Politik

China wird aggressiver: Zwangsassimilation in der Inneren Mongolei

Peking hat verfügt, dass an den mongolisch-sprachigen Schulen in der Inneren Mongolei diverse Fächer nur noch auf Chinesisch unterrichtet werden dürfen. Zuvor hatte es Massenproteste gegen dieses Dekret gegeben. Diese wurden von den Sicherheitskräften niedergeschlagen. Europa schweigt.
06.03.2021 20:35
Aktualisiert: 06.03.2021 20:35
Lesezeit: 1 min

Die Behörden in der Inneren Mongolei müssen „ethnische Probleme lösen“ und den Gebrauch der Mandarin-Sprache forcieren, sagte der chinesische Präsident Xi Jinping, Monate nachdem die Region von Protesten gegen eine neue Regel erschüttert wurde, die den Gebrauch der mongolischen Landessprache reduzieren würde. Die Region im hohen Norden Chinas grenzt an die unabhängige Nation der Mongolei, mit der sie ethnische, kulturelle und sprachliche Bindungen teilt.

Im Sommer 2020 hatte die Kommunistische Partei Chinas angeordnet, dass an den mongolisch-sprachigen Schulen in der Inneren Mongolei die Fächer Literatur, Politik und Geschichte künftig nicht mehr auf Mongolisch, sondern nur noch auf Chinesisch unterrichtet werden dürfen. Daraufhin gingen Zehntausende auf die Straßen, um gegen diesen Beschluss zu protestieren. Es kam zu Schulboykotten. „Channel News Asia“ zufolge umzingelten gepanzerte Fahrzeuge die Schulen, um die Anführer der Proteste festnehmen zu lassen

China verfolgt das Ziel, nicht-chinesische Minderheiten in die sogenannte „Han-Kultur“ zu assimilieren. Assimilation läuft gesellschaftlich immer über die Sprache. Unklar bleibt, warum diese Problematik in der europäischen Öffentlichkeit überhaupt keine Resonanz erhält.

Präsident Xi Jinping sagte er, die Innere Mongolei sollte „unerschütterlich die Verwendung nationaler gemeinsamer Lehrbücher fördern“, um „falsche Vorstellungen“ über Kultur und Nationalität zu korrigieren. Die Inneren Mongolen sollten „auswendig lernen, dass die Han-Ethnizität nicht von ethnischen Minderheiten getrennt werden kann und dass ethnische Minderheiten nicht von der Han-Ethnizität getrennt werden können“.

Im vergangenen Jahr drohten Eltern, die sich weigerten, ihre Kinder wieder zur Schule zu schicken, Entlassungen, Geldstrafen und die Ausweisung von Schülern. In einer brandaktuellen Spezialanalyse unter dem Titel „Iran und USA stehen kurz vorm Krieg: Werden China und Russland die Gelegenheit nutzen und Nachbarländer annektieren?“ schildert der renommierte DWN-Kolumnist Ronald Barazon, wie Peking das aktuelle geopolitische Umfeld nutzen könnte, um auch außenpolitisch offensiver aufzutreten.

Die aktuellen Vorkommnisse in der Inneren Mongolei bestätigen, dass Peking künftig innen- und außenpolitisch eine härtere Gangart einschlagen wird.

Mehr zum Thema:

Zur Wahrung unserer Freiheit: Vorschläge für eine neue transatlantische Eindämmungs-Politik

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
06.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Technologie
Technologie Warum Fernwärme nicht überall funktioniert
06.10.2026

Fernwärme soll ein wichtiger Baustein der Wärmewende werden – doch nicht jedes neue Netz ist wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend sind...

DWN
Politik
Politik Nicht nur das BSW verhilft AfD-Mann zum Posten des Landtagspräsidenten
06.10.2026

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen und wird mit Tobias Rausch nun auch den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kündigungsschutzklage: Das müssen Sie wissen
06.10.2026

Wer entlassen wird, kann und sollte sich dagegen wehren. Lohnnachzahlungen oder eine Abfindung sind jedoch kein Selbstläufer. Was...

DWN
Immobilien
Immobilien Superreiche fliehen aus London: Luxusimmobilien stürzen ab
06.10.2026

Londons Luxusimmobilien verlieren dramatisch an Wert, in manchen Nobelvierteln beträgt das Minus mehr als 25 Prozent. Während die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall erobert den Weltraum und startet Satellitenproduktion für die Bundeswehr
06.10.2026

Rheinmetall baut nicht mehr nur Panzer, Munition und Gefechtstürme. Mit eigenen Radarsatelliten will der Rüstungskonzern die Bundeswehr...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwerer Öl-Deal mischt sich in Gespräche zwischen USA und Russland
06.10.2026

Der russische Präsident Wladimir Putin hat bei Gesprächen mit den USA einen milliardenschweren Öl-Deal angesprochen, der Verbindungen zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Lkw-Offensive sorgt für Unruhe: „Fast zu gut“
06.10.2026

Die Elektrifizierung ist in vollem Gang, und die chinesischen Hersteller haben Lastwagen bereit, die in Europa auf die Straße kommen...