6 Milliarden neue US-Banknoten im Gesamtwert von 340 bis 430 Milliarden US-Dollar hergestellt werden.

Das dieses Finanzjahr zur Produktion vorgesehene Volumen an Banknoten ist das größte seit mindestens 2012 – für die Zeit davor sind keine offiziellen Statistiken einsehbar. Aus den Anmerkungen der Fed zur Statistik geht deutlich die im Zuge der Pandemie gestiegene Nachfrage nach Dollar-Bargeld in den USA selbst und weltweit hervor: „Die Druckbestellungen für das Finanzjahr 2021 werden stark von der Covid-Pandemie beeinflusst, im Zuge derer die Federal Reserve eine nie dagewesene Nachfrage nach Bargeld registriert hatte. Die Druckbestellungen reflektieren die Schätzungen des Direktoriums hinsichtlich der Netto-Nachfrage von heimischen und internationalen Kunden während des Finanzjahrs 2021. Im Gegensatz zu früheren Jahren, als die Entsorgung beschädigter Banknoten in den Filialen der Zentralbank der größte Treiber der Druckbestellungen war, werden die Druckbestellungen für 2021 von einem Anstieg der Netto-Zahlungsvorgänge (also beispielsweise auch Bargeld-Auszahlungen an Bankkunden weltweit – der Autor) angetrieben. Die Druckbestellungen für das Finanzjahr in Höhe von 7,6 bis 9,6 Milliarden Geldscheinen sind ein Anstieg um 1,7 bis 3,8 Milliarden Scheine – oder 30,6 bis 65,9 Prozent – verglichen mit den Bestellungen des Finanzjahrs 2020.“

Die Welt hortet Dollar-Bargeld

Tatsächlich werden weltweit immer mehr Dollar-Banknoten gehortet. Die seit vielen Jahrzehnten bestehende Nachfrage aus Übersee gewann seit Ausbruch der Corona-Pandemie zu Beginn des vergangenen Jahres noch einmal deutlich an Schwung. Wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichteten, wurde Ende Dezember 2020 mit rund 2,09 Billionen Dollar ein neuer historischer Höchststand bei den außerhalb der USA zirkulierenden Dollar-Scheinen markiert.

Das Portal Payment Source berichtet mit Verweis auf Statistiken der Fed, dass die Stückzahl weltweit zirkulierender Dollar-Noten mit etwa 45 Billionen Ende 2019 einen historischen Höchststand erreicht hatte und seitdem noch einmal deutlich gestiegen sei.

Das global zirkulierende Dollar-Volumen wächst seit etwa 2 Jahrzehnten kontinuierlich. Auffallend ist jedoch, dass der Anteil des 100-Dollar-Scheins zulasten anderer Werte in der jüngsten Vergangenheit deutlich zugenommen hatte. „Im Jahr 1999 waren nur etwas über 17 Prozent aller US-Banknoten 100-Dollar-Scheine, während 25,8 Prozent auf den Zwanziger und 33 Prozent auf den 1-Dollar-Schein entfielen. Im Jahr 2019 repräsentierte der 100-Dollar-Schein hingegen 31 Prozent aller zirkulierender amerikanischer Banknoten, während auf den Zwanziger 20,5 Prozent und auf den 1-Dollar-Schein 27 Prozent entfielen“, schreibt Payment Source.

Der Chicagoer Fed-Filiale zufolge befinden sich gegenwärtig mehr als 80 Prozent aller Dollar-Banknoten nicht in den USA, sondern in aller Welt. Die starke Nachfrage nach Dollar-Bargeld habe demnach insbesondere zwei Ursachen.

Zum einen würde der Nachteil von Bargeld, keine Zinsen abzuwerfen, in Zeiten von Null- und Negativzinsen nicht mehr so stark ins Gewicht fallen wie zu Zeiten, als die Bürger noch 3, 4 oder 5 Prozent Zinsen für ihre Barguthaben auf Sparkonten erhielten.

