Wirtschaft

Herzogin Meghan nennt britisches Königshaus „die Firma“

Herzogin Meghan hat das britische Königshaus im Streit als „Firma“ bezeichnet. Diese Einschätzung ist zutreffend, die Krone ist steinreich und verdient weiterhin kräftig.
04.03.2021 10:52
Aktualisiert: 04.03.2021 10:52
Lesezeit: 3 min

Herzogin Meghan hat dem britischen Königshaus vorgeworfen, Unwahrheiten über sie stehen zu lassen. „Ich verstehe nicht, wie sie nach all dieser Zeit erwarten können, dass wir noch immer still bleiben, wenn die Firma [das Königshaus] eine aktive Rolle dabei spielt, Unwahrheiten über uns aufrecht zu erhalten“, sagte Meghan in einem von CBS veröffentlichten Clip aus einem Interview.

Der innere Frieden im Buckingham-Palast ist bereits seit einem Jahr angespannt, als Harry und Meghan sich entschieden, in die USA auszuwandern. Mittlerweile haben sie zusammen mit der Königin entschieden, nicht ins royale Leben zurückzukehren. Seine militärischen Ehrentitel, die ihm viel bedeuteten, hat Harry zurückgegeben. Der wichtigste Grund für den Abgang: Er habe seine Familie schützen müssen, sagte der Herzog von Sussex jüngst dem Moderator James Corden. In einem vorab veröffentlichten Clip aus dem Interview mit der US-Moderatorin Oprah Winfrey betont Harry: „Meine größte Sorge war, dass sich die Geschichte wiederholen könnte“ - eine deutliche Anspielung auf den Tod seiner Mutter Diana, die 1997 – offenbar von Paparazzi verfolgt – bei einem Verkehrsunfall in Paris starb.

Der Krone gehört der Meeresgrund

Tatsächlich ist Meghans Bezeichnung „Firma“ für das Königshaus gerechtfertigt. Königin Elizabeth II. und der britischen Royal Family winken schon bald zusätzliche Einnahmen von Hunderten Millionen Pfund. Die Apanage des Königshauses könnte sich auf einen Schlag vervielfachen. Das Geld kommt auch von deutschen Konzernen - und möglich macht das alles die geografische Lage des Vereinigten Königreichs.

Aber von vorne. Freudig teilten die Energieunternehmen EnBW und RWE jüngst mit, sie hätten sich im Bieterstreit um begehrte Flächen für Offshore-Windparks vor der britischen Küste durchgesetzt. Premierminister Boris Johnson will Großbritannien zum Vorreiter bei grüner Energie machen, bis 2030 sollen alle Haushalte mit Strom aus Offshore-Windparks versorgt werden.

Insgesamt vier Gebiete waren nun ausgeschrieben, außer den deutschen Konzernen waren zwei Finanzinvestoren erfolgreich. Dafür fließen insgesamt 879 Millionen Pfund (rund eine Milliarde Euro) - und zwar jedes Jahr während der bis zu zehnjährigen Optionszeit, in der die Bieter eine endgültige Investitionsentscheidung treffen können.

Tatsache ist: Kohle- und Atomausstieg belasten zwar sowohl EnBW als auch RWE, aber nur bedingt - die beiden Konzerne werden vom Steuerzahler kräftig unterstützt. Indirekt finanziert also der deutsche Michel das kostspielige Leben der britischen Royals.

Wem aber gehört das Gebiet, also der Meeresgrund vor der britischen Küste? Der Krone. Das Königshaus ist einer der größten Landbesitzer im Vereinigten Königreich: Seinem Darlehensverwalter, dem Crown Estate, gehören Hunderttausende Hektar Landwirtschaftsfläche und Wälder, zudem Immobilien in London und anderen Städten im Milliardenwert.

Gold- und Silbervorkommen zählen ebenfalls dazu, die Schürfrechte werden verpachtet, ebenso das Recht zum Lachsfang in vielen schottischen Flüssen. Die Regelung ist ein Überbleibsel der Geschichte, mit der Verpachtung der Kronländereien besserten die Monarchen jahrhundertelang ihre Kasse auf.

Über Geld redet die Queen nicht. Wie der Guardian jüngst berichtete, soll es der Königin in den 1970er Jahren gelungen sein, Einfluss auf ein geplantes Gesetz zu nehmen und den Umfang ihres privaten Vermögens zu verschleiern. Der Palast dementierte dies energisch. Klar aber ist: Die Höhe des Privatvermögens der Queen ist nicht bekannt. Dem Guardian zufolge wird es auf mehrere Hundert Millionen Pfund geschätzt.

Die Einnahmen aus den Ländereien zählen aber nicht dazu. Längst ist das Crown Estate eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und dem Parlament in London rechenschaftspflichting. Der Ertrag geht zu 100 Prozent an den Staat. Aber - und hier kommt das Königshaus wieder ins Spiel: Der Staat finanziert mit einem Anteil aus dem Gewinn - dem sogenannten Sovereign Grant - den Unterhalt der Royals.