Zum anderen sei die Hortung von Dollar-Bargeld ein eindeutiger Hinweis auf wirtschaftliche Schwierigkeiten in jenen Ländern, in denen die Dollar-Nutzer leben. „Menschen in anderen Ländern, besonders in Staaten mit instabilen Finanzsystemen, nutzen amerikanische Dollar häufig als sicheren Hafen. Die US-Währung ist vor allem für jene attraktiv, welche eine stabile Währung in ihren Alltagsgeschäften benötigen, oder für Bürger, die illegalen Geschäften nachgehen oder einfach nicht wollen, dass ihre Geschäfte von den Behörden des Landes überwacht werden können. Als Folge davon ist die Nachfrage nach der US-Währung im Ausland substanziell. Am begehrtesten ist der 100-Dollar-Schein, welcher es aufgrund seines hohen Wertes ermöglicht, große Summen bequem zu transportieren“, schrieb die Chicagoer Fed in einer Analyse aus dem Jahr 2018

Bemerkenswert ist, dass auch die Volumina anderer als „wertstabil“ erachteter Währungen außerhalb ihres traditionellen Währungsgebietes deutlich steigen. So hat sich das Volumen der zirkulierenden britischen Pfundmünzen und -scheine alleine zwischen Januar 2019 und Januar 2021 von rund 82 Milliarden Pfund auf etwa 89 Milliarden Pfund erhöht, wie aus Daten der Bank of England hervorgeht.

Die Europäische Zentralbank hat bislang keine Statistiken zur Zirkulation von Euro-Bargeld außerhalb der Eurozone nach 2019 veröffentlicht. Bis dahin herrschte eine robuste Nachfrage insbesondere aus Ost- und Südosteuropa, dem Nahen Osten und Afrika, welche allerdings in den vergangenen Jahren stagnierte. Auf dem amerikanischen Doppelkontinent spielt der Euro in Form von Bargeld aufgrund der Dominanz des Dollars praktisch keine Rolle.

Analysten der Zentralbank schätzten mit Blick auf das Jahr 2019, dass zwischen 30 und 50 Prozent aller Euro-Münzen und -scheine außerhalb der Eurozone zirkulierten, was damals zwischen 400 und 650 Milliarden Euro entsprochen habe. Noch ein Jahr zuvor beliefen sich die Schätzungen auf 20 bis 25 Prozent. Daten für das Pandemiejahr 2020 liegen bislang nicht vor.

Bargeldnutzung in den USA auf dem Vormarsch

Trotz der Ausweitung im digitalen Zahlungsverkehr ist die Nutzung von Münzen und Scheinen vielerorts auf dem Vormarsch – insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie. Wie Doug Pertz, Chef des amerikanischen Bargeldabwicklers Brinks, berichtet, hat sich der Bargeldumlauf in den USA deutlich erhöht. Im Pandemiejahr 2020 lag die Steigerung demnach bei 16 Prozent und damit deutlich höher als die durchschnittlichen Steigerungen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Brinks selbst habe etwa 6 Prozent mehr Bargeld verwahrt und transportiert als im Jahr zuvor, sagte Pertz zum Nachrichtensender CNBC.

Einer Studie der Bundesbank zufolge wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 60 Prozent aller Finanztransaktionen bar abgewickelt, wobei rund ein Drittel der insgesamt getätigten Wert-Volumen auf Bargeld entfiel.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

DWN
Politik
Politik Energiepreise setzen Haushalte unter Druck: Wie die EU Stromkosten senken will
11.03.2026

Die EU-Kommission stellt einen neuen Energieplan vor, mit dem Haushalte in Europa spürbar bei den Stromkosten entlastet werden sollen....

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
11.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Finanzen
Finanzen Gerresheimer-Aktie im freien Fall: Jahresabschluss verschoben, SDAX-Ausschluss droht – was der Bilanzskandal für Anleger bedeutet
11.03.2026

Für die Gerresheimer-Aktie reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Nach Bilanzfehlern und Untersuchungen der BaFin verzögert sich...

DWN
Politik
Politik EU-Rüstungsprogramm Safe: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredite ab
11.03.2026

44 Milliarden für Polens Rüstung? Präsident Nawrocki blockiert ein EU-Programm und setzt auf eigene Ideen. Was steckt hinter dem...

DWN
Politik
Politik Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert
11.03.2026

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass...

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...