Berechnet wird der Betrag aus den Einnahmen des Crown Estate im vorvergangenen Jahr, aktuell also dem Finanzjahr 2018/19. „Der Sovereign Grant für 2020/21 beträgt 85,9 Millionen Pfund, das sind 25 Prozent von 343,5 Millionen Pfund“, betont die britische Regierung. Damit werden Staatsreisen finanziert, aber auch der Erhalt der Ländereien und die Renovierung der Schlösser.

Dafür ist viel Geld nötig. Derzeit laufen Arbeiten im Inneren des Buckingham-Palasts im Herzen Londons. Äußerlich erstrahlt das Touristenziel in voller Pracht, aber in den Gemäuern bröckelt es. Elektrische Leitungen, Heizungsrohre, Wasserleitungen - alles muss erneuert werden. Bauzeit: zehn Jahre. Kosten: 369 Millionen Pfund.

Zuletzt hatten die Einnahmen der Royals gelitten - unter dem Brexit und der Corona-Pandemie. Wegen des Austritts aus der EU gehen der Familie Hunderttausende Euro Agrarhilfe durch die Lappen: Allein für das Gut Sandringham in Ostengland floss 2019 noch rund eine Million Euro aus Brüssel. Und wegen der Pandemie kommen keine Besucher mehr in den Buckingham-Palast oder das Schloss Windsor bei London. Einer Schätzung vom September 2020 zufolge fehlen dadurch Eintrittsgelder in Millionenhöhe.

Da kommt der Windpark-Deal gerade recht. Allein durch die Optionsgebühr käme für die Krone ein Betrag von bis zu 220 Millionen Pfund zusammen - pro Jahr. Doch um diese Summe zu erreichen, sind mehrere Voraussetzungen nötig: Der Sovereign Grant wird bei der für 2022 anberaumten Revision nicht abgesenkt. Er war 2017 wegen der Renovierung des Palasts von 15 auf 25 Prozent erhöht worden. Außerdem müssen die Projekte noch abschließend bewilligt werden.

Und: Die Konzerne müssten tatsächlich jahrelang die Optionsgebühren zahlen. Das aber wollen sie vermeiden. Der britische Energieriese BP, der sich für ein Projekt mit EnBW zusammengeschlossen hat, kündigte bereits an, deutlich früher eine Entscheidung zu treffen und die Turbinen in Betrieb zu nehmen. Dann erhielte das Crown Estate nur noch eine „Mietgebühr“ in Höhe von 2 Prozent am Umsatz des Windparks.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Bericht: Engpässe im Stromnetz bremsen Chinas grüne Energie
21.07.2026

China ist Weltmeister beim Ausbau von Solar- und Windparks. Doch immer häufiger geht die dort gewonnene Energie verloren. Einer Analyse...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Minenjagd: Einsatz gegen eine unsichtbare Gefahr
21.07.2026

Seeminen gehören zu den effektivsten Mitteln, um internationale Handelswege lahmzulegen. Das Aufspüren, Räumen – und gegebenenfalls...

DWN
Panorama
Panorama Google löscht Online-Bewertungen: Was sind die Sterne noch wert?
21.07.2026

Die Sterne bei Google entscheiden mit darüber, welches Restaurant oder Hotel Kunden wählen – doch wie verlässlich sind sie noch? Immer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mercedes-Aktie: Warum ausgerechnet die C-Klasse über Europas Autozukunft entscheidet
21.07.2026

Mercedes verabschiedet sich von der Idee, Elektroautos wie eine eigene Produktwelt zu verkaufen. Die neue elektrische C-Klasse soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall über Marke von 4.000 Dollar – Zinsausblick bleibt Belastungsfaktor
21.07.2026

Der Goldpreis erholt sich am Dienstag spürbar. Eine Feinunze Gold kostete im frühen Handel annähernd 4.060 US-Dollar. Damit bleibt das...

DWN
Panorama
Panorama DAK-Auswertung: Weniger Krankmeldungen – psychische Leiden rücken in den Fokus
21.07.2026

Weniger Krankschreibungen, aber neue Herausforderungen: Eine aktuelle Auswertung zeigt überraschende Entwicklungen bei den Fehlzeiten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Automarkt kollabiert: Deutsche Autobauer zahlen den Preis
21.07.2026

China war jahrzehntelang die Gewinnmaschine der deutschen Autoindustrie. Nun brechen dort die Verkäufe westlicher Marken ein, während...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Ölpreis steigt auf 91 Dollar, während Trump erklärt, der Iran werde für US-Todesopfer „um ein Vielfaches zahlen“
20.07.2026

Welche Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten und wo Anleger jetzt genau hinschauen sollten